Drogen

Rauschmittel

Drogen

Sie sollen aufputschen, Schmerz und Sorgen lindern, die Wahrnehmung erweitern oder verändern – jede Droge wirkt anders. Nicht alles macht sofort süchtig, doch was wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Auch das haben Drogen mit Medikamenten gemein.

Plakat des Films 'Fear and Loathing in Las Vegas'.

LSD und mehr: "Fear and Loathing in Las Vegas"

Es beginnt mit grünen Ranken auf dem roten Teppichboden der Hotellobby: Plötzlich wachsen sie, wuchern wild die Wand und die Beine eines Gastes hinauf. Johnny Depp alias Raoul Duke reißt sich zusammen.

Doch als sich auch noch der Kopf der Rezeptionistin in eine angreifende Muräne verwandelt, kauert er sich japsend vor dem Empfangstresen nieder. Da hilft auch das Wissen nicht, dass das eingenommene LSD seine Halluzinationen auslöst.

Im Film "Fear and Loathing in Las Vegas" nehmen die beiden Protagonisten Dr. Gonzo und Raoul Duke nacheinander – oder auch kombiniert – so ziemlich jedes bewusstseinsverändernde Mittel ein und der Zuschauer darf die Wirkung miterleben. Selten hat ein Film solch ein Feuerwerk psychedelischer Faszinationen und Albträume aneinandergereiht.

Der Betrachter fühlt sich verführt, selbst einmal solch eine Wirkung zu erleben, und doch gleichzeitig abgestoßen und gemahnt, einen großen Bogen um jede Droge zu machen.

Doch wo anfangen mit dem Nehmen oder Lassen – wenn Alkohol in Deutschland per Gesetz erlaubt und Cannabis verboten ist, während das Magazin "Der Spiegel" in einer Ausgabe vom September 2012 selbst Zucker zur Droge erklärt?

Was ist eine Droge?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung teilt Drogen ein in Alkohol, Nikotin und illegale Drogen. Der Volksmund jedoch meint vor allem die unerlaubten Substanzen. Die sowohl in Deutschland als auch weltweit häufigste ist Cannabis mit dem Wirkstoff THC.

Zugleich ist umstritten, wie illegal sie tatsächlich sein sollte: "Legalize it", zunächst ein Album des Reggae-Musikers Peter Tosh, ist bis heute ist der Satz, mit dem Befürworter der Droge ihre gesetzliche Freigabe fordern. In Deutschland lässt sich die Justiz mittlerweile auf einen Kompromiss ein.

Wer nur gelegentlich Marihuana (die Blüten) oder Haschisch (den extrahierten Harz) konsumiert, landet hier nicht automatisch vor Gericht: Bei geringen Mengen zum Eigengebrauch wird das Strafverfahren oft eingestellt.

Bei den härteren Drogen kann zwischen Ecstasy, Speed, Kokain, Opiaten und schließlich den Halluzinogenen unterschieden werden. Unter letztere fallen vor allem LSD, Meskalin und psychoaktive Pilze. Opium ist der getrocknete Milchsaft des Schlafmohns, seine natürlichen Bestandteile sind die Opiate.

Daneben muss man zudem die chemisch ähnlichen, jedoch synthetischen Opioide aufzählen, darunter vor allem Heroin. Doch sogar das körpereigene Endorphin ist ein Opioid – es löst beispielsweise bei Ausdauersportlern während des "Runner's High" euphorische Gefühle aus.

Natürliche Stoffe…

Morphium heißt die chemische Wirksubstanz des Opiums. Und spätestens hiermit wird die Nähe zur Medizin klar. Was dem einen die Droge, ist dem anderen das Medikament. Schon das englische Wort "drugs", das beides bezeichnen kann, zeigt die Verwandtschaft an.

Alte Flaschen Laudanum.

Einst ein beliebtes Medikament: Laudanum

Bereits die alten Ägypter sollen Opium als Arznei benutzt haben. Als der Arzt und Philosoph Paracelsus zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Stoff neu erfand, nannte er seine Morphin-Lösung Laudanum und pries sie als ein Allheilmittel an. Bis heute wird Morphium in der Medizin als starkes Schmerzmittel verwendet.

Auch Kokain ist natürlichen Ursprungs. Es wurde ursprünglich aus den Blättern des südamerikanischen Cocastrauches gewonnen, mittlerweile wird es jedoch hauptsächlich synthetisch erzeugt. Als Droge wird das weiße Pulver als charakteristische Line auf den Tisch gebracht und durch ein Röhrchen in die Nase gezogen.

Der Stoff ist ein Aufputschmittel – wie Koffein, wenn auch deutlich stärker: Stimmung und Puls steigen, der Körper wird auf höhere Leistungsfähigkeit eingestellt. Mit der Zeit wirkt genau dies jedoch kräftezehrend.

Mutterkorn in einer Ähre.

Der Ursprungsstoff von LSD steckt im Mutterkorn

Schlimmer noch sind die akuten Risiken eines Herzinfarkts, eines Atem-/Kreislaufversagens oder auch eines sogenannten Kokainschocks, ein Kreislaufkollaps, der tödlich verlaufen kann. Zudem birgt Kokain ein hohes Potenzial, psychisch abhängig zu werden.

LSD wiederum zählt zu den halbsynthetischen Stoffen. Ein natürlicher, stark halluzinogen wirkender Stoff wurde aus dem Mutterkorn gewonnen, einem Pilz, der als schwarze Verlängerung aus Getreideähren herauswächst. Lysergsäurediethylamid, kurz LSD, ist eine chemisch hergestellte Variante dieses Wirkstoffmoleküls.

… und synthetische Drogen

Zwei Finger halten eine Ecstasy-Tablette.

Ecstasy und Speed halten wach

Gänzlich künstlich sind dagegen die Ecstasy-Tabletten. Sie enthalten vor allem den Wirkstoff MDMA. Dieser zählt wie auch Speed zu den Amphetaminen. Amphetamin wurde bereits im Jahr 1887 erstmals synthetisiert.

In den 1930er Jahren kam es als Medikament gegen Asthma auf den Markt und wurde – wie schon Paracelsus' Laudanum – bald zum Allheilmittel hochgelobt. Studenten benutzten es zum Wachbleiben, ebenso die Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Erst als sich das hohe Suchtpotenzial der Amphetamine herauskristallisierte, wurde die Droge als solche deklariert.

Heute finden sich Amphetamine weiterhin in Asthma-Medikamenten, auch das gegen ADHS eingesetzte Ritalin enthält eine chemische Abwandlung des Stoffs. Die Wirkung der Amphetamine als Droge beruht auf der Freisetzung der körpereigenen Hirnbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin:

Man fühlt sich entspannt und aufmerksam zugleich, ein Gefühl von Stärke stellt sich ein, wohingegen Hunger und Müdigkeit unterdrückt werden. Auf der anderen Seite birgt genau dieser Effekt auch die Gefahr, wichtige Körpersignale wie Schlafbedürfnis und Durst nicht zu bemerken.

Zudem kann Ecstasy zu Schwindelgefühlen, Übelkeit, Schweißausbrüchen und einer Verkrampfung der Kiefermuskulatur führen. Bei Speed sind die möglichen Nebenwirkungen noch stärker und reichen von Muskelkrämpfen bis zum Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Wie gefährdet ist die Jugend?

In einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2011 wurden Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren zu ihrem Drogenkonsum befragt. 14 Prozent von ihnen gaben an, wöchentlich Alkohol trinken. In derselben Altersklasse rauchen dagegen nur fünf Prozent täglich.

Sieben Prozent hatten schon einmal eine illegale Droge ausprobiert, darunter vor allem Cannabis. Sowohl beim Rauchen als auch beim Kiffen sind die Zahlen im Vergleich zu den 1990er Jahren rückläufig, so die Autoren der Studie.

Autorin: Laura Hennemann

Stand: 20.09.2016, 11:19

Darstellung: