Serienmörder

Verbrechen

Serienmörder

Es ist jenseits jeder Vorstellungskraft: Da tötet ein Mensch nicht ein Mal, sondern immer wieder, so lange, bis die Polizei ihn stoppt. Serienmörder wie Peter Kürten, Joachim Kroll oder Charles Manson, von denen jeder mindestens acht Menschen auf dem Gewissen hat - sind sie keine Menschen, sondern Bestien in Menschengestalt? Wir reagieren mit abgrundtiefem Entsetzen, aber gleichzeitig fesselt uns diese böse Seite im Menschen. Wie ist es möglich, dass ein Mensch zu so etwas fähig ist?

Serienmörder, Massenmörder, Rauschmörder

Schatten eines Mannes mit Messer in einem Türrahmen.

Serienmörder entsetzen und faszinieren zugleich

Noch bis in die 1980er Jahre hinein unterschieden Statistiker nicht zwischen Amokläufern und Serienmördern wie Fritz Haarmann, der von 1918 bis 1926 mindestens 26 junge Männer in Hannover ermordete und teilweise ihr Blut trank. Heute sind die Definitionen klar.

Massenmörder, dazu gehören auch Amokläufer, töten während einer Tat am gleichen Ort vier oder mehr Personen. Serienmörder ermorden mindestens drei Menschen, wobei die Taten durch unterschiedliche Orte und Zeitpunkte klar voneinander abgegrenzt sind. Das schließt aber nicht aus, dass ein Serienmörder während einer Tat mehrere Opfer umbringt. Eine dritte Kategorie bildet der sogenannte Rauschmörder, der mindestens drei Menschen an unterschiedlichen Orten, aber in kurzem zeitlichem Abstand umbringt.

Das Schwarzweiß-Bild zeigt den Serienmörder Fritz Haarmann. Er trägt einen Hut und einen Schnauzbart.

Fritz Haarmann, der "Vampir von Hannover"

Rausch- und Massenmörder suchen sich in der Regel ihre Opfer nicht gezielt aus, während der Serienmörder meist ein grobes Opfer-Schema im Kopf hat (zum Beispiel junge Frauen oder kleine Jungen) oder sich sogar gezielt eine bestimmte Person aussucht.

Sechs Morde bis zur Festnahme

Nahaufnahme eines ausgeklappten Taschenmessers.

Wenn der Täter die Mordwaffe wechselt, hat es die Polizei schwer

Den typischen Serienmörder gibt es nicht. Deswegen erweist sich die Suche nach ihnen in der Regel als extrem schwierig. Manchmal erkennen die Fahnder zunächst auch gar nicht, dass der gleiche Täter hinter mehreren Verbrechen steckt, weil der "Modus Operandi", so wird in Fachkreisen das Tatmuster des Verbrechens genannt, nicht übereinstimmt. Manche Täter wechseln zum Beispiel absichtlich die Tatwaffe, um es den Fahndern zu erschweren, einen Zusammenhang zu erkennen. Oder sie wechseln die Opfertypen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Täter in acht von zehn Fällen das Opfer nicht kannte. Außerdem leben viele Serienmörder sozial isoliert oder sie verbergen geschickt ihre Taten vor Freunden und Familie. Das alles führt dazu, dass durchschnittlich dreieinhalb Jahre vergehen, bevor die Polizei einen Täter fassen kann. Nach einer Statistik des Kriminalhauptkommissars Stephan Harbort kann ein Serientäter in diesem Zeitraum durchschnittlich sechs Morde begehen.

Bei der Fahndung sollen psychologische Täterprofile helfen. Durch das Verhalten am Tatort versuchen Ermittler auf den Charakter des Mörders zu schließen. Um Mordserien schnell auf die Spur zu kommen, benutzt das Bundeskriminalamt das in Kanada entwickelte Datenbanksystem VICLAS ("Violent Crime Linkage Analysis System"). Die Ermittler füllen bei jeder Tat einen Bogen mit 168 Fragen zu Täter, Opfer, Tathergang, benutzten Waffen oder Fahrzeugen aus. Das System soll so einen Zusammenhang zwischen einzelnen Taten erkennen und im Idealfall einen bereits bekannten oder rückfälligen Serienmörder entlarven.

Männlich, deutsch, kinderlos

Ein einsamer Feldweg, der von einer Straßenlampe nur schwach erhellt ist. Auf der rechten Seite steht eine Mauer, links ein Haus.

Einsame Feldwege - ideal für Serienmörder

Auch wenn es den typischen Serienmörder nicht gibt, kann man grundsätzlich zwei Typen unterscheiden: Der eine Täter plant den Mord genau, bespitzelt sein Opfer im Vorfeld und nimmt entsprechende Waffen mit. Der andere mordet spontan, weil ihn die Situation dazu verleitet. Das kann ein Streit sein oder aber auch ein junges Mädchen, das zufällig alleine an einem Waldstück entlangradelt.

Stephan Harbort beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Serienmorden und hat alle in Deutschland bekannten Fälle von 1945 bis 2000 statistisch erfasst. Demnach lassen sich, obwohl jeder Mörder für sich steht, einige gemeinsame Merkmale feststellen: Drei von vier Tätern sind männliche Deutsche, zwischen 18 und 39 Jahren alt, ledig oder geschieden, kinderlos und unterdurchschnittlich oder durchschnittlich intelligent. Die meisten haben nur einen Sonder- oder Hauptschulabschluss, arbeiten als Handwerker oder sind arbeitslos. Sie gelten als soziale Außenseiter und sind vorbestraft oder polizeibekannt. Allerdings gibt Harbort zu bedenken, dass dieses Täterprofil in der Regel auch auf Einfachmörder zutrifft. Diese unterscheide aber vom Serienmörder die Persönlichkeitsstruktur und das Motiv.

Fast alle Serienmörder haben eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung. Sie sind emotional labil, verantwortungslos, egozentrisch und leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen. Viele waren als Kind selbst Opfer von emotionaler Kälte, Gewalt oder Missbrauch und haben diese Erlebnisse nie verarbeiten können. Allerdings entwickelt sich nicht aus jedem traumatisierten Kind ein Serienmörder und nicht jeder Serienmörder hat ein Kindheitstrauma. Die Kette von Faktoren ist so individuell wie jeder Mensch auch. Gemeinsamkeiten ergeben sich aber bei der Frage, warum es nicht bei einem Mord bleibt. Laut Harbort werden die psychischen, sexuellen, emotionalen, finanziellen, sozialen oder anderen Probleme, die den Täter zum Mord treiben, durch die Tat nur vorübergehend gemildert. Grundsätzlich bleiben sie aber ungelöst und rufen deswegen einen neuen Mord hervor.

Sexualmörder, Raubmörder, Beziehungsmörder

Behälter mit Totenkopf und der Aufschrift 'Poison'.

Beziehungsmörder verwenden oft Gift

Auch auf die Frage nach den Motiven gibt es keine pauschale Antwort. Annähern kann man sich ihr jedoch, wenn man einen Blick auf die fünf verschiedenen Typen von Serienmördern wirft:

Sexualmörder bilden die größte Gruppe innerhalb der Serienmörder. 75 Prozent der Serienmorde haben ein sexuelles Motiv. Die Täter, fast ausschließlich Männer, können sich nur Befriedigung verschaffen, wenn sie ihr Opfer vergewaltigen und schließlich töten. Meist wurden sie als Kind selbst missbraucht und quälten schon früh Tiere oder fielen als Brandstifter auf. Zwischen ihrem 16. und 24. Lebensjahr begehen Sexualmörder im Durchschnitt ihren ersten Mord - oft im Affekt nach einer Vergewaltigung. Normale Beziehungen können sie in der Regel nicht führen.

Dem Raubmörder ist sein Opfer schlicht im Weg. Sein Ziel ist die eigene Bereicherung, auch wenn dafür ein Mensch sterben muss. Die Gefühle der Opfer und Angehörigen sind ihm egal, da er ein sehr geringes Maß an Einfühlungsvermögen besitzt.

Beziehungsmörder töten ausschließlich in ihrem näheren Umfeld. Sie ermorden den eigenen Mann, die Schwiegermutter, die Tochter. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Die Täter wollen sich vorzeitig das Erbe sichern, der Ehemann stört die neue Beziehung der Frau oder die Schwiegermutter meckert zu viel. Beziehungsmorde werden besonders häufig von Frauen begangen, die Gift ins Essen mischen oder ihre Opfer ersticken. Zwischenmenschliche Probleme können Beziehungsmörder nur auf eine Art lösen: indem sie töten.

Gesinnungsmörder und Veranlagungsmörder

Gesinnungsmörder haben ideologische oder religiöse Motive. Sie verschaffen sich durch die Morde keine persönlichen Vorteile, sondern meinen, ihren Mitmenschen oder etwas Höherem einen Dienst zu erweisen. Zu dieser Gruppe gehören Ärzte und Pfleger, die ihre Patienten töten, "erlösen", wie sie meinen. Gesinnungsmörder sind besonders schwierig zu überführen, weil ihre Morde manchmal kein Muster erkennen lassen. Bei Ärzten und Pflegern schöpft zudem oft niemand Verdacht, da in einem Krankenhaus, gerade auf einer Intensivstation, viele Menschen sterben. So können Gesinnungsmörder im Schnitt 17 Mal morden, bis die Polizei ihnen auf die Schliche kommt.

Ebenso schwierig sind Veranlagungsmörder zu fassen, weil ihre Taten nicht direkt zusammenhängen. Sie haben nicht nur ein Motiv, sondern mehrere. Mal brauchen sie Geld, mal wollen sie sich rächen, mal nervt jemand einfach nur. "Wenn ich ein Problem hatte, habe ich es auf meine Weise gelöst", hat ein Veranlagungsmörder Stephan Harbort in einem Interview erzählt. Zu dieser Gruppe gehören auch Auftragsmörder. Sie töten gegen Bezahlung.

Autor/in: Mareike Potjans

Stand: 29.11.2013, 12:00