John von Düffel

John von Düffel

Schwimmen

John von Düffel

"Ich schiebe sämtliche Reisen und Termine so, dass immer eine Lücke von Zeit entsteht für meine Sucht, für die zeitlosen anderthalb Stunden, in denen ich nicht dem Alltag, sondern dem Wasser gehöre." (John von Düffel, "Ich schwimme, also schreibe ich", "Die Welt", 03.06.2000)

Beruflicher Lebenslauf

Wer Biografisches zu John von Düffel beispielsweise im Internet sucht, erfährt in aller Regel seinen beruflichen Lebenslauf. Etwa: John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, aufgewachsen in Londonderry (Nordirland) und Vermillion South-Dakota (USA), sowie in diversen deutschen Kleinstädten. Abitur 1985 in Oldenburg, Studium der Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaftslehre in Stirling/Schottland und Freiburg im Breisgau. Promotion 1989 mit einer Arbeit zu Erkenntnistheorie. Danach Filmjournalist und Theaterkritiker. Seit 1991 Dramaturg und Autor an verschiedenen Theatern in Stendal, Oldenburg, Basel und Bonn. Seit 2009 am Deutschen Theater Berlin. 2007 stand er der Jury des "Mara-Cassens-Preises" des Literaturhauses Hamburg vor.

Für seinen ersten Roman "Vom Wasser" erhielt von Düffel 1998 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt den Ernst-Willner-Preis und den Aspekte-Literaturpreis des ZDF. Ein Jahr später bekam er den Mara-Cassens-Literaturpreis sowie den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung.

Ein leidenschaftlicher Schwimmer

Soviel zum Autor und Dramaturg von Düffel. Dass John von Düffel ein leidenschaftlichen Schwimmer ist, lässt sich erahnen, wenn man in seine literarischen Werke "eintaucht". Da beschäftigt er sich nämlich gerne und viel mit Wasser und Schwimmen.

Unter anderem hat er in der dtv-Reihe "Kleine Philosophie der Passionen" einen Band über Schwimmen veröffentlicht. Charles Sprawsons Buch "Ich nehme dich auf meinen Rücken, vermähle dich dem Ozean. Die Kulturgeschichte des Schwimmens" hat er herausgegeben und übersetzt. "Wasser und andere Welten" erschien 2002. Seine Schwimmleidenschaft - er bezeichnet sie auch als Sucht – hat ihn geprägt, sowohl beruflich als auch privat.

Irgendwie hat er es schon immer gekonnt

Man sieht ein Schwimmbecken mit abgetrennten Schwimmbahnen.

Jeden Morgen musste von Düffel ins Bad

Schwimmen spielte schon immer eine wichtige Rolle in seinem Leben. Fragt man ihn, wie es angefangen hat, kommt er ins Grübeln. So genau weiß er es selbst nicht. Schwimmen – irgendwie hat er es schon immer gekonnt. John von Düffel war vom Wasser fasziniert, so lange er denken kann. Was ihn gereizt hat, sich in die Fluten zu stürzen, war nicht nur die Tatsache, dass er Wasser einfach schön findet. Es war auch die Gefahr, vor der er schon als Kind immer gewarnt wurde: nicht zu weit raus schwimmen, nicht bei zu hohen Wellen schwimmen, Vorsicht bei Strömungen und so weiter. All das trieb ihn nur noch stärker ins nasse Element.

Als Schüler in Deutschland schwamm er im Verein und in der Schulmannschaft. Training war zwei- bis dreimal pro Woche. Auch als er mit zwölf Jahren mit seiner Familie in die USA zog, blieb er seinem Sport treu. Allerdings musste er sich umstellen, denn Sport hat in den USA einen ganz anderen Stellenwert. Daran kann er sich noch allzu gut erinnern.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schlug das Wasser beim Training höhere Wellen. Hier wurden die jungen Sportler ordentlich gedrillt. Tägliches Training noch vor Schulbeginn. Raus aus dem warmen Bett und rein ins kalte Wasser, kaum dass es sechs Uhr geschlagen hatte. Und immer unter den strengen Blicken des Trainers.

In dieser Zeit hat er das Langstreckenschwimmen für sich entdeckt. Um den Trainern zu entkommen, wie er sagt. Die waren zwar immer noch dabei, ließen ihm aber weitgehend in Ruhe seine Bahnen ziehen. Er startete auch in Wettkämpfen über 1500 Meter. In offenen Gewässern waren die 3500 Meter seine Standarddistanz.

Später in Deutschland schwamm er weiter lange Strecken, aber mehr und mehr für sich. Er wollte weg vom Drill. Das "technische Auseinandernehmen des Schwimmens" habe ihgestört, erzählt John von Düffel. Es gab der ganzen Sache einen negativen Beigeschmack. Zwischen 1989 und 1993 hatte er sogar eine regelrechte Schwimmblockade. Das lag sicher nicht nur daran, dass er in dieser Zeit ans Theater ging und eine ganzen Reihe neue Aufgaben auf ihn zukamen.

Zwiesprache mit dem Wasser

Während er "Vom Wasser" schrieb, erwachte seine Schwimmleidenschaft zu neuem Leben. Technischer Drill und strenge Trainingspläne hat er hinter sich gelassen. Heute schwimmt er kilometerlange Strecken als reines Hobby. Langes Schwimmen sei für ihn eine Art Zwiesprache mit dem Wasser, beschreibt John von Düffel dieses Gefühl. Es gebe gute und harte Zeiten im Wasser. Manchmal müsse er kämpfen, und dann komme er auch wieder ins Gleiten.

Nach dem Schwimmen, sagt er, seien alle bösen Geister vertrieben. Am liebsten schwimmt von Düffel in freien Gewässern. Nur wenn es die Temperaturen draußen nicht mehr zulassen, weicht er auf beheizte Schwimmbäder aus. Hauptsache, er schwimmt.

Autorin: Andrea Wengel

Stand: 28.07.2016, 16:00

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