Ich packe meinen Koffer... aber diesmal richtig!

Überquellender Koffer, den eine Frau zu schließen versucht.

Geschichte des Reisens

Ich packe meinen Koffer... aber diesmal richtig!

Knitterfrei und ohne Dellen oder Flecken – Planet Wissen verrät Ihnen ein paar Kniffe, mit denen das Kofferpacken zum Kinderspiel wird.

Immer Ruhe vor dem Sturm

Regel Nummer eins für gestresste Kofferpacker: Vorbereitung ist alles. Die gute Nachricht dabei: Der erste Akt der Urlaubsvorbereitung muss nicht panisch vor dem Kleiderschrank beginnen – legen Sie sich lieber in Ruhe aufs Sofa.

Teilen Sie sich, auch wenn's zunächst komisch klingt, vor Ihrem inneren Auge den Urlaub in eine Serie von Events ein: Strandgang, schickes Abendessen, Outdoor-Ausflug. Was benötigen Sie dafür jeweils? Alles, was überflüssig ist, lassen Sie einfach zu Hause. Niemand braucht sieben T-Shirts – am Ende packen Sie drei davon unbenutzt wieder aus, nur sind sie mittlerweile so verknittert, dass erneutes Bügeln angesagt ist.

Falls es Ihnen hilft: Schreiben Sie sich ruhig eine Liste! So vermeiden Sie, einmal angekommen, Panikkäufe in überteuerten Hotelshops. Und wenn Sie sich Ihre Liste dann sogar noch ins Gepäck stecken, können Sie bei der Abreise am Urlaubsort überprüfen, ob Sie auch wirklich alles wieder eingepackt haben.

Koffer oder Reisetasche?

Bevor Sie zur Tat schreiten, hilft außerdem ein genauer Blick auf Ihr Gepäckstück und vielleicht sogar eine Investition in ein neues. 90 Prozent dessen, was am Flughafen übers Förderband rollt, sind Koffer, keine Reisetaschen oder Rucksäcke. Und Profipacker wie Hotel-Butler und Geschäftsreisende sagen: zu Recht.

Der Koffer, besonders der Hartschalenkoffer, schützt seinen Inhalt am wirkungsvollsten. Außerdem haben die meisten Modelle im Inneren verstellbare Elastik-Gurte zu bieten, die den Kofferinhalt am Verrutschen hindern.

Alter abgeschabter Lederkoffer mit vielen Hotel-Aufklebern.

Schön, aber unpraktisch: Hartschalenkoffer sind besser

Nun überlegen Sie, auf welcher Kante Ihr Koffer am häufigsten steht – denn dort müssen die schwersten Sachen hin. Bei den meisten ist das ein Gegenstand, für den es noch immer kein befriedigenderes Wort als "Kulturbeutel" gibt.

Bleibt links und rechts davon noch Platz, können Sie hier Ihre Schuhe unterbringen – am besten ausgestopft mit Ihren Socken, so bleiben sie in Form. Zum besseren Schutz können Sie jeden Schuh in eine Tüte oder einen Schuhbeutel stecken. Aber bitte einzeln!

Je größer, desto besser

Ist die untere Seite Ihres Koffers gepackt, können Sie in der Mitte mit den Hosen weitermachen. Am besten so wenig falten wie möglich (also nicht zum Beispiel eine Hose dreimal zu einem Quadrat falten, sondern nur einmal quer). Falls Sie mehrere Hosen haben: Legen Sie nie alle Hosenbünde auf dieselbe Seite, sondern immer versetzt. Das gleiche gilt auch für Hemdkragen. So wird der Koffer gleichmäßig voll.

Eine Frau legt eine gefaltete Bluse in einen Koffer.

Blusen am besten so wenig falten wie möglich

Spätestens bei Blusen, Hemden und Sakkos wird es schwierig: Dort, wo sie gefaltet werden, zeichnen sich nach dem Auspacken fast immer unschöne Knicke ab. Der Rat von Edel-Butlern: Investieren Sie in einen großen Koffer, in den Ihre Oberbekleidung hineingeht, ohne dass man sie falten muss. Dann müssen Sie bei einem Hemd zum Beispiel nur noch die Ärmel nach innen knicken – gewissermaßen entlang einer natürlichen Falte, die nicht hässlich knittern kann.

Facelifting für Knitterblusen

Für ganz Eifrige bleibt die Möglichkeit, das Innere des Kleidungsstücks mit einer Lage Papiertücher oder Seidenpapier aus dem Schreibwarenhandel flach auszulegen – das wirkt tatsächlich Wunder. Auch zwischen die einzelnen Kleidungsstücke kann man Seidenpapier platzieren: Das verhindert die Reibung der unterschiedlichen Stoffe aneinander, der Grund für Knitterfalten schlechthin.

Und wer – ganz zu Recht – glaubt, dass er sich nicht auch noch mit einem Bügeleisen beschweren will, kann am Urlaubsort genauso gut eine heiße Dusche nehmen und seine Kleidung in die Nähe hängen. Der Dampf glättet zwar nicht alle Falten, aber immerhin die gröbsten.

Lücken nutzen

Im freien Platz entlang der Kofferseiten können Sie nun alle Arten von Flaschen, Döschen und Tuben unterbringen. Vorher sollten Sie diese jeweils einzeln in einen verschließbaren Plastikbeutel packen, dessen überstehenden Rest Sie zusätzlich um die Flasche herumwickeln können. Das polstert und dient als Auslaufschutz.

Eine Frau kniet neben ihrem vollen offenen Koffer auf einem Bett.

Fast fertig!

Krawatten flach der Länge nach in den Koffer legen, Gürtel zusammengerollt an den Seiten verstauen, Kabel und Adapter zusammengerollt in die Ecken legen. Ein Laptop ist ganz in der Mitte am besten aufgehoben. Und falls Sie einen schönen Seidenschal haben, der schnell Falten bekommt: Einfach um eine leere Papprolle (zum Beispiel von einer Küchenrolle) wickeln und an der Kofferseite platzieren.

Packen einmal anders: Bündeln statt Schichten

Wem all das zu anstrengend ist (oder auch zu spießig), der kann eine andere Methode ausprobieren, das sogenannte "bundle packing": Einige Vielreisende schwören jedenfalls darauf. Dabei rollen Sie Ihre Habseligkeiten zum Bündel zusammen, in etwa wie bei einem Heuballen. Spart angeblich Platz und vermeidet Knitterfalten. Aber auch hier müssen einige Regeln beherzigt werden.

Aufgerollte Heubündel auf einer gemähten Wiese

Praktisch und schnell: packen wie ein Heubündel

Zunächst einmal brauchen Sie zum Packen viel Platz – am besten Ihr Bett. Dann legen Sie das Kleidungsstück, das beim Bündel ganz außen landen soll (ein empfindliches Jackett, eine schnell knitternde Bluse), zuerst ab. Danach das nächste Hemd – und zwar so, dass die Ärmel aufeinander liegen, der restliche Stoff aber genau in die entgegengesetzte Richtung weist. Dann kommt zum Beispiel die nächste Hose und so weiter.

Am Ende legen Sie das Herzstück des Bündels ganz in die Mitte – am besten einen Beutel mit Unterwäsche und Socken. Diesen Beutel umhüllen Sie nun Schicht für Schicht mit den anderen Kleidern (die seitlichen Ärmel auch einfach nach innen über das entstehende Bündel klappen), zuletzt mit dem zuunterst liegenden Stück, also dem schnell knitternden Jackett – fertig ist das Bündel. Klingt kompliziert, ist aber reine Übungssache.

Kampf um jedes Gramm

Und wenn Sie das Reisen mit schwerem Gepäck endgültig leid sind, können Sie sich zur Abwechslung auch mal von der Extremsportart einiger Outdoor-Reisender inspirieren lassen: dem Rucksackgewicht-Reduzieren. Denn wer bei tagelangen Gewaltmärschen sein ganzes Gepäck auf dem Rücken trägt, ist für jedes gesparte Gramm dankbar.

Sie müssen nun nicht gleich Ihre Zahnbürste absägen (schließlich braucht man den hinteren Teil des Griffs nicht zwingend – bringt bis zu 20 Gramm!) oder all Ihre Pflegeprodukte in kleine Filmdöschen umfüllen (denn wer benötigt für einen Wochentrip schon eine ganze Geltube?).

Aber über die Anschaffung von Reisewaschmittel könnte man durchaus mal nachdenken: Dann kann man abends Wäsche waschen und spart sich damit so manches Kleidungsstück – was wiederum auch das Knitterfaltenproblem lindert. Nur eins nicht vergessen: Stellen Sie unbedingt sicher, dass die Waschmitteltube nicht auslaufen kann!

Autorin: Kerstin Hilt

Stand: 17.08.2017, 11:00

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