Vereenigde Oost-Indische Compagnie

Handgeschriebene erste Aktie der Welt

Börse

Vereenigde Oost-Indische Compagnie

Kaum eine Aktiengesellschaft war in ihrer Zeit so mächtig wie die niederländische "Vereenigde Oost-Indische Compagnie" (VOC). Sie war das größte Privatunternehmen ihrer Zeit. Ihr Aufstieg war eng verbunden mit dem Emporkommen der Niederlande als Kolonial- und Handelsmacht.


Gründung der Gesellschaft

1596 hatte die erste niederländische Expedition die indonesische Inselwelt erreicht. Die Niederländer gründeten Handelsniederlassungen auf Sumatra, Java, Borneo, Celebes und Timor und unterwarfen die Inselgruppen des heutigen Indonesien: Die Kolonie "Niederländisch Indien" entstand.

Der 20. März 1602 ist das Gründungsdatum der Ostindien-Handelsgesellschaft VOC. Sie war die erste Aktiengesellschaft, bei der jeder Bürger Anteile erwerben konnte. Die VOC-Aktie war sozusagen die erste Volksaktie.

Eine einzelne Kaufmannsfamilie besaß nicht ausreichend Kapital, um eine Hochseeflotte auszurüsten und Schiffe auf die Reise nach Übersee zu schicken. Zudem waren die Risiken des Kolonialhandels nicht nur für die Seeleute sehr hoch, sondern auch für die Finanziers. So entstand der Gedanke einer Aktiengesellschaft:

Kapital wurde gesammelt für ein großes Vorhaben, das Risiko lastete auf vielen Schultern. Wer sich nur mit Geld, aber nicht mit eigener Tatkraft beteiligen wollte, konnte auch dies tun. Breite Bevölkerungsschichten erwarben Anteile an der VOC und schrieben sich in das Aktionärsbuch ein.

Stich von 1880: Entdeckung der Magellanstraße

Schiffsreisen waren teuer und gefährlich

Soldaten im Sold der VOC

Die VOC erhielt das Recht, eigene Truppen aufzustellen. Mit deren Hilfe konnte sie ihre Handelsstützpunkte und Plantagen schützen. Die Soldaten führten jedoch auch Eroberungskriege, so in Indonesien, auf Ceylon (Sri Lanka) und später in Japan.

Der bis dahin dominierenden Kolonial- und Seefahrermacht Portugal nahmen die Niederländer und Engländer die Kontrolle der Küsten ab. Die Insel Mauritius im Indischen Ozean nutzten die Holländer als Stützpunkt zwischen Europa und Südostasien. 1619 gründeten sie das VOC-Verwaltungszentrum "Batavia" in Ostindien, die heutige indonesische Hauptstadt Jakarta.

Gehandelt wurde mit allem, was in Europa selten und kostbar war: Gewürze aus Indien und Indonesien, Tee, Seide und Porzellan aus China, Kaffee, Baumwolle und Gold aus Indien, Teppiche aus Persien (Iran), Kupfer und Edelsteine aus Siam, dem heutigen Thailand sowie Diamanten aus Indien und Borneo.

"Gepfefferte" Dividenden für die Aktionäre

Etwa 30 Schiffe stachen seit 1604 jedes Jahr Richtung Ostindien in See. Viele der Schiffe wurden auf den Werften der VOC gebaut. Die Aktionäre konnten sich fast jedes Jahr über Erträge freuen. Zeitweise gab es Dividenden in Höhe von 75 Prozent der Einlage.

In manchen Jahren aber gab es gar keine Ausschüttung. Zum Beispiel dann, wenn die Geschäfte infolge von Krieg und Schiffsverlusten durch Unwetter oder Piraten schlecht liefen. In den Anfangsjahren gab es zuweilen auch Naturalien als Dividende: zum Beispiel Pfeffer, das Haupthandelsgut der Indonesien-Flotte.

Nahaufnahme: Pfeffer

Pfeffer war das Haupthandelsgut der Niederlande

In den ersten 80 Jahren warf die VOC-Aktie eine Dividendenrendite von 19 Prozent ab. Wer 1606 die VOC-Aktie erworben hatte, konnte sich schon wenige Tage später über einen enormen Kursgewinn von 116 Prozent freuen. Jahrzehnte später war die Aktie das Fünffache wert.

Bis zu ihrer Auflösung war die VOC sehr erfolgreich beim Aufbau des niederländischen Kolonialreiches in Südostasien. 1772 Schiffe waren im Laufe von 200 Jahren für die VOC auf den Weltmeeren unterwegs. Sie hatten 4789 Fahrten unternommen.

Zuletzt häuften sich jedoch Misswirtschaft und Korruption. Am Ende war die VOC bankrott. Zum 1. Januar 1800 löste die niederländische Krone die VOC auf und übernahm selbst die wirtschaftliche Kontrolle über das holländische Kolonialreich.

Autor: Kai Althoetmar

Stand: 07.11.2017, 10:11

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