Doping

Ein Mann spritzt sich etwas in den Bizeps

Sport

Doping

Dem olympischen Motto "Dabei sein ist alles" steht nicht selten ein ebenso berühmter Ausspruch entgegen: "Höher, schneller, weiter". Dieses Ziel verfolgen manche Sportler mit unerlaubten Mitteln. Sie dopen, um den Körper zu immer beeindruckenderen Leistungen zu treiben und schaden damit sowohl dem Sport als auch ihrer eigenen Gesundheit. Die nationalen und internationalen Dopingagenturen und Sportverbände versuchen den Betrügern auf die Spur zu kommen, ziehen aber nicht selten den Kürzeren.

Doping – was ist das?

Im Jahr 1869 tauchte das Wort "Doping" zum ersten Mal in einem englischen Wörterbuch auf. Bezeichnet wurde damit eine Mischung aus Opium und narkotisierenden Drogen, die beim Dopen von Pferden verwendet wurde.

Die Wurzel des Wortes "Doping" stammt aus einem Dialekt aus dem südöstlichen Afrika, der später in der Burensprache aufging. Mit "Dop" war ein Schnaps gemeint, der bei rituellen Handlungen als Stimulans verwendet wurde. Später wurde das Wort auch für andere stimulierende Getränke verwendet.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) definiert Doping folgendermaßen: "Doping ist die beabsichtigte oder unbeabsichtigte Verwendung von Substanzen aus verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden entsprechend der aktuellen Dopingliste." Seit 2004 ist international die Definition der Welt-Anti-Dopingagentur (WADA) maßgeblich, die im "Welt-Anti-Doping-Code" auf mehreren Seiten fixiert wurde.

Substanzen aus verbotenen Wirkstoffgruppen – das sind in der Regel Medikamente. Pillen, Spritzen und Pülverchen, die in medizinischen Forschungslaboren entwickelt werden, um Krankheiten zu heilen. Viele dieser Medikamente stammen aus der Krebsforschung, andere sind zum Beispiel muskelaufbauende Medikamente für Patienten mit Muskelschwund oder Wachstumshormone für Zwergwüchsige.

Aber nicht alle Mittel stammen aus der Humanmedizin. Clenbuterol zum Beispiel stammt aus der Tierzucht und ist eigentlich ein Kälbermastmittel. Im Sport werden diese hochwirksamen Medikamente eingesetzt, um die Leistung zu steigern.

Warum greifen Sportler zu verbotenen Mitteln?

Schwimmer beim Start

Gibt es noch Spitzenleistungen ohne Doping?

"Höher, schneller, weiter" – das ist das Motto jedes sportlichen Wettkampfs. Nirgendwo sonst zeigt sich unsere Leistungsgesellschaft so deutlich wie im Sport. Dem Sieger winken Ruhm und Ehre, dem Verlierer bleibt nichts. Selbst junge Sportler, die noch am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn stehen, können dem Leistungsdruck ausgeliefert sein.

Sponsoren, Trainer, aber oft auch Eltern machen Druck und wollen Erfolge sehen – schließlich wird ja viel Zeit und Geld investiert. Ein Sieg im Spitzensport bedeutet aber noch mehr als Ruhm und Ehre: nämlich bares Geld.

Millionenschwere Webeverträge stehen in Aussicht. Beinahe jedes Produkt lässt sich mit einem strahlenden Gewinnerlächeln gut verkaufen. Der schnelle Griff zu verbotenen Mitteln, mit denen sich der gewünschte Erfolg vermeintlich leichter einstellt, liegt nahe.

Die Nebenwirkungen, die die verschiedenen Dopingsubstanzen – wie die meisten hochdosierten Medikamente – haben, werden dabei oft unterschätzt. Für diese Fehleinschätzung zahlen Athleten immer wieder mit dem Leben.

Anti-Doping-Kodex

Teamkameraden stützen den dänischen Straßenrennfahrer Knut Enemark Jensen auf seinem Fahrrad.

Knud Ennemark Jensen 1960 in Rom

Der erste Sportler, der wegen Doping bei einem olympischen Wettkampf – in Rom 1960 – sein Leben lassen musste, war der dänische Radfahrer Knud Enemark Jensen. Er stürzte bei großer Hitze vom Rad, fiel ins Koma und starb kurze Zeit später. Bei der Autopsie seiner Leiche wurde festgestellt, dass Jensen Amphetamine eingenommen hatte.

Erst nach diesem Schock gelingt den Kämpfern gegen das Doping ein entscheidender Erfolg: Bei den Olympischen Spielen 1972 in München präsentiert das IOC die erste größere Dopingliste, außerdem können Dopingfahnder mittlerweile die Einnahme von Amphetaminen nachweisen.

1976 wird die Dopingliste des IOC um Anabolika ergänzt. Mittlerweile gibt die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) eine weltweit einheitlichen Anti-Doping-Kodex heraus, dem die internationalen Sportverbände und die vertretenden Regierungen zugestimmt haben. Ein Meilenstein in der Geschichte des Kampfes gegen Doping.

Neue Auflagen für Spitzensportler

Schild "Doping Control Station".

Sportler müssen für Kontrollen zur Verfügung stehen

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und die Nationalen Anti-Doping-Agenturen (NADA) verhängen Kontroll-Auflagen für Spitzensportler, die regelmäßig an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Sie müssen ein Quartal im Voraus ihre Trainingsorte angeben, um für Doping-Kontrollen schnell auffindbar zu sein.

2009 verschärften die Anti-Doping-Agenturen die Regeln für Spitzensportler weiter. Ein Quartal im Voraus müssen sie nicht nur ihren Aufenthaltsort anmelden, sondern sich auch jeden Tag eine Stunde an einem vorher festgelegten Ort bereithalten. So soll erreicht werden, dass sie ständig für eine unangemeldete Doping-Probe zur Verfügung stehen. Ist ein Sportler zum zweiten Mal für die Kontrolleure nicht anzutreffen, kommen eventuell Bußgelder und Sperren von bis zu zwei Jahren auf ihn zu.

Diese neue Regelung löste kontroverse Diskussionen aus. Vielen Sportlern ist die neue Meldepflicht zu aufwendig und kompliziert. Einige haben außerdem datenschutzrechtliche Bedenken und fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt. Die Doping-Gegner und die Kontrolleure betonen aber, die strengere Regelung sei die einzige Möglichkeit, wirklich überraschend Doping-Kontrollen durchführen zu können.

2014 bekommen die deutschen Sportverbänden von der NADA ein gutes Zeugnis: In ihrem Anti-Doping-Bericht vermeldet die Agentur, dass sich nahezu alle Verbände an die Meldeauflagen zur Doping-Bekämpfung gehalten haben. In früheren Jahren gab es seitens der Agentur immer wieder Beanstandungen und Sanktionen.

Sünder und Fahnder – der ewige Wettlauf

Dopingsünder sind den Dopingfahndern – also den Wissenschaftlern in den Biochemischen Instituten – immer einen Schritt voraus. Denn erst, wenn eine Dopingsubstanz bekannt ist, kann eine Methode entwickelt werden, wie man sie nachweisen kann.

Das Problem heute ist, dass sehr oft Dopingmittel zum Einsatz kommen, welche die medizinischen Labore noch gar nicht verlassen haben und erst Jahre später auf den Markt kommen. Solange aber der analytische Nachweis einer Substanz nicht möglich ist, wird es immer Athleten geben, die diese Grauzone ausnutzen. Das hat die Geschichte des Dopings gezeigt.

Aber auch wenn der Nachweis einer Substanz machbar ist, ist Missbrauch noch lange nicht ausgeschlossen. Selbst unangemeldete Kontrollen und eine hohe Kontrollfrequenz bedeuten nicht, dass dem Doping der Garaus gemacht wird. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Solange es Sport gibt, wird es auch Doping geben.

Autorinnen: Kerstin Eva Dreher/Melanie Kuss

Weiterführende Infos

Stand: 06.06.2016, 16:17

Darstellung: