Das kurze Leben der Elektrogeräte

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Das kurze Leben der Elektrogeräte

Kurz nachdem die Garantie abgelaufen ist, gehen elektrische Geräte kaputt – gefühlt passiert das ständig. Der Verdacht liegt nahe: Hersteller bauen gezielt für den Müll. Geplante Obsoleszenz nennt man das. Doch beweisen lässt sie sich nicht.

Darum geht's:

  • Stefan Schridde ist sich sicher: Viele Hersteller bauen absichtlich Defekte in Geräte ein.
  • In einer Kampagne klärt er über fehlende Produktqualität auf.
  • Stiftung Warentest und das Umweltbundesamt finden keine Indizien dafür.

Verbaute Akkus und zugeklebte Gehäuse ärgern Verbraucher

Fakt ist: Bei der Entwicklung eines Elektrogeräts planen die Hersteller, wie lange es voraussichtlich funktionieren wird. "Haltbarkeit spielt dabei keine Rolle mehr", regt sich Stefan Schridde auf.

Seit Jahren kämpft er mit seiner Kampagne "Murks? Nein, danke!" für nachhaltige Produktqualität. Er ist sich sicher, allzu oft bauen Hersteller absichtlich einen Defekt in das Gerät. Denn wenn der Kunde neu kaufen muss, wird der Umsatz angekurbelt. Fachleute nennen das geplante Obsoleszenz.

Ob fest verbaute Akkus, Kunststoffzahnräder, die sich gegenseitig zerfräsen oder falsch bemessene Kondensatoren – Schridde wird nicht müde, Beispiele von "Murks" zu sammeln.

Sein Lieblingsobjekt ist ein Milchaufschäumer eines Markenherstellers. Um das Gehäuse zu öffnen, sind zwar Schrauben vorhanden, doch letztendlich hilft nur zerstörerische Gewalt: Das Gehäuse ist zusätzlich verklebt. Eine Reparatur ist vom Hersteller nicht eingeplant.

Stefan Schridde

Stefan Schridde

Die Glühbirne darf nur 1000 Stunden brennen

Bauen die Hersteller solche Schwachstellen also extra ein? Wasserdicht beweisen kann selbst Stefan Schridde es nicht.

Die meisten Indizien wurden bislang bei der Glühbirne gefunden. In den 1940er Jahren flog ein geheimer Zusammenschluss internationaler Glühlampenhersteller auf. In den Akten des sogenannten Phoebuskartells steht es schwarz auf weiß: Die Lebensdauer einer Glühbirne ist auf 1000 Stunden zu begrenzen. Brennt eine Birne länger, wird der Hersteller mit empfindlichen Geldbußen bestraft.

Doch weitere Beweise blieben bislang aus. Die Stiftung Warentest stellte 2013 zwar fest, dass diverse Produkte unerfreulich kurzlebig sind. Doch ihre Testergebnisse ließen keinen Rückschluss zu, dass Hersteller absichtlich Fehlerquellen einbauten.

Und auch die Anfang 2016 vom Umweltbundesamt veröffentlichte Studie fand keine Indizien dafür. Zwar plane der Hersteller die Lebensdauer, doch sei er dabei verschiedenen Faktoren unterworfen. Zum Beispiel müsse er, um auf dem Markt bestehen zu können, möglichst günstig produzieren. Technik und Material hätten Leistungsgrenzen.

Eine Glühbirne

Geplante Obsoleszenz bei der Glühbirne?

Elektrogeräte werden immer kürzer genutzt

"Ob es geplante Obsoleszenz gibt oder nicht – diese Frage muss gar nicht unbedingt beantwortet werden, um zu wissen, dass wir handeln müssen", sagt Ines Oehme vom Umweltbundesamt. "Unser Ziel ist es, dass die Menschen sich auf eine Mindestlebensdauer verlassen können und ihre Geräte so lange wie möglich nutzen. Und dafür müssen wir auf vielen Ebenen die Bedingungen verbessern."

Denn eines förderte die von ihr begleitete Studie sehr wohl zu Tage: Elektrogeräte werden immer kürzer genutzt. Besonders der Anteil von Haushaltsgroßgeräten, die bereits in den ersten fünf Jahren kaputt gehen, stieg deutlich an.

Doch nicht nur die Hersteller werden in der Studie zur Verantwortung gezogen, auch die Verbraucher. Viele kaufen sich frühzeitig ein neues Gerät, obwohl das Alte noch voll funktionsfähig ist. Besonders bei Smartphones und Fernsehern wollen viele die neuste Technologie oder das neuste Modell besitzen.

Egal aus welchen Gründen Elektrogeräte kurz genutzt werden, für das Umweltbundesamt ist das unter ökologischen Gesichtspunkten ein Dorn im Auge. Die Herstellung der Produkte verbraucht wertvolle Ressourcen; Schadstoffe und Treibhausgase belasten Umwelt und Klima. Doch was tun?

Wie lange sollen Geräte halten?

"Wir müssen uns als Gesellschaft darauf einigen, wie lange ein Gerät mindestens halten soll", meint Ines Oehme. "Oder wie lange Ersatzteile vorhanden sein müssen und Software weiter unterstützt werden muss."

Bei Staubsaugern regelt das bereits die Ökodesign-Richtlinie. Sie legt fest, dass spätestens ab dem 1. September 2017 der Motor mindestens 500 Stunden durchhalten muss. Das entspricht einer durchschnittlichen Lebensdauer von zehn Jahren.

Mit der Ökodesign-Richtlinie ließen sich auch für andere Produktgruppen Mindestanforderungen festlegen, etwa wie lange sie halten müssen oder dass sie zu reparieren sein müssen.

Für Stefan Schridde, den "Murks"-Initiator, geht das zu langsam. Er fordert eine Änderung des gesetzlichen Gewährleistungsrechts. Kunden können bisher zwei Jahre lang den Handel für defekte Elektrogeräte haftbar machen. Nach einem halben Jahr müssen sie jedoch nachweisen, dass sie nicht selbst den Defekt verursacht haben.

Könnte der Kunde den Handel längere Zeit ohne Nachweis einer Ursache in Haftung nehmen, würde laut Schridde die Qualität automatisch steigen. Und er müsse nicht weiter so viel Murks sammeln.

Eine Frau steht vor einem Regal, in dem verschiedene Staubsauger stehen

Ein Staubsaugermotor muss 500 Stunden saugen können

Autorin: Birgit Amrehn

Stand: 24.07.2017, 09:32

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