Angeln

Angler am See

Sport

Angeln

Rein technisch versteht man unter Angeln den Fang von Fischen mit einer flexiblen Angelrute, einer Angelschnur und einem Köder, der meist an einem Haken befestigt ist. Für viele ist Angeln ein faszinierendes Hobby: Die Jagd auf den Fisch ermöglicht ein ganz besonderes Naturerlebnis, das mit anderen Hobbys nicht zu vergleichen ist. Es geht nicht nur um Beute, sondern auch um den fairen Umgang mit dem Tier. Angeln besitzt eine Faszination, die so mancher Nicht-Angler nur schwer nachvollziehen kann.

Leidenschaft Angeln

Angler im Boot mit Regenschirm

Entspannung in der Natur – ein Reiz des Angelns

Einem Nicht-Angler die Faszination des Angelns nahe zu bringen, ist ein schwieriges Unterfangen. Allzu vorgefasst sind die Meinungen darüber. Man erinnert sich vielleicht an grün gekleidete Menschen, die an Fluss- oder Seeufern auf komfortablen Campingstühlen sitzen und stundenlang auf Angelruten starren, an denen scheinbar niemals etwas anbeißt.

Oder man hat bei einer Wanderung in einem idyllischen Flüsschen Angler waten sehen, die glitzernde Metallköder ins Wasser werfen und herankurbeln oder eine lange Schnur durch Hin- und Herschwingen der Angelrute in der Luft halten und sie dann sanft auf der Wasseroberfläche absetzen. Selbst wenn man einen Angler beim Fang eines Fisches beobachten kann, vermittelt sich nur selten etwas von dem, was einen Angler wirklich bewegt.

Angeln ist kein einfaches Hobby, kein Sport, auch wenn es mitunter zur Unterscheidung vom Berufsfischen als Sportangeln bezeichnet wird. Denn beim Angeln geht es um den Umgang mit einer lebenden Kreatur, der mit Respekt begegnet werden muss.

Wer angelt, lebt letztlich einen Urtrieb aus, der unter der zivilisatorischen Schale wohl in jedem mehr oder weniger tief verborgen ist: die Pirsch auf Beute, diese zu töten und anschließend zu verspeisen. Wer die dabei entstehende Spannung und Befriedigung einmal gespürt hat, kann ihr auf ewig verfallen. Oder sich mit Erschaudern von dieser blutigen Angelegenheit abwenden.

Der lange Weg zum Wasser

Diverse Kleinteile der Anglerausrüstung.

Zur Fischerprüfung gehört auch Gerätekunde

Bevor ein Angler zum ersten Mal seinen Köder ins Wasser versenken darf, muss er einige Hürden überwinden. Das Fischereirecht ist Ländersache und daher gibt es von Land zu Land gewisse Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. Im Wesentlichen benötigt ein Angler in Deutschland drei Dinge: eine bestandene Fischerprüfung , einen staatlichen Fischereischein und eine Erlaubnis desjenigen, der das Recht zur Fischerei in einem Gewässer besitzt oder gepachtet hat, den sogenannten Fischerei-Erlaubnisschein.

In der Fischerprüfung geht es unter anderem um Fischereirecht, Biologie der Fische, das sichere Bestimmen der Fische, Umweltschutz sowie die richtige und sichere Zusammenstellung der Angelgeräte. Jeder kann sich die theoretischen Kenntnisse durchaus im Selbststudium aneignen.

Spätestens wenn es um die praktischen Aspekte geht, benötigt der Anfänger aber Hilfe und Anleitung eines erfahrenen Anglers, der über alle notwendigen Angelgeräte verfügt. Oder er besucht einen der Vorbereitungskurse, die oft von den örtlichen Angelvereinen oder Angelverbänden angeboten werden.

Nach bestandener Fischerprüfung, die lebenslang gültig ist, kann man den staatlichen Fischereischein erwerben. Dieser wird meist für ein bis fünf Jahre vergeben und berechtigt zur Ausübung des Angelns in Deutschland. Ein Teil der Gebühren wird übrigens zur Finanzierung überregionaler Programme wie der Wiedereinführung des Lachses verwandt.

Besitzt man den staatlichen Fischereischein, kann man sich um eine Erlaubnis zum Angeln in einem Gewässer bemühen, den Fischerei-Erlaubnisschein. Manche Fischereirecht-Inhaber geben sogenannte Gastkarten aus. Diese sind oftmals auch in Angelgeschäften erhältlich. Die Preise pro Tag können von wenigen Euro bis weit über 100 Euro, etwa in Lachsgewässern, variieren.

Die meisten Gewässer dürfen allerdings nur Mitglieder eines Angelvereins beangeln. Andere Gewässer sind überhaupt nicht zugänglich, weil sie von betuchten Privatleuten gepachtet oder gekauft wurden. Grundsätzlich gilt diese Regelung auch für die Küsten innerhalb der Dreimeilenzone.

Das ungeschriebene Gesetz – Waidgerechtigkeit

Lange bevor Tierschutz in Gesetzen festgelegt war, entstanden für die Jagd und Angelfischerei ungeschriebene Regeln, die sogenannte Waidgerechtigkeit. Grundlage hierfür ist der Respekt gegenüber der Kreatur, die es zu erbeuten gilt. Waidgerechtes Angeln geht weit über die inzwischen in Fischereirecht, Tier- und Naturschutzgesetzen übernommenen Regeln hinaus. Es geht beim Angeln nicht um das bloße Beute machen. Ein Fisch soll eine faire Chance erhalten dem Fang zu entgehen.

So wäre es zum Beispiel nicht waidgerecht, aber erlaubt, mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen im Sommer die Standplätze von Hechten und Welsen auszukundschaften. Solche Informationen soll sich der waidgerechte Angler aber durch Beobachtung des Gewässers von oben erarbeiten. Etwa wenn er einen Hecht beim Jagen auf Kleinfische beobachtet oder auf mögliche Standplätze durch Besonderheiten des Ufers schließt. Auch nach dem Fang des Fisches darf der Fisch nicht länger als nötig leiden. Er wird durch Schlag auf den Kopf betäubt und anschließend durch Herzstich getötet.

Fischer sitzt hinter einem Haufen gefangener Fische.

Hier kommt die Waidgerechtigkeit zu kurz

In der industriellen Fischerei wurde die Waidgerechtigkeit vom Kommerz verdrängt. Fische verenden kläglich in prall gefüllten Netzen und werden in Massen sterbend zum Filetieren unter Deck verklappt. Was nicht lukrativ verarbeitet werden kann, wird als sogenannter Beifang sinnlos über Bord gekippt, oftmals in größeren Mengen als der eigentliche Fang.

Autor: Vladimir Rydl

Stand: 19.08.2016, 10:36

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