Camping

Das Schwarzweiß-Foto zeigt zwei junge Frauen auf der Wiese vor einem Zelt. Daneben steht ein VW Käfer.

Geschichte des Reisens

Camping

Einzigartige Naturnähe, ein Hauch Romantik und preiswert – an den Motiven überzeugter Camper hat sich wenig geändert. Dabei haben viele Campingplätze heute kaum noch etwas gemein mit der Bauernwiese, auf der die ersten Camper ihre Zelte aufschlugen.

Die Anfänge: unterwegs sein ist das Ziel

Bereits 1885 erfindet der Engländer Gordon Staples den ersten luxuriösen Reisewagen mit dem Namen "Wanderer". Er wird von Pferden gezogen. Die Briten sind davon so begeistert, dass schon kurz nach Einführung des Automobils im Jahre 1908 ein erster Caravanclub entsteht.

In Deutschland entdecken zu dieser Zeit viele Menschen ihr Herz für die Natur. Nach dem Vorbild der 1901 vom Schüler Karl Fischer begründeten Wandervogelbewegung bilden sich zahllose Wandervereine, deren zumeist junge Mitglieder am Wochenende ohne Eltern, aber mit Rucksack und Gitarre, ins Grüne ziehen.

Gekocht wird im Freien, die Jugendlichen übernachten in Zelten oder unter freiem Himmel und genießen es, zum ersten Mal selbst über sich und ihr Leben zu bestimmen.

Nach dem Vorbild dieser ersten Camper schlagen bald immer mehr Menschen ihr Zelt auf der Bauerwiese oder am nächsten Fluss auf. Auch Faltboot- und Kanuvereine entdecken den Zelturlaub.

Der deutsche Wohnwagen – damals Wohnauto genannt – wird 1931 erfunden und soll auf eine Liebesgeschichte zurückgehen. Die Malerin Friedel Edelmann ist die ständigen Geschäftsreisen ihres Verlobten, des Skistöcke-Herstellers Arist Dethleffs, leid. Sie wünscht sich so etwas wie einen Zigeunerwagen, um ihn zu begleiten. Schon bald reisen Frau und Kind im selbst gebauten Wohnwagen mit.

VW Käfer mit Segelboot und Wohnwagen, 1956

Die ersten Wohnwagen waren klein und spartanisch

Der Siegeszug der "Dethleffs-Wohnwagen" nimmt so seinen Anfang, und schon bald ziehen andere Hersteller nach.

Von der Bauernwiese auf den Campingplatz

Der Zweite Weltkrieg unterbricht das neu entdeckte Urlaubsglück. Erst unmittelbar nach Kriegsende gründen sich die ersten echten Campingclubs. Die Alliierten unterstützen den Bau der offiziellen Campingplätze. Denn damit wird eine Infrastruktur geschaffen, die den Deutschen Naherholung und internationale Kontakte ermöglicht.

Die erste Camping-Fachschau findet 1954 in Münster statt. "Damals herrscht echte Aufbruchsstimmung", beschreibt Victoria Groß vom Deutschen Camping-Club rückblickend die Zeit, "damals haben die Leute gemerkt: Mensch wir können ja reisen und wegfahren."

benzinkocher, Töpfe und Zutaten neben einem Zelt

Kochen beim Campen ist heute fast wie zu Hause

Auch die Industrie beginnt, sich auf Camping zu spezialisieren, Campingkocher und Klappstühle werden entwickelt, um das Leben in der "Stoffvilla" (Zelt) oder dem "Haus am Haken" (Wohnwagen) zu perfektionieren.

Campingboom im Wirtschaftswunder

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wächst mit dem Wohlstand der Wunsch nach Freizeit. Immer mehr Menschen können sich ein Auto leisten und so kommt – zehn Jahre nach der Gründung der ersten Campingplätze – auch die erste große Campingwelle ins Rollen. Der Zelturlaub gilt noch als "Urlaub des kleinen Mannes" und ist doch viel mehr:

"Die ersten Autos, die Fahrräder, die Überquerung der Alpenpässe, um nach Italien ins gelobte Land zu kommen, das war das Glück derjenigen, die die Schrecken des Krieges hinter sich gebracht hatten", berichtet Victoria Groß vom Deutschen Camping-Club. Besonders beliebte Campingziele waren damals der Gardasee oder die Adria.

VW-Kleinbus aus den 70er Jahren mit geöffneter Tür und Gardinen vor den Fenstern. Davor sitzen zwei Pärchen.

Der VW-Bulli wird zum beliebten Freizeitmobil

Das Unternehmen Volkswagen hatte schon 1950 mit der Produktion des ersten in Serie produzierten Kleinbusses begonnen. Schon bald startet der "Bulli T1" seine Erfolgsgeschichte auch als Wohnmobil.

In der Bundesrepublik sind 1960 bereits über 20.000 rollende Wochenendhäuser zugelassen. Mit Klappsitzbank, Küche mit Kocher, mit Wasserkanistern und elektrischem Licht im Wohnraum ist alles an Bord, was Camper im Urlaub benötigen.

Flower Power und Gartenzwerg

In den 70er Jahren wird der VW-Bus zum bunt bemalten Symbol einer ganzen Ära. Mit Gitarre und Picknickausrüstung ziehen die Hippies in die Natur. Bei der Innenausstattung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Doch auch jenseits der Flower-Power-Bewegung schreitet die Perfektionierung des Reisens unaufhaltsam voran. Mitte der 1970er Jahre gibt es die ersten echten Wohnmobile mit fest eingebautem Mobiliar. Sie werden in der Folgezeit immer moderner ausgestattet.

Dank Kochstelle, Dusche und WC ist man mit dem Wohnmobil plötzlich "autark". Auch die Anzahl der Schlafplätze wird durch den Überbau des Fahrerhauses (Alkoven) erweitert, sodass mehr Personen im Auto schlafen können.

Mann sonnt sich auf einem Campingplatz vor einem bunt gestreiften Zelt auf einem Campingstuhl.

Die Campingplätze werden immer komfortabler

Parallel bauen immer mehr Campingplätze ihre Sanitärräume aus und machen das Leben auf dem Campingplatz für die Besucher komfortabler. Durch Stromanschluss, warme Duschen und Waschmaschinen ist das Campen nun auch bei schlechtem Wetter möglich – die Geburtsstunde der Dauercamper, die es sich mit Häkeldeckchen am Wohnwagenfenster und Gartenzwergen vor der Tür ganzjährig auf ihrem Stammplatz gemütlich machen.

Camping heute

Camping bleibt eine beliebte Reiseart: 29,2 Millionen Übernachtungen gab es 2015 auf den rund 2900 deutschen Campingplätzen. Viele Plätze locken neue Zielgruppen, indem sie inzwischen auch kleine Ferienhäuser mit Terrasse oder Garten zur Miete anbieten: Sie heißen Mobilheime, fest installierte Mietcaravans oder Chalets (Holzhütten).

Der Vorteil gegenüber Hotels oder Ferienhäusern: Man hat die Infrastruktur des Campingplatzes mit Spielplätzen, Gastronomie und Swimmingpools und verbringt die Ferien sehr naturnah.

Auch das frühere Schmuddel-Image ist Vergangenheit. Nach Angaben des Deutschen Camping-Clubs und des ADAC gehören reine Kaltwasserduschen, Nasszellen im Freien oder Plumpsklos zumindest in Deutschland fast überall der Vergangenheit an.

Das Foto zeigt einen Wohnwagen mit Vorzelt im Tiefschnee. Aus dem hinteren Fenster schauen mehrere Menschen heraus und lächeln.

Wintercampen liegt im Trend

Vor allem in Wintersportorten haben clevere Campingplatzbesitzer Wintercamper als neue Klientel entdeckt: Einige Plätze liegen direkt neben Skigebieten und bieten kostenlose Pendelbusse zum Lift an.

Ein anderer Trend ist das "Ecocamping": Knapp 230 Campingplätze in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz dürfen sich inzwischen mit diesem Siegel schmücken, weil sie wenig Energie verbrauchen, Abfallmengen reduzieren und barrierefreie Anlagen gebaut haben. Die Gäste profitieren, weil es dort häufig viel Grün und zum Teil Naturbadeseen gibt und regionale Produkte verkauft werden.

Autorinnen: Annette Holtmeyer/Britta Schwanenberg

Stand: 04.11.2016, 16:00

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