Börse für Fortgeschrittene: Was sind Futures und Hedgefonds?

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Börse für Fortgeschrittene: Was sind Futures und Hedgefonds?

Seit der Finanzkrise 2008 haben wir uns an Begriffe wie Future, Hebel oder Hedgefonds gewöhnt. Doch was steckt dahinter? Planet Wissen hat  Praktiker in Banken und Börsen befragt.

Aktivistische Aktionäre

Große Strategiewechsel in Unternehmen führen meist zur kurzzeitigen Wertsteigerung. Diesen Effekt machen sich Aktivistische Aktionäre zunutze, indem sie sich über große Aktienpakete Mitspracherechte sichern und dann einen Strategiewechsel erzwingen.

Sobald der Kurs steigt, verkaufen sie ihr Aktienpaket. Manager fürchten Aktivistische Aktionäre, es gibt aber auch Unternehmen, denen die erzwungene neue Unternehmenspolitik gut getan hat.

Arbitrage

Es gibt verschiedene Arbitrage-Geschäfte. Eine Variante besteht darin, Kursunterschiede an Börsen ausfindig zu machen. Die Arbitrageure kaufen die Aktien an der günstigeren Börse, um sie unmittelbar danach an der teureren Börse zu verkaufen. Die Differenz ist ihr Gewinn.

Blue Chips

So bezeichnet man Aktien von Unternehmen, die im Prime Standard gelistet sind. In diesem höchsten Börsensegment gelten besonders strenge Regeln, deshalb gelten die Aktien als sichere Nummern: Sie werden in großem Umfang gehandelt und sind auch bei institutionellen Investoren begehrt, wie Lebensversicherungen. Außerdem schwankt ihr Kurs kaum.

Börsengang

Wenn ein Unternehmen an die Börse gehen will, muss es zuerst seinen Unternehmenswert ermitteln lassen. Dazu gehören neben Maschinen, Immobilien und Geld auch der Kundenstamm und das Image der Firma.

Die Summe wird anschließend auf bis zu mehrere Millionen Anteilscheine aufgeteilt und an der Börse zum Verkauf angeboten (emittiert). An einem Börsengang sind mehrere Banken und Finanzdienstleister beteiligt.

Credit Default Swaps (CDS)

Kreditausfallversicherungen sind Derivate (siehe Derivate), die sich auf Kreditverträge beziehen. Gleichzeitig sind sie als SWAPs (siehe SWAPs) konstruiert, das heißt es gibt zwei Parteien, die ihre Zahlungsverpflichtungen miteinander tauschen.

Bei einem CDS heißen die beiden Parteien Sicherungsnehmer und Sicherungsgeber. Der Sicherungsgeber verpflichtet sich, dem Sicherungsnehmer einen Ausgleich zu zahlen, wenn der Kredit platzt, auf den sich das Derivat bezieht. Diese Absicherung erkauft sich der Sicherungsnehmer, indem er dem Sicherungsgeber eine fortlaufende Prämie zahlt.

Je nachdem, wie die beiden Parteien das Risiko einstufen, dass ein Kredit platzt, erscheint ihnen die Rolle als Sicherungsnehmer oder Sicherungsgeber lukrativer, entsprechend tauschen sie die Positionen. CDS werden nicht an der Börse gehandelt, sondern von Banken Off the Counter (OTC) vermittelt. 2008 löste die Spekulation mit CDS die Finanzkrise aus.

Derivate

Bei einem Derivat schließen zwei Parteien einen Vertrag ab, der sich darauf bezieht, wie sich ein bestimmter Wert zu einem festgelegten Zeitpunkt entwickelt hat. Diese sogenannten Basiswerte (englisch: Underlying) können Aktien und Anleihen sein, aber auch Rohstoffe, Währungen und Edelmetalle. Auch finanzielle Kennzahlen, Indizes und Bonitätsrankings können Basiswerte für Derivate sein.

Die Basiswerte müssen den Vertragsparteien nicht wirklich gehören, sie dienen lediglich als Bezugsgröße. Daher spricht man auch von abgeleiteten Finanzinstrumenten.

Derivate werden von Börsen und Banken millionenfach aufgelegt und sowohl an der Börse wie auch außerbörslich gehandelt. Der außerbörsliche Derivatehandel hat 2008 maßgeblich zur Finanzkrise beigetragen. Siehe auch: Festgeschäft, Swapgeschäft, Optionsgeschäft.

Divestment

Beim Divestment geht es darum, bestimmte Aktien aus dem Portfolio zu verbannen, also zu de-investieren. Die aktuelle Divestment-Bewegung hat sich auf die Aktien von Unternehmen konzentriert, die ihr Geld mit klimaschädlicher Kohle verdienen.

Dem Aufruf zum Divestment sind bereits mehr als 530 Städte, Universitäten, Pensionsfonds und Stiftungen weltweit gefolgt. Die erste deutsche Stadt, die de-investiert hat, ist Münster.

ETFs (Exchange Traded Funds)

Viele Fonds können nur über Fondsgesellschaften ge- und verkauft werden. Die Exchange Trades Funds werden hingegen nur an der Börse gehandelt. ETFs sind passiv verwaltete Indexfonds, das heißt, sie enthalten ausschließlich Aktien von vorher festgelegten Indizes, wie beispielsweise dem Dax. Damit entfallen die Kosten für das Fondsmanagement.

Festgeschäft

Eine Form des Derivatehandels. Beim Festgeschäft ist alles vorgegeben: Menge, Preis, Tag der Fälligkeit. Der Klassiker des Festgeschäfts ist der Handel mit Getreide: Ein Landwirt sucht vor der Aussaat einen Käufer, der ihm nach der Ernte eine bestimmte Menge zu einem vorher festgelegten Preis abnimmt.

Steigt der Preis bis zur Ernte, hat der Käufer Glück gehabt, denn der Überschuss gehört ihm.

Sinkt der Preis, muss der Käufer dem Landwirt trotzdem den im Frühjahr vereinbarten Preis zahlen. Den Vertrag bezeichnet man auch als Future oder Terminkontrakt.

Futures

Die Futures – oder auch Terminkontrakte – gehören zu den Derivaten. Wer ein Future-Papier an der Börse kauft, erwirbt einen Kaufvertrag, der zu einem späteren, von der Börse festgelegten, Stichtag fällig wird.

Übersteigt der Warenpreis an diesem Stichtag den Preis, der im Vertrag vereinbart ist, erzielt der Käufer einen Gewinn. Ist der Preis am Stichtag niedriger, verliert er Geld. Die per Futures gehandelten Waren können Rohstoffe, aber auch Aktien, Währungen und Anleihen sein.

General Standard

Jede Börse hat eine Börsenordnung. In der Börsenordnung der Frankfurter Börse ist die Einteilung in vier Qualitätssegmente festgelegt: den General Standard, den Prime Standard, den Entry Standard und den Open Market (Freiverkehr).

Die strengsten Zulassungsregeln gelten im Prime Standard, am niedrigsten sind die Hürden im Open Market. Dort finden sich viele Börsenneulinge und ausländische Unternehmen. Unternehmen, die im Dax gelistet sein wollen, müssen die Kriterien des Prime Standards erfüllen.

Hebel

Unter Hebel(n) versteht man, dass man auch mit wenig Eigenkapital viel Gewinn machen kann. Ein klassischer Hebel ist der Einsatz von günstigem Fremdkapital, das heißt, man nimmt einen Kredit zu einem niedrigen Zinssatz auf und setzt dieses Geld ein. Am Ende zahlt man den Kredit samt Zinsen zurück. Was übrig bleibt, behält man.

Der Begriff steht außerdem für eine Kennzahl bei Optionsscheinen. Beträgt der Hebel des Optionsscheins vier, vervierfacht sich der Wertzuwachs seines Basiswerts. Allerdings vervierfachen sich auch Verluste. Teuer wird es natürlich auch, wenn man eingesetztes Fremdkapital verliert. Denn zurückzahlen muss man den Kredit trotzdem.

Hedgefonds

Investmentfonds unterliegen den Anlagerichtlinien des Investmentgesetzes, die ihnen unter anderem vorschreiben, Wertpapiere zu streuen und auf gefährliche Risiken, beispielsweise durch Spekulationsgeschäfte, zu verzichten.

Für Hedgefonds gelten diese Richtlinien nicht. In ihren Portfolios finden sich daher überwiegend Derivate, außerdem nehmen sie oft hohe Kredite zum Spekulieren auf.

Junk-Bonds

Diese Ramsch-Anleihen sind mit einem hohen Ausfall-Risiko behaftet. Das heißt, es kann gut passieren, dass der Schuldner das geliehene Geld nicht zurückzahlt. Griechische Staatsanleihen galten eine Zeitlang als Junk-Bonds. Junk-Bonds sind für manche Investoren attraktiv, weil sie hohe Zinsgewinne versprechen.

Leerverkauf

Das Prinzip des Leerverkaufs widerspricht der gewohnten Praxis, nach der man nur etwas verkaufen kann, was einem gehört. Bei einem Leerverkauf verkauft man ein Wertpapier, das man sich nur gegen eine Gebühr geliehen hat. Allerdings muss man das Wertpapier im Moment der Fälligkeit liefern, das heißt man erwirbt es im Nachhinein.

Spekulanten nutzen Leerverkäufe, wenn sie davon ausgehen, dass das geliehene Wertpapier billiger wird, sie also beim Verkauf mehr Geld einnehmen, als sie beim Kauf ausgeben. Das heißt: Leerverkäufer wetten auf sinkende Preise. In Deutschland sind Leerverkäufe verboten.

Nachhaltigkeitsfonds

Wenn Fondsmanager die Wertpapiere auch nach ethischen und ökologischen Kriterien auswählen, spricht man von Nachhaltigkeitsfonds. Typische Ausschlusskriterien sind: Waffenproduktion, Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit und Umweltzerstörung. Aber auch eine schlechte Unternehmensführung kann ein Kriterium sein. Die Rendite der Nachhaltigkeitsfonds ist in der Regel gut, oft sogar besser als die klassischer Fonds.

Optionsgeschäft

Bei einem Optionsgeschäft kann ein potentieller Käufer eine feste Menge Aktien über einen festen Zeitraum zu einem festen Preis reservieren, um sie eventuell zu kaufen. Optionsgeschäfte lohnen sich, wenn der Preis der Aktien im vereinbarten Zeitraum steigt. Andernfalls kann der potentielle Käufer auf sein Kaufrecht verzichten. Dann bleibt es bei der Prämie, die er dem Inhaber der Aktien für das Optionsgeschäft bezahlen muss.

Penny-Stock

Sehr günstige Aktien, oft für ein paar Cent zu haben. Entwickeln sich die Unternehmen gut, kann man mit Penny-Stocks eine ganze Menge Geld verdienen. Die Chancen auf eine gute Entwicklung sind allerdings meist gering.

Stranded Asset

Gestrandete Wertpapiere; man hat sie in seinem Depot und niemand will sie mehr kaufen. Viele Aktien des Neuen Marktes entwickelten sich nach dem Platzen der Dot.com-Blase zu Stranded Assets. Im Moment droht dieses Schicksal den Aktien von Energieunternehmen, deren Geschäftsmodell auf Kohle und Atomkraft beruht.

SWAPs

Bei SWAPs tauschen zwei Parteien Schulden und Zahlungsverpflichtungen untereinander aus. Das klingt merkwürdig, kann aber für die Tauschpartner sinnvoll sein. Zum Beispiel kann Investor A Geld zu einem festen Zinssatz aufgenommen haben, während Investor B einen variablen Zinssatz vereinbart hat.

Beide halten die Wahl ihres Zinssatzes im Nachhinein für einen Fehler. Wenn sie ihre Verbindlichkeiten tauschen, ist der Fehler korrigiert.

SWAPs gehören zu den Derivaten und werden nicht an der Börse gehandelt, sondern von Banken Off the Counter (OTC) vermittelt.

Volatilität

Von einem volatilen Kurs spricht man, wenn der Preis von Wertpapieren und Devisen schwankt. Eine starke Volatilität geht in der Regel mit einem höheren Gewinn- und Verlustrisiko einher.

Zertifikat

Eine Untergruppe der Derivate, das heißt, ihr Wert ist an die Entwicklung eines anderen Werts gekoppelt. Die Basiswerte der Zertifikate sind Aktien, Indizes und andere Finanzprodukte. Steigt ihr Wert, steigt auch der Wert des Zertifikats.

Weil sich Zertifikate auch auf mehrere Werte beziehen können, sind sie oft undurchsichtig. Zertifikate werden millionenfach von Banken kreiert und sowohl an der Börse wie auch außerbörslich gehandelt. Einen Bezug zur Realwirtschaft haben Zertifikate nicht.

Autorin: Beate Krol

Stand: 07.11.2017, 10:43

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