Kriminalistik

Spurensicherung am Tatort.

Verbrechen

Kriminalistik

Wie kam es zu dem Verbrechen? Wer war der Täter? Wer ist das Opfer? Diese Fragen stellen sich die Ermittler. Am Tatort sichern sie Spuren, sammeln Hautschuppen und Haare, untersuchen Blutspritzer, Fußspuren und Fingerabdrücke. Jeder noch so kleine Hinweis kann bei der Aufklärung des Verbrechens entscheidend sein. Dank moderner Ermittlungsverfahren wie der DNA-Analyse und der Zuordnung von Fingerabdrücken können Ermittler den Täter häufig überführen. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Die Anfänge der Kriminalistik

Die Ansprüche der ersten kriminalistischen Ermittler waren im Vergleich zu heute eher gering: Man suchte nach Verfahren, die eine Wiedererkennung von Verdächtigen ermöglichten. Die Methoden waren anfangs jedoch nur wenig zuverlässig.

So versuchten zum Beispiel die Graphologen, eine Person durch Proben ihrer Handschrift identifizieren. Bei der Dermatotypie waren es Abdrücke von auffälligen, meist kranken Hautpartien, die genommen und als Identifizierungsmerkmal katalogisiert wurden.

Das Venenmuster auf dem Handrücken diente den Venoskopen als Erkennungsmerkmal. Die Ophtalmometrie oder Retinoskopie versuchte, das Auge beziehungsweise das Muster der Netzhaut zu speichern und einer bestimmten Person zuzuordnen. Und das menschliche Gebiss war für die Odentometrie ein individuelles, untrügliches Identifizierungsmerkmal.

Die Polizeifotografie hatte wenig Erfolg

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich nach und nach die Polizeifotografie durch. Festgenommene Personen wurden nun nach einheitlichen Vorgaben fotografiert. Ein Bild sollte den Verdächtigen frontal zeigen, eins sein Profil mit freigelegtem Ohr.

Fotografien solcher Art gelangten ab 1850 in großformatige Verbrecheralben, in denen die Bilder und eine kurze Beschreibung des Verdächtigen abgedruckt wurde. Polizisten im Außendienst bekamen solche Fahndungsalben im Kleinformat, sozusagen als Taschenbuch, das den Beamten eine Verbrechersuche vor Ort ermöglichte.

Die Polizei-Dienststellen begannen schnell, die Bilder zu archivieren und untereinander auszutauschen. 35 Jahre nach Einführung der Verbrecher-Fotografie war allein im Berliner Polizeipräsidium der Bestand auf cirka 37.000 Fotografien angewachsen. Doch die Enttäuschung setzte bald ein. In der Masse der Fotografierten kam es leicht zu Verwechslungen.

Nicht identische Personen sahen sich erstaunlich ähnlich und umgekehrt konnte eine Person nach zehn Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein. Überdies legten es die frisch aus der Haft Entlassenen ganz bewusst darauf an, ihr Äußeres zu ändern. Ein sicheres Mittel zur Personenidentifikation – das wurde Ende des 19. Jahrhunderts immer deutlicher – war die Fotografie also auch nicht.

Der Fingerabdrück ist einzigartig

Als einfach, schnell und billig in der Anwendung erwies sich das Fingerabdruckverfahren, auch Daktyloskopie genannt (grichisch daktylos = Finger, griechisch skopein = sehen). Als Handwerkszeug reichten Druckerschwärze, Walze und eine Metallplatte. Die Fingerkuppen der Verdächtigen wurden geschwärzt und auf weißem Papier abgerollt. So drückte sich ein ganz bestimmtes Muster ab: das der Papillarlinien, der Furchen und Vertiefungen der menschlichen Haut an der Fingerkuppe.

Auf kleinstem Raum war damit ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal festgehalten. Der Fingerabdruck war ein Leben lang unveränderlich, bei jedem Menschen individuell angelegt und absolut fälschungssicher, denn selbst bewusst verletzte Haut würde immer wieder nach dem genetisch festgelegten Muster nachwachsen.

Fingerabdruck

Kein Fingerabdruck gleicht einem anderen

Moderne Kriminalistik

Inzwischen sind die Ermittlungsmethoden systematischer und erfolgreicher als noch vor 100 Jahren. Moderne Verfahren wie die DNA-Analyse machen es den Ermittlern möglich, Opfer und auch Täter zu identifizieren. Schon kleine Hautpartikel oder Blutreste am Tatort reichen aus, um die beteiligten Personen zu bestimmen. Fingerabdrücke dienen weiterhin als Identifikationsmerkmal.

Und auch die Kriminalbeamten gehen bei ihren Ermittlungen anders vor als früher. Neben den Sachspuren am Tatort spielt ebenfalls die Psyche des Täters eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung bestimmter Verbrechen wie etwa Mordfälle oder Vergewaltigungen. Sogar bei Fällen, die schon viele Jahre zurückliegen und nie aufgeklärt werden konnten, brachten die modernen Verfahren schon häufig die Wahrheit ans Licht.

Autorinnen: Ermengard Hlawitschka-Roth/Wiebke Ziegler

Stand: 31.01.2017, 16:07

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