Piraten

Johnny Depp als Jack Sparrow

Verbrechen

Piraten

Ob Klaus Störtebeker oder Captain Kidd - die Namen legendärer Piratenkapitäne beflügeln unsere Phantasie. Mit ihnen verbinden wir Freiheit, Abenteuer, Exotik, den Ausbruch aus dem gleichförmigen Alltag. In Literatur, Film, Liedern und Spielen begegnet uns der Pirat oft als Held – vom Piraten Efraim, Pippi Langstrumpfs Vater, bis hin zu Jack Sparrow alias Johnny Depp im Film "Fluch der Karibik". In Freizeitparks sind Piraten und szenisch nachgestellter Seeraub Attraktionen. Doch was hat der Mythos "Pirat" mit der Wirklichkeit zu tun?

Piraterie - ein uraltes Geschäft

Seit es Seefahrt und Seehandel gibt, gibt es Piraten, also schon seit über 3000 Jahren. Solange es kostbare Handelsschiffe gibt, werden auch in Zukunft Seeräuber nicht fern sein. "Die Geschichte der Piraterie ist unlösbar verflochten mit der Handels-, Kriegs-, Sozial- und Rechtsgeschichte", sagt Hartmut Roder, Historiker am Übersee-Museum in Bremen.

Es gibt verschiedene Formen der Piraterie und die unterschiedlichsten Gründe, weswegen Menschen zu Seeräubern werden: von der blanken Not, den Lebensunterhalt bestreiten zu müssen, über organisiertes Verbrechen bis hin zur staatlich lizenzierten Piraterie des sogenannten Kaperwesens.

Das Piratentum blühte vor allem dort, wo Handelsrouten durch Meerengen oder zwischen Inselgruppen hindurchführen - in Nord- und Ostsee ebenso wie im Mittelmeerraum oder der Karibik. Gegenwärtig regionale Schwerpunkte sind die Küsten vor Südamerika, Afrika und Asien.

Piraten in Antike und Mittelalter

Gemälde eines Piratenüberfalls auf Handelsschiff auf offenem Meer.

Wenn Piraten ein Schiff überfallen, nennt man das "Prise"

Bereits in antiker griechischer Zeit sind Piraten dokumentiert. Das erste Geschichtswerk überhaupt, die Bücher des Herodot, beginnen mit der Schilderung von Seeräuberei. In römischer Zeit breitete sich im ersten Jahrhundert vor Christus - ausgehend von dem inselreichen Gebiet vor der griechischen und türkischen Mittelmeerküste - die Piraterie über das gesamte Mittelmeer aus. Sie wurde zu einer immer größeren Gefahr für den Handel.

Als schließlich sogar die Nahrungsversorgung der Römer gefährdet war, starteten sie im Jahr 67 vor Christus einen wahren Kriegszug gegen die Piraten. Dieser gewonnene Seeräuberkrieg löste das Problem vorerst, aber die Piraten blieben eine Bedrohung.

Nicht nur die Wikinger, sondern auch Klaus Störtebeker und seine Mannschaft waren im Mittelalter der Schrecken der Nord- und Ostsee. Ab Ende des 11. Jahrhunderts fochten die Piraten im Mittelmeer auch im "Heiligen Krieg" zwischen Muslimen und Christen. Auf beiden Seiten gab es Piraten, die die Schiffe des Feindes angriffen.

Die Blütezeit der Piraterie

Edward "Blackbeard"

Der berüchtigte Edward Teach alias "Blackbeard"

Mit der Entdeckung Amerikas begann die Blütezeit der Piraterie: Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert bedrohten Seeräuber die Handelsrouten zwischen Europa und der Neuen Welt, hier insbesondere die in der Karibik und die Seewege nach Indien. Man spricht vom Goldenen Zeitalter der Piraterie, insbesondere weil sich in relativ kurzer Zeit viele verschiedene Formen der Piraterie ausbildeten: Vom "gewöhnlichen" Piraten, dem Freibeuter, dem staatlich lizenzierten Kaperer hin zum berüchtigten Bukanier.

Aus dieser Zeit stammen Augenzeugenberichte, Zeitungsartikel und Prozessakten, die "echte" Piraten beschrieben und sie später zu Legenden werden ließen: Edward Teach, auch "Schwarzbart" beziehungsweise englisch "Blackbeard" genannt, war einer von ihnen, ebenso wie Captain William Kidd. Letzterer war in den Indischen Ozean geschickt worden, um Piraten zu jagen, hatte sich dann aber selbst der Piraterie schuldig gemacht und wurde dafür gehängt.

In jene Zeit wurden auch sagenumwobene "fiktive" Piratengestalten datiert, wie etwa John Silver, der einbeinige Pirat aus der Feder Robert Louis Stevensons. Unser heutiges Bild vom Piraten frei von allen Konventionen, der ein mal laues, mal abenteuerliches Seeräuberleben jenseits der engen europäischen Gesellschaft führte, geht auf diese Blütezeit der Piraterie zurück.

Piraterie heute: Überfälle auf bewährten Routen

Von somalischen Piraten gekapertes chinesisches Fischerboot

Moderne Piraten

Mit dem positiven romantischen Bild vom Piraten haben die heutigen Seeräuber nichts zu tun, aber sie agieren immer noch in den gleichen Gewässern - überwiegend in Meerengen und in inselreichen Gebieten. Das "Piracy Reporting Center", eine Unterorganisation der Internationalen Handelskammer mit Sitz in Kuala Lumpur, verfolgt alle Piratenüberfälle auf der ganzen Welt.

Im Piraterie-Report für das Jahr 2013 wurden weltweit 264 Piratenüberfälle registriert. Vor allem Nigeria, Somalia und Indonesien sind stark betroffene Gebiete. Als besonders gefährliche Pflaster gelten die Hafenstadt Chittagong in Bangladesch und die nigerianische Küstenstadt Lagos.

In der weltweit am meisten befahrenen Wasserstraße, der knapp 900 Kilometer langen Straße von Malakka in Südostasien ist die Anzahl der Überfälle seit 2005 dank ständiger Kontrollen der betroffenen Küstenstaaten stark gesunken. Trotzdem werden Schiffsbesatzungen auch weiterhin in jedem jährlich erscheinenden Piraterie-Report aufgefordert, in diesem Gebiet besonders achtsam zu sein.

Ängstliche Reeder und korrupte Behörden

Einfacher Diebstahl in Häfen und Docks ist die mildeste Form von Piraterie. Auf hoher See agieren meist organisierte Banden: Die Piraten kommen nachts mit Schnellbooten und schwer bewaffnet, räumen Schiffe leer, setzen sie dann nicht selten in Brand, kidnappen die Besatzungsmitglieder oder töten sie sogar.

Oft schicken die Piraten die Besatzung auch von Bord und entführen das Schiff, um es dann unter falschem Namen für illegale Zwecke einzusetzen. In Fachkreisen heißt das "Shipjacking". Piraterie ist der maritime Zweig des organisierten Verbrechens. Der jährliche Schaden beläuft sich auf geschätzte drei Milliarden US-Dollar.

Obwohl die meisten Piratenüberfälle nicht auf hoher See, sondern an der Küste oder sogar im Hafen begangen werden, ist es sehr schwierig, Piraten dingfest zu machen. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum einen melden viele Reedereien die Überfälle erst gar nicht - aus Angst vor steigenden Versicherungssummen oder dem Verlust von Aufträgen. Zum anderen sind die zuständigen Behörden, vor deren Küste die Überfälle registriert werden, nicht selten korrupt.

Autorin: Natalie Muntermann

Stand: 23.02.2016, 16:47

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