Geschichte der D-Mark

Wirtschaft

Geschichte der D-Mark

40 D-Mark "Kopfgeld" - was sie damit gekauft haben, wissen noch viele der heute über 70-jährigen. Für die Nachkriegsdeutschen wurde die D-Mark ein Symbol - eng verknüpft mit der Geschichte der Bundesrepublik. So wie sich der Staat zu einer Wohlstandsrepublik entwickelte, wurde auch die Deutsche Mark stärker und angesehener. Und als 2002 der Euro kam, trauerten viele ihrer D-Mark hinterher.

Vorgeschichte

Den Begriff "Mark" als Münzbezeichnung gibt es schon seit dem frühen Mittelalter. Als deutsche Währung wurde die Mark nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1873 eingeführt. Bis dahin waren in den deutschen Kleinstaaten sehr viele unterschiedliche Währungen in Form von Münzen, Wechseln und Papiernoten im Umlauf.

Während man im Süden mit dem Gulden zahlte, benutzte man in Preußen und anderen nördlichen Staaten den Taler. Auch die Unterteilung in Groschen, Schillinge und Pfennige war sehr verwirrend.

Ihre schwerste Krise erlebte die Mark des Kaiserreichs durch die Inflation am Anfang der 1920er Jahre. Als Maßnahme gegen die Inflation wurde Ende 1923 übergangsweise die Rentenmark eingeführt, ein Jahr später, als die Inflation gebremst werden konnte, die Reichsmark. Die Reichsmark blieb die einheitliche deutsche Währung bis 1948.

Die Geburt der D-Mark

Menschen an Umtauschschaltern in den 40er Jahren.

Umtauschschalter am 20. Juli 1948

Auch drei Jahre nach Kriegsende war die wirtschaftliche Lage in Deutschland noch desolat. Lebensmittel und andere Konsumgüter wurden den Deutschen nur auf Karte und Bezugsschein zugeteilt. Tauschhandel und Schwarzmarkt blühten, viele Menschen hungerten.

Bis zum Frühjahr 1948 konnten die Siegermächte trotz vieler Verhandlungen kein Einverständnis erzielen. Die Sowjetunion blockierte das Vorankommen und schied im März 1948 aus dem Kontrollrat aus. Die westlichen Alliierten beschlossen die Währungsreform allein voranzutreiben.

Die Planung lief unter dem Tarnnamen "Bird dog". Die neuen Banknoten wurden in den USA gedruckt und trafen im April 1948 in Deutschland ein. Zur selben Zeit begann in einer ehemaligen Kaserne in Rothwesten bei Kassel die konkrete Vorbereitung.

Zehn deutsche Experten aus dem Wirtschaftsrat und alliierte Sachverständige waren dort unter strengster Geheimhaltung kaserniert. Ihre Aufgabe: Alle notwendigen Gesetze für die möglichst schnelle Durchführung einer Währungsreform vorzubereiten. Die Amerikaner befürchteten, dass die Sowjets in ihrer Zone eher eine Währungsreform durchführen könnten und dann die wertlosen Reichsmark-Noten in die West-Zonen flössen.

Der 20. Juni 1948: 40 D-Mark "Kopfgeld"

Trotz Geheimhaltung kursierten Gerüchte über die bevorstehende Währungsreform und die Deutschen erwarteten gespannt den genauen Zeitpunkt. Da die Reichsmark bald nichts mehr wert sein würde, versuchten alle noch möglichst viel zu kaufen. Die Geschäfte aber horteten in der Hoffnung auf solideres Geld ihre Waren. Auf dem Schwarzmarkt stiegen die Preise in astronomische Höhen.

Am Freitag, dem 18. Juni, wurde am Abend dann die Währungsreform für Sonntag, den 20. Juni angekündigt. Jede erwachsene Person sollte gegen die Vorlage von 60 Reichsmark 40 neue Deutsche Mark bekommen, später dann noch einmal 20 DM. Ab dem 21. Juni sollte allein die Deutsche Mark gesetzliches Zahlungsmittel sein, die Reichsmark verlor ihre Gültigkeit.

Spar- und andere Guthaben mussten innerhalb weniger Tage angemeldet werden, sonst verloren sie ihren Wert - sie wurden im Verhältnis 10 Reichsmark zu 1 DM (real 6,5 zu 1, weil ein Teil der Spareinlagen auf unbestimmte Zeit blockiert und teils abgewertet wurde) umgestellt. Am Tag nach der Währungsreform standen die Deutschen staunend vor gefüllten Schaufenstern, die Märkte boten plötzlich wieder allerlei Gemüsesorten und Lebensmittel.

Gewinner und Verlierer

Ein Kaufhaus mit großen Anzeigen - neue Währung, neue Preise.

Die neue Währung wird als Werbung genutzt

Im Gedächtnis der Bundesdeutschen war die Währungsreform der entscheidende Schritt zur Gründung der Bundesrepublik, von diesem Tag an wurde alles anders - das Leben fing an, wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen. Dass die Währungsreform unsozial sei, warfen ihr viele Kritiker im In- und Ausland vor.

Kleine Sparguthaben und Notgroschen wurden genauso behandelt wie die Guthaben der Schwarzhändler oder Großkonten. Vermögens- und Sachwerte wurden nicht aufgerechnet. Diejenigen, die auch vorher schon durch Erbschaften, Aktien oder Landbesitz vermögend waren, blieben es weiterhin. Die "Stunde Null", in der jeder Deutsche mit 40 Mark angefangen hat, ist ein Märchen.

Die Währungsreform im Ostsektor folgte wenige Tage später. Die "Ostmark" der späteren DDR besiegelte faktisch die Teilung des alten Deutschland in zwei Staaten. In Berlin spitzte sich die Lage zu - nur wenige Tage nach der Währungsreform wurde der Westsektor der Stadt von der Versorgung durch die Ostsektoren abgeschnitten und die Landwege in die Stadt blockiert.

Stabilitätspolitik

Der Inhaber der Grundig-Werke, Max Grundig, der Generalbevollmächtigte der Firma Krupp, Berthold Beitz, und der Generaldirektor des Volkswagenwerks, Heinz Nordhoff

Auslandsgeschäfte für die deutsche Wirtschaft

Stabile Preise und damit eine stabile Währung waren das oberste Ziel der Wirtschaftspolitik Ludwig Erhards. Doch zunächst stiegen die Preise. Der Durchschnittsverdienst betrug zirka 300 Mark, die Mieten waren bei 40 Mark eingefroren, Heiz- und Brennstoffe waren knapp, Lebensmittel verhältnismäßig teuer.

Mit der Marshallplanhilfe gelang jedoch der Umschwung am Anfang der 1950er Jahre - das Geld, das die Deutschen an die Amerikaner zurückzahlten, konnte als Kredit wieder in Investitionen gesteckt werden. Trotz zwischenzeitlicher Krisen (Koreakrieg) entwickelte sich die D-Mark bis 1958 zu einer der härtesten Währungen der Welt. Bald galt Deutschland auch im Ausland als wieder kreditwürdig.

Inoffizielle Leitwährung

Gebäude der Bundesbank in Frankfurt/Main

Die "Macht am Main" wird die Bundesbank auch genannt

Die meisten anderen westlichen Währungen verloren gegenüber der D-Mark in den folgenden Jahrzehnten an Wert. Die Verbindung zum amerikanischen Dollar war von besonderer Bedeutung. Es gab bis zum Anfang der 1970er Jahre festgelegte Wechselkurse, jede Wertveränderung des Dollar wirkte sich so auf die anderen westlichen Währungen aus, die sich am Dollar orientierten.

Schrittweise wurde die D-Mark gegenüber dem Dollar aufgewertet - bis zur Freigabe des Wechselkurses Anfang der 1970er Jahre. Auch die D-Mark verlor in der Zeit ihrer Gültigkeit an Wert - in den 1990er Jahren hatte sie nur noch etwa 27 Prozent ihrer Kaufkraft von 1949. Allerdings hatten andere Währungen in derselben Zeit erheblich höhere Inflationsverluste erlitten.

Da die D-Mark innerhalb von Europa, mit Ausnahme des Schweizer Frankens, als stabilste Währung galt, war sie lange Zeit für die Nachbarländer eine inoffizielle Leitwährung, vor allem innerhalb der Europäischen Union (vorher EWG - Europäische Wirtschaftsgemeinschaft). In den Ländern Osteuropas wurde die D-Mark zu einer Art Zweitwährung neben den heimischen Währungen.

Symbol der Einheit

Deutsche Markscheine aus der letzten Epoche.

Die letzten DM-Scheine

"Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!", stand im Frühjahr 1990 auf den Transparenten der Demonstranten in der DDR. Die Währungsunion sollte noch vor weiteren politischen Schritten zur Wiedervereinigung verhandelt werden. Angesichts der anhaltenden Ströme von Übersiedlern sahen sich die Verhandlungsführer zu raschem Handeln gezwungen.

Mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion wurde die D-Mark am 1. Juli 1990 zum alleinigen Zahlungsmittel in der DDR. Löhne, Gehälter, Renten und Mieten wurden 1 zu 1 umgestellt - Guthaben gestaffelt nach Alter und Höhe 1 zu 1 oder 1 zu 2.

Diese Umtauschkurse waren nicht unumstritten. Viele Wirtschaftsexperten, darunter der Bundesbankpräsident und der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hatten sich dagegen ausgesprochen, die DDR gleichsam über Nacht dem Wettbewerb mit der westdeutschen und internationalen Konkurrenz auszusetzen.

Auch im Rückblick, mehr als 25 Jahre nach der Währungsunion, begreifen viele Kritiker das als schweren Fehler. Im Gegensatz zu Ludwig Erhards Währungsreform habe diese Währungsunion keinem Wirtschaftswunder den Weg geebnet, sondern durch den "Aufwertungsschock" eines verhindert. Zwar bekamen die ostdeutschen Verbraucher endlich Geld in die Hand, von dem sie sich kaufen konnten, was sie wollten, für die Betriebe aber brachte die Währungsunion eine Kostenexplosion mit sich.

Als Handelspartner für die sich ebenfalls dem Markt öffnenden anderen ehemaligen Ostblockländer wurden sie uninteressant. Gleichzeitig lag ihre Produktivität zu weit unter der in der alten Bundesrepublik, als dass sie schnell genug hätten aufholen können.

Abschied von der D-Mark

Mehrere Euro-Münzen liegen in einer Handfläche.

Seit dem 1.1.2002 ist das Euro-Bargeld im Umlauf

Annähernd zur selben Zeit wie die Deutsche Wiedervereinigung wurde innerhalb der Europäischen Union die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion beschlossen. Durch den Euro sollten die Wirtschaftsbeziehungen im gemeinsamen Binnenmarkt noch weiter erleichtert und eine stabile Währung für alle teilnehmenden Staaten geschaffen werden.

Im Juni 1997 einigten sich die damals 15 Staats- und Regierungschefs, nicht zuletzt auf Drängen Deutschlands, auf einen Stabilitätspakt für den Euro. Darin wurden Bedingungen festgelegt, die Länder erfüllen müssen, bevor sie der Währungsunion beitreten dürfen, auch wenn sie Mitglieder sind. Unter anderem darf die Neuverschuldung nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen.

Zum 1. Januar 2002 wurde der Euro in Luxemburg, Finnland, Irland, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Deutschland als Bargeld eingeführt. Der Umrechnungskurs zur D-Mark war schon drei Jahre vorher auf 1,95583 D-Mark festgelegt worden.

Umstritten ist, ob der Stabilitätspakt funktioniert und ob es der Europäischen Zentralbank gelingen wird, die teilnehmenden Staaten zu der nötigen Haushaltsdisziplin zu bewegen. So überschritt der einstige große Stabilitätspaktverfechter Deutschland in den Jahren nach der Einführung des Euro als Bargeld regelmäßig die Neuverschuldungsgrenze.

Der Abschied von der D-Mark war vielen Deutschen schwer gefallen, galt sie ihnen doch als Garant für Wohlstand und Sicherheit. Bei einer Umfrage zweieinhalb Jahre nach der Euro-Einführung gaben immerhin 60 Prozent der Befragten an, dem Euro gegenüber nun positiv eingestellt zu sein. Infolge von Preisanpassungen, besonders im Dienstleistungsbereich brachte es der Euro in den Jahren nach seiner Einführung aber auch als "Teuro" zu einiger Berühmtheit.

Autorinnen: Hildegard Kriwet/Meike Meyer

Stand: 26.09.2014, 13:00

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