Tauchen und Naturschutz – ein Widerspruch?

Zwei Taucher bereiten sich auf einen Tauchgang im Indischen Ozean vor.

Tauchen

Tauchen und Naturschutz – ein Widerspruch?

Unter Wasser eröffnet sich eine faszinierende Parallelwelt: Ruhe – Vielfalt – Schwerelosigkeit. Und schon nach wenigen Pressluft-Atemzügen wird der Mensch Teil dieser Welt – auf Augenhöhe mit den See- oder Meeresbewohnern. Doch die Natur ächzt. War Tauchen früher noch eine exklusive Angelegenheit, ist es heute beinahe ein Breitensport geworden. Jahr für Jahr zieht es Millionen Menschen unter die Wasseroberfläche. Die Hotspots der Tauchgebiete sind längst zu Magneten für die Massen geworden. Daran können auch unliebsame Begegnungen mit Meeresbewohnern oder eine angeschlagene Meeresfauna nichts ändern.

Darum geht's:

  • Tauchtouristen zerstören vielerorts das empfindliche Ökosystem.
  • Meeresschutzgebiete sollen weltweit ausgeweitet werden.
  • Sperrung von Tauchgebieten: pro und contra
  • Unterwasser-Knigge: Verhaltensregeln für Taucher sind wichtig.

Nebenwirkungen des Tauchtourismus

Sobald der Mensch ein Ökosystem betritt, hat das Folgen. Vor allem, wenn Urlaubstaucher die Rücksichtnahme auf die fragile Unterwasserwelt vergessen und das Meer mit einem Souvenirladen verwechseln.

Auf der Hitliste der Unterwasser-Mitbringsel ganz oben stehen Muscheln, Schnecken und Korallenstöcke, die einfach abgerissen werden. Oft steckt noch nicht einmal böser Wille oder Ignoranz dahinter, wenn ein Schnorchler oder Taucher sich unvorsichtig auf eine Korallenbank stellt oder mit den Flossen Sand aufwirbelt. Manchmal ist es schlichte Unwissenheit. Denn nicht jede Tauchbasis schult das Umweltbewusstsein ihrer Schützlinge.

Vor allem am Roten Meer und auf den Malediven hinterlassen die Tauchtouristen Spuren. Denn mit den Tauchern kommen die Boote. Immer wieder ankern die Tauchboote direkt am Riff; die schweren Ankerketten fräsen über die Korallen.

Undichte Tanks schädigen die Riffe zusätzlich. Beliebt ist auch das Anlocken der Fische mit Brot. Doch durch den Brotkonsum werden die Meeresbewohner anfälliger für Krankheiten – denn normalerweise stehen Algen auf der Speisekarte.

Und mit den Touristen kommt der Müll. Ausgeklügelte Müllbeseitigungssysteme gibt es nicht überall – oft landen Plastiktüten und Co einfach im Meer. Eine Bedrohung für das Riff, denn Korallen werden vom Plastikmüll abgedeckt und ersticken, weil die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wird. Ist der Abfall eher scharfkantig, droht eine Beschädigung der Korallen, die wiederum Entzündungen nach sich ziehen kann.

Manche Riffe kämpfen auch mit der Salzlauge, die aus den Meerwasser-Entsalzungsanlagen fließt. Doch die Anlagen sind notwendig, wenn es in den Hotels täglich frische Handtücher geben soll – und vor der Tür schöne bunte Blumenbeete sowie Golfanlagen mit einem knackigen grünen Rasen.

Und schließlich fließen auch die Abwässer der Hotelanlagen oft ungeklärt ins Meer. Kein Wunder, dass die Natur hier und da vor der Masse der Besucher kapituliert.

Ein Anker zerstört eine Koralle im Roten Meer.

Tauchboote ankern auf Korallen

Das Meer braucht Schutz

Riffe sind im Grunde stabile Systeme, sie können sich sogar von schweren Stürmen wieder erholen. Der Dauerstress durch den Menschen wird allerdings zur wirklichen Bedrohung.

Durch den Treibhauseffekt und die damit steigende Erhöhung der Wassertemperatur, die Versauerung der Meere und nicht zuletzt auch durch den Tourismus sind bereits zehn Prozent aller Riffe unwiederbringlich geschädigt, 30 Prozent sind in einem kritischen Zustand und werden voraussichtlich in den nächsten Jahren sterben, und weitere 30 Prozent aller Riffe sollen bis zum Jahr 2050 absterben.

Um die natürlichen Lebensräume unter Wasser zu schützen und zu erhalten, sollen bis 2020 nach den Beschlüssen der CBD-Staaten (CBD = "Convention on Biological Diversity", "Übereinkommen über die biologische Vielfalt") zehn Prozent der gesamten Meeresoberfläche unter Schutz gestellt werden. In Deutschland sind bereits über 45 Prozent der deutschen Meeresfläche als Schutzgebiete ausgewiesen.

Die Meeresschutzgebiete, insbesondere Riffe und Korallenbänke, dienen weltweit als Erholungs- und Rückzugsraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Innerhalb der Schutzgebiete sind menschliche Aktivitäten eingeschränkt.

Lokal sind diese Schutzmaßnahmen sehr unterschiedlich – von der Begrenzung bestimmter Fischfangmethoden bis hin zum absoluten Entnahmeverbot jeglichen maritimen Lebens. Und in einigen Zonen müssen Touristen eben ganz draußen bleiben: In diesen Schutzgebieten ist jeglicher Schiffsverkehr sowie das Baden, Angeln und Tauchen verboten.

Sperrung von Tauchgebieten – pro und contra

Im Jahr 2011 sorgte eine Ankündigung der thailändischen Umweltbehörde für Aufregung in der Tauchgemeinde: Zehn beliebte Tauchgebiete des Landes sollten geschlossen werden, um die dortigen Korallenbänke vor den Besuchermassen zu schützen. Schon in der Vergangenheit hatte Thailand Tauchplätze für eine befristete Zeit geschlossen, um den Korallen Zeit zur Regeneration zu geben.

Über den Sinn dieser Sperrungen von Tauchgebieten herrscht Uneinigkeit. Befürworter begrüßen diesen klaren Schritt – wo zu viel Tourismus sei, müsse die Natur geschont werden, vor allem wenn es um Laichplätze von Fischen und beschädigte Korallenriffe geht.

Kritiker halten dagegen, dass den Menschen auch Gebiete gezeigt werden müssen, die schützenswert sind. Schon allein deshalb, damit ein allgemeines Verständnis für den betriebenen Aufwand geschaffen wird. Allerdings müsse es klare Regeln geben, wie sich der Mensch in diesem Ökosystem zu verhalten habe.

Korallenriff.

Die Unterwasserwelt Thailands ist überlastet

Unterwasser-Knigge: Verhaltensregeln für Taucher

Nichts anfassen, nichts mitnehmen, nichts kaputtmachen. Seriöse Tauchschulen geben ihren Schützlingen konkrete Anweisungen mit auf den Weg, wie man sich unter Wasser zu verhalten hat. Vor Ort achten im Idealfall Tauch-Guides darauf, dass sich niemand für ein schönes Foto auf eine Korallenbank setzt. Der Umweltschutz ist als Programmpunkt in der theoretischen Tauchausbildung angekommen. Doch leider nicht überall.

Der Verband Deutscher Sporttaucher hat Leitlinien für einen umweltverträglichen Tauchsport erarbeitet. Darin fordert er die Taucher auf, Tiere, Pflanzen und geologische Formationen zu schützen und notfalls auch die Verantwortung in Sachen Umweltschutz für andere mit zu übernehmen.

Ein Taucher sollte durch Umwelt- und Spezialkurse so geschult sein, dass ihm negative Veränderungen in einem Tauchgebiet auffallen. Idealerweise sollte er diese Veränderungen auch Umweltexperten mitteilen. Auf diese Weise trägt der Taucher sogar aktiv zum Schutz der Unterwasserwelt bei.

Auch das Bundesamt für Naturschutz sieht in der Zusammenarbeit mit Sporttauchern Potenzial. So könnten die Taucher als Frühwarnsystem funktionieren, um zum Beispiel neue Arten in einem Gewässer schnell festzustellen. Voraussetzung ist natürlich, dass der Taucher über ein Grundverständnis der biologischen Zusammenhänge verfügt. So könnten die Unterwassersportler Behörden und Wissenschaftler in ihrer Arbeit unterstützen.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Naturschutz und Tauchsport sind vereinbar, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden. Und wenn ein Tauch-Guide im Urlaub einen Seeigel zerschlägt, um mit dem Fleisch die Fische zu füttern, ist es dringend Zeit, die Tauchschule zu wechseln.

Basisleiter mit Tauchurlaubern an Deck eines Tauchbootes.

Umweltschutz als Unterrichtsfach an Tauchschulen

Autorin: Anke Riedel

Stand: 26.06.2017, 13:43

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