Verschwörungstheorien

Psychologie

Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien sind abstrus: Sie vermischen Fakten mit erfundenen Behauptungen und bauen auf stereotypen Feindbildern auf. Dabei richtet sich ein übersteigertes, irrationales Misstrauen gegen eine bestimmte Gruppe, seien es ein Geheimdienst, eine ethnische Volksgruppe oder sogar Außerirdische, denen man die übelsten Machenschaften unterstellt. Sind Verschwörungstheorien dann noch spannend geschrieben und treffen sie den Nerv der Zeit, verkaufen sie sich – ganz im Sinne ihrer Autoren – blendend.

Wie entstehen Verschwörungstheorien?

Am Anfang jeder Verschwörungstheorie steht das Misstrauen zwischen zwei gesellschaftlichen Gruppen. Dieses Misstrauen steigert sich zu einem Verschwörungsglauben, der davon ausgeht, dass sich eine Gruppe gegen eine andere Gruppe verschworen hat, um ihr zu schaden.

Der Gegner, auf den man sich fokussiert hat, ist angeblich böse, mächtig und verschlagen. Und er begeht überall und zu jeder Zeit verdeckte Verbrechen. Er wird regelrecht dämonisiert.

Geheimdienste als Nährboden

Eine Gruppe, der man heute fast alles zutraut, sind die Geheimdienste, wie etwa die CIA (Central Intelligence Agency), der Mossad oder der einstige sowjetische Geheimdienst KGB. Sie arbeiten im Geheimen, ihre Arbeit ist undurchsichtig. Niemand weiß genau, was sie tun. Das ist der Nährboden für Verschwörungstheorien aller Art.

Katastrophen, die irgendwo passieren, werden umgedeutet und mit einer Verschwörungstheorie in Verbindung gebracht. Bestes Beispiel sind die Verschwörungstheorien zum 11. September 2001. Der CIA oder gar dem Mossad wird unterstellt, hinter dem Einsturz des World Trade Centers zu stehen.

Das häufigste Motiv, das einer Verschwörungstheorie zugrunde gelegt wird, ist die Weltherrschaft. Egal ob es Juden, Außerirdische oder Freimaurer sind, gegen die sich das Misstrauen richtet: Ihnen wird unterstellt, die Welt beherrschen und allen anderen Menschen schaden zu wollen.

Wappen der CIA im Boden des CIA Hauptquartiers in Langley

Auch die CIA dient Verschwörungstheoretikern als Feindbild

Wer ist anfällig für Verschwörungstheorien?

Das Weltbild der Menschen, die an eine Verschwörungstheorie glauben, ist oft simpel und gehorcht der Einteilung in Gut und Böse. Hinter einem schrecklichen Ereignis wird eine böse Macht vermutet, die für alles verantwortlich ist. Und dennoch kann es jedem passieren, an eine Verschwörung zu glauben, die gegen die eigene Person gerichtet ist.

Ein erstes Misstrauen besteht schon darin, dass man zum Beispiel annimmt, den Politikern in Berlin ginge es nur darum, die eigenen Pfründe zu sichern, anstatt zu regieren. Auch aus Vorurteilen gegenüber fremden Nationalitäten kann sich ein Verschwörungsglaube entwickeln.

Wer sind Verschwörungstheoretiker?

Die Personen, die eine Verschwörungstheorie in die Welt setzen, lassen sich in vier verschiedene Gruppen unterteilen. Die erste Gruppe könnte man als "die Verfolgten" bezeichnen. Sie sind oft einsam und haben psychische Auffälligkeiten. Sie sind es selbst, die von ihren eigenen Vorstellungen am meisten verfolgt werden. Ihre Verschwörungstheorien haben kaum eine Breitenwirkung.

Die zweite Gruppe sind die "besessenen Aufklärer": Diese Gruppe hat vermeintlich eine Verschwörung entdeckt und will sie, so gut es geht, entlarven. Ihr Forum ist das Internet, aber auch Buchverlage bleiben von ihren Manuskripten nicht verschont.

Die dritte Gruppe kann man als die "Meinungsführer" bezeichnen. Sie bauen ein Weltbild auf und beeinflussen ihre Gefolgsleute. Ein berühmtes Beispiel ist der Schweizer Erich von Däniken. Seine Verschwörungstheorie besagt, dass in prähistorischer Zeit die Welt von Außerirdischen besucht wurde. Die Wissenschaft ignoriere jedoch seine Thesen.

Diese Verschwörungstheoretiker erbringen immer neue Hinweise, um ihre These zu stützen. Den letzten Beweis allerdings bleiben sie schuldig.

Schriftsteller Erich von Däniken signiert ein Buch

Von Däniken fühlt sich von der Wissenschaft ignoriert

Die vierte und letzte Gruppe, die richtig gefährlich ist, sind die sogenannten "Hexenjäger". Paradebeispiel in der Geschichte war der Dominikaner Heinrich Kramer, der den sogenannten "Hexenhammer" verfasst hat. Wer im 16./17. Jahrhundert unter den Verdacht geriet, eine Hexe zu sein, wurde gefoltert und getötet.

Der berühmteste Hexenjäger des 20. Jahrhunderts war der amerikanische Senator Joseph McCarthy, der überall in der amerikanischen Gesellschaft Kommunisten erspähte. Seine Hatz auf Kommunisten fand Rückhalt bei konservativen Amerikanern. Viele Menschen, die er dem Kommunismus-Verdacht aussetzte, litten schwer. Handfeste Beweise hatte McCarthy nie.

Verschwörungstheorien funktionieren nach allgemeinen Regeln

Der Ausgangspunkt jeder Verschwörungstheorie ist eine Geheimgesellschaft, der man böse Machenschaften und schreckliche Vorhaben unterstellt. Das bildet die These, die über der Verschwörungstheorie steht. Alles, was die These stützt, tragen die Autoren der Theorie zusammen. Was der These widerspricht, lassen sie schlicht unter den Tisch fallen.

Die Zahlen oder Fakten, die sie verwenden, sind leicht nachprüfbar. Nur die Schlussfolgerungen, die aus dem ganzen Zahlen- und Datenmaterial gezogen werden, sind falsch. Oft deuten die Verschwörungstheoretiker wahre Ereignisse so um, dass sie zur Theorie passen.

Wirkungsvoll ist es, die Wissenschaft in Frage zu stellen und zu attackieren. Denn die Theorie braucht nur den Anstrich von Authentizität. Große Wirkung erzielen Verschwörungstheorien auch damit, ihre Gegner zu dämonisieren.

Zusammengefasst ist eine Verschwörungstheorie eine Mischung aus ein paar nachprüfbaren Fakten und vielen erfundenen Behauptungen und Geschichten, aus denen immer neue Sinnzusammenhänge konstruiert werden.

Autorin: Sabine Kaufmann

Weiterführende Infos

Stand: 14.09.2016, 14:14

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