Als Yoga-Lehrer bei der Nationalelf - Interview mit Patrick Broome

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Als Yoga-Lehrer bei der Nationalelf - Interview mit Patrick Broome

Weltmeisterschaft in Deutschland, Südafrika oder Brasilien, Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz oder in Polen und der Ukraine: Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft zu einem großen Turnier fährt, ist einer immer dabei: Patrick Broome, Doktor der Psychologie - und seit 2005 Yoga-Lehrer der Nationalkicker.

Herr Broome, wie wurden Sie Yoga-Lehrer der deutschen Nationalelf?

Porträt Patrick Broome

Patrick Broome macht mit den deutschen Nationalkickern Yoga

Der Kontakt kam vor acht Jahren durch Oliver Bierhoff zustande. Er hatte nach seiner Profizeit eine kleine Pause eingelegt, in Los Angeles gelebt und dort Yoga kennen und lieben gelernt. Zurück in München machte er sich auf die Suche nach einem Studio, in dem er anständig Yoga machen konnte - und landete glücklicherweise bei mir. Oliver Bierhoff sprach dann mit Jürgen Klinsmann, dem damaligen Nationaltrainer - so kam ich ins Team.

Wie waren die ersten Reaktionen der Spieler: Fanden die Yoga gut?

Wenn jemand neu vor ihnen steht, denken die Spieler erst mal: Das wird seinen Sinn haben, sonst wäre derjenige nicht hier. Sie machen dann, was ihnen gesagt wird. Ich glaube, sie fanden es nicht auf Anhieb wahnsinnig toll. Aber nachdem sie eine halbe Stunde mitmachen mussten, haben sie gemerkt, dass es ihnen gut tut. Ein paar Spieler wollten dann mehr davon, andere haben festgestellt, dass es nichts für sie ist. Auf dieser Grundlage haben wir weitergemacht.

Haben die Yoga-Übungen das reguläre Training verändert oder sind sie ein freiwilliges Zusatzangebot?

Das ist eine rein ergänzende Maßnahme. Die Spieler haben ihr ganz normales, reguläres Training und können dann mit mir Yoga machen, als Unterstützung für die Arbeit mit den Fitnesstrainern und Physiotherapeuten. Das Angebot ist optional: Wer Lust hat, macht Yoga.

Können die Nationalspieler das Yoga-Angebot täglich bei Ihnen in Anspruch nehmen?

Ich bin bei den vergangenen vier großen Turnieren ständig dabei gewesen. Meistens findet sich eine Gruppe von Spielern zusammen, die jeden Tag Yoga machen will. Hinzu kommen Spieler, die immer mal durchwechseln. Wer will, bekommt täglich seine Yoga-Session.

Wie ist es denn bei einer Weltmeisterschaft hinter den Kulissen?

Die Stimmung ist ein bisschen wie im Landschulheim. Es wird schon sehr intensiv gearbeitet. Aber es gibt auch Momente, wo das Miteinander im Vordergrund steht.

Wie profitieren Fußballspieler von Yoga?

Dazu möchte ich das Beispiel von Ryan Giggs bringen. Der ist Trainer von Manchester United geworden und wechselt sich mit 45 Jahren auch selbst mal in ein Spiel ein. Giggs sagt, er konnte nur deshalb so lange auf einem Top-Niveau Leistung bringen, weil er regelmäßig Yoga macht. Seiner Einschätzung nach hat es ihn vor Verletzungen geschützt und ihm geholfen, schneller zu regenerieren. Ich nenne diese persönliche Erfahrung, weil es keine wissenschaftlichen Studien dazu gibt, in denen zum Beispiel Untersuchungen mit Kontrollgruppen gemacht wurden.

Die Spieler selbst sagen, dass es ihnen gut tut. Es hilft ihnen runterzukommen, sie fühlen sich wohl in ihrer Haut, sie fühlen sich wohl in ihrem Körper. Und wir dehnen im Yoga ein paar Körperteile, die sonst im Fitnesstraining nicht so stark gedehnt werden.

Gibt es in der Nationalmannschaft auch Spieler, die nicht so gerne beim Yoga mitmachen?

Ja, klar. Das ist ungefähr die Hälfte. Durch alle Positionen hindurch haben wir Leute, die es gut finden, und Leute, die es nicht so gut finden. Ob jemand im Mittelfeld, in der Abwehr oder im Sturm spielt, ist dabei unerheblich. Was mir aber aufgefallen ist: Vor allem vielen jüngeren Spielern gefällt Yoga richtig gut.

Müssen Sie als Yoga-Lehrer der Nationalkicker selbst fußballbegeistert sein?

Ich glaube, das spielt keine große Rolle. Wenn ich der totale Fan wäre, wäre das wahrscheinlich sogar eher störend. Ich liebe Fußball und finde es toll, anderen dabei zuzuschauen. Selbst kann ich aber leider überhaupt nicht gut spielen. Zum Kicken mit meinem fünfjährigen Sohn reicht es noch. Aber wenn der mal acht oder neun Jahre alt ist, ist es damit wahrscheinlich vorbei. Für die Arbeit mit der Nationalmannschaft ist eine gewisse professionelle Distanz sogar ganz hilfreich.

Autor/in: Planet Wissen

Stand: 10.10.2014, 13:00

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