Schnarchen

Schlafstörungen

Schnarchen

Schnarchen nervt! Ohne den nächtlichen Lärmterror ginge es uns allen viel besser. Doch jeder fünfte Deutsche zersägt im Schlaf ganze Wälder, Männer häufiger als Frauen. Bei ihnen verhindern meistens ihre Hormone das Geschnarche – allerdings nur bis zu den Wechseljahren. Warum schnarchen wir bloß?

Das flatternde Gaumensegel

Der Schweizer Wissenschaftler Franz Theiler behauptet, Schnarchen sei ein Überbleibsel der Evolution. Menschen schreckten damit Raubtiere ab. Leidgeplagten Partnern von Schnarchern entlockt diese These allenfalls ein müdes Lächeln.

Das Schnarchgeräusch entsteht, weil unsere Muskulatur im Hals-Nasen-Rachenraum während des Schlafens erschlafft. Besonders das Gaumensegel, das Zäpfchen, die seitlichen Rachenwände, der Zungengrund und der Kehldeckel flattern dann im Wind der eingeatmeten Luft. Und schon ist der Krach da.

Erschwerend kommt hinzu, dass die erschlafften Muskeln die Atemwege verengen. Die Atemluft muss mit einem höheren Druck eingesaugt werden. Nun geschieht, was jeder Flötenspieler aus Erfahrung weiß: Es bedarf eines gewissen Luftdrucks, um überhaupt einen Ton hervorzubringen. Je stärker der Druck, desto lauter und höher der Klang.

Schnarchverstärker

Glühende Zigarette.

Rauchen verstärkt das Schnarchen

Es gibt Faktoren, die die Atemwege weiter verengen und damit das Schnarchen begünstigen. Einige sind angeboren, wie eine verkrümmte Nasenscheidewand oder ein zurückgestellter Unterkiefer. Andere Faktoren hat man sich erworben: Bei einer Erkältung schnarcht man stärker, da die Schleimhäute angeschwollen sind. Aber auch Übergewicht trägt zum Schnarchen bei. Nicht nur, dass die Fettpölsterchen die Atemwege verengen, das Bauchfett drückt auf die Atemorgane und erschwert das Luftholen.

Weitere Faktoren: Wer abends Alkohol trinkt oder Schlaftabletten nimmt, sorgt dafür, dass die Muskeln stärker erschlaffen. Das Trinken von Kaffee und das Rauchen reizt die Schleimhäute. Sie schwellen an.

Die Luft bleibt weg

Schema-Darstellung des menschlichen Kopfes in Seitenansicht.

Bei der Schlafapnoe versperrt die Zunge die Atemwege

Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit, Gereiztheit? Wird das laute Schnarchen immer wieder durch Pausen der Ruhe unterbrochen? Setzt danach das Schnarchen explosionsartig wieder ein? Vorsicht ist geboten! Das sind Anzeichen einer Schlafapnoe.

Bei einer Schlafapnoe blockieren die erschlafften Muskelpartien die Atemwege vollständig. Die Atmung hört auf. Erst durch eine Alarmreaktion des Gehirns wacht man auf und beginnt wieder zu atmen - und damit zu schnarchen. Das kann sich bis zu 600 Mal in der Nacht wiederholen. Der Schlafende bekommt in der Regel davon nichts mit.

Wer mindestens fünf Atemaussetzer von zehn Sekunden Dauer aufwärts hat, leidet - laut Definition - an einer Schlafapnoe. Die Folgen für die Gesundheit sind dramatisch: Durch die fehlende Sauerstoffversorgung und Erholung im Schlaf drohen Schlaganfall, Herzinfarkt, Bluthochdruck und Depressionen.

Nur fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer Schlafapnoe. Aufschluss darüber gibt eine umfangreiche Untersuchung im Schlaflabor. Eine Apnoe ist nicht heilbar. Bislang galt als effektivste Möglichkeit eine nasale Überdrucktherapie. Dabei wird durch eine Atemmaske Luft mit Überdruck in die Atemwege geblasen. So werden sie während des Schlafens offen gehalten.

Seit Oktober 2005 ist ein neues Gerät auf dem Markt. TNI (Transnasale Insufflation) ist das Zauberwort, auf das sich viele Hoffnungen stützen. Anstelle der unbequemen Überdruckmasken könnten in Zukunft nur kleine Nasenbrillen, wie man sie aus Krankenhäusern kennt, nötig sein. Gedacht ist das Gerät für Schnarcher, Heavy Snorer (besonders starke Schnarcher) und Patienten mit leichter Schlafapnoe.

Wenn der Junior schnarcht

Wenn regelmäßig ein Schnarchen aus dem Kinderzimmer ertönt, sollten Eltern aufmerksam werden. Denn dass Kinder ständig schnarchen, ist sehr ungewöhnlich und könnte auf eine Schlafapnoe hindeuten. Oftmals wird sie durch vergrößerte Mandeln oder Polypen verursacht. Aber auch die Physiognomie des Schädels könnte eine Ursache sein.

Kinder reagieren, im Gegensatz zu Erwachsenen, nicht immer mit Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Vielmehr werden sie am Tag besonders aktiv und hibbelig. Nicht selten wird solchen Kindern ein Hyperaktivitätssyndrom oder Aufmerksamkeitsdefizit attestiert, ohne dass die wahre Ursache erkannt wird.

Heavy Snorer

In einem Bett liegt ein Mann, der mit offenem Mund schläft.

Wenn es zu laut wird, sollte man zum Arzt gehen

Der lauteste Schnarcher der Welt bringt es laut Guinnessbuch der Rekorde in der Nacht auf stolze 93 Dezibel. Das entspricht dem Geräuschpegel vorbeifahrender Lastwagen auf der Autobahn. Schnarchen ohne Atemaussetzer ist lästig, aber in der Regel ungefährlich.

Es sei denn, man ist ein sogenannter Heavy Snorer. Darunter verstehen Mediziner Menschen, die besonders laut und intensiv schnarchen. Manche klagen zudem über einen trockenen Mund und Halsschmerzen am Morgen.

Heavy Snoring, auch "Upper Airway Resistance Syndrome" genannt, ist die Vorstufe zu einer Schlafapnoe. Zwar werden keine Atemaussetzer beobachtet, doch durch die verengten Atemwege findet eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff statt.

Deshalb: Wer laut schnarcht und tagsüber oft müde ist, sollte zur Überprüfung einen Arzt aufsuchen. Ansprechpartner sind Lungenspezialisten, Hals-Nasen-Ohrenärzte und Schlafmediziner.

Ruhe!

Nase zuhalten, gegen das Schienbein treten, wachrütteln - so richtig hilft das meist nicht gegen den Lärmterror in der Nacht. Bevor man eingeschlafen ist, schnarcht der Partner längst wieder. Ohrstöpsel scheinen da erfolgversprechender. Darüber hinaus gibt es jede Menge sogenannter Anti-Schnarchmittel zu kaufen. Doch versprechen sie oft mehr, als sie halten.

Da wären die Nasenpflaster, Nasenklammern und ätherischen Öle. Sie sollen den Atemweg durch die Nase vergrößern. Andere Mittel wie Nackenkissen und Schlafweste verhindern, dass man auf dem Rücken schläft. In der Rückenlage fällt nämlich der Zungengrund leichter nach hinten und behindert die Atmung.

Dann gibt es noch eine Vielzahl von Weckapparaturen. Sobald das Schnarchgeräusch ertönt, wird es mit Vibrationsalarm oder sogar elektrischen Stößen quittiert. So findet, neben dem Partner im Bett, zumindest auch der Schnarcher in der Nacht keine Ruhe.

Eine Alternative ist die Gebissschiene. Allerdings nur, wenn die Ursache des Scharchens an einem zu weit nach hinten gestellten Unterkiefer liegt. Zu guter Letzt gibt es noch die Möglichkeit der Operation. Nasenscheidewände werden begradigt, Nasenöffnungen vergrößert.

Oder es wird ein Teil des Gaumensegels und des Zäpfchens entfernt, damit sie nicht mehr im Atemwind flattern können. Bei einer anderen Methode wird das Gaumensegel, durch punktuelle Vernarbungen im Gewebe, lediglich gestrafft. Bei bis zu 80 Prozent der Patienten soll das Schnarchen nach einem solchen Eingriff verschwunden sein oder aber deutlich gemildert. Doch nicht jeder Schnarcher kommt für solch einen Eingriff überhaupt in Frage. Schlafapnoikern wird sogar generell davon abgeraten.

Autorin: Birgit Amrehn

Stand: 20.01.2016, 10:26