Simplify your Life

Ein Bücherhaufen vor einem leeren Regal.

Minimalismus

Simplify your Life

Wir machen uns das Leben viel zu schwer: Davon ist Werner Tiki Küstenmacher überzeugt. Und hat mit "simplify your life" ein Konzept entwickelt, mit dem wir uns in allen Lebenslagen von unnötigem Ballast befreien können.

Vereinfachen auf allen Ebenen

1998 startete das Projekt mit einem monatlichen Newsletter, 2001 brachte Küstenmacher zusammen mit dem Zeitmanagement-Experten Lothar J. Seiwert das Buch "simplify your life – einfacher und glücklicher leben"heraus.

Es wurde ein internationaler Bestseller und gilt heute als Klassiker der Ratgeber-Literatur. Mit über 40 Auslandsauflagen und fast zwei Millionen verkauften Exemplaren allein in Deutschland.

Inzwischen ist aus der Idee eine geschützte Marke und ein kleines Imperium geworden: Es gibt Nachfolgebücher mit Titeln wie "simplify your time" oder "simplify your love", einen jährlichen Kalender ("simplify your day") und eine eigene Website

Der Grundgedanke von Simplify: Je komplizierter unser Leben ist, desto mehr haben wir das Gefühl, dass wir die Kontrolle verlieren; dass die Dinge etwas mit uns tun statt wir mit den Dingen.

Wenn wir entrümpeln, fühlen wir uns freier und selbstbestimmter. Und: Je unübersichtlicher die Welt um uns herum ist, desto größer wird die Sehnsucht nach Einfachheit.

Grafik einer Pyramide des Simplify-Prinzips.

Das Simplify-Prinzip: "Eine Reise vom Äußeren zum Inneren"

Das Vereinfachen nach dem Simplify-Prinzip erfolgt in mehreren Stufen. Die Autoren nennen das "eine Reise vom Äußeren zum Inneren". Um die Idee zu verdeutlichen, haben sie eine Pyramide skizziert.

Stufe 1: Sachen

Hier geht es um die Dinge, die uns umgeben. Unordnung und vollgestopfte Zimmer belasten das Unterbewusstsein und machen es schwer, den Überblick zu behalten. Also: Weg mit dem Zeug. Schreibtisch aufräumen, Kleiderschrank ausmisten, Garage entrümpeln.

Blick auf einen vollgestopften Schreibtisch und Regale mit Tabletten, Büchern und Kleinkram.

Unordnung kann uns unterbewusst belasten

Stufe 2: Finanzen

Das liebe Geld: Auch hier kann Unordnung herrschen. Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihr Bargeld und Ihre Kontostände, über Schulden und Darlehen, Ersparnisse und Ausgaben. Zum Beispiel, indem Sie ein Haushaltsbuch führen oder einen Plan machen, wie Sie Ihre Schulden abtragen können.

Stufe 3: Zeit

Jeder Tag hat 24 Stunden – und die reichen oft nicht für alles, was man machen möchte oder machen muss. Das Resultat: Stress und Termindruck.

Wer sich gut organisiert, Prioritäten setzt, öfters mal Nein sagt und sich von der Vorstellung, etwas zu verpassen, verabschiedet, schafft Freiräume und Zeit zum Luftholen.

Stufe 4: Gesundheit

Darum kümmern wir uns meistens erst, wenn sich erste Zipperlein oder Krankheiten bemerkbar machen. Besser ist es, vorzubeugen und mit einfachen Mitteln dafür zu sorgen, dass wir uns in unserem Körper wohlfühlen.

Dazu gehören regelmäßige Bewegung, gesundes Essen sowie ausreichende Entspannungs- und Ruhephasen.

Gemüse und Obst in einem Korb aus Plastik.

Eine ausgewogene Ernährung hilft dem Körper, sich wohlzufühlen

Stufe 5: Beziehungen

Streit, Konflikte, Missverständnisse: Die Beziehung zu unseren Mitmenschen kann ganz schön anstrengend und chaotisch sein. Auch Freundschaften und soziales Engagement können belasten, wenn sie uns zu viel abverlangen.

Einfacher wird es, wenn wir auch auf unsere eigenen Bedürfnisse hören und offen kommunizieren.

Stufe 6: Partnerschaft

Miteinander reden: Das hilft auch in der Liebe, Konflikte und Missverständnisse zu vermeiden und die Beziehung zu der oder dem Liebsten einfacher zu gestalten. Sprechen Sie nicht nur über Alltagsprobleme, Kinder oder Job, sondern auch über sich selbst – und hören Sie dem anderen zu.

Stufe 7: Sie selbst

Auf der obersten Stufe steht Ihr Selbst, Ihre Persönlichkeit, Ihre Spiritualität. Wenn wir uns von den unzähligen Kleinigkeiten und Dingen befreien, die das Leben unnötig kompliziert machen, bekommen wir wieder einen klareren Blick für unsere Ziele und Träume und lernen, uns selbst besser zu verstehen.

Ran ans Gerümpel

So viele Stufen, so viel zu tun: Wird das nicht schon wieder kompliziert?

"Die Pyramide ist nicht als zeitliche Abfolge gedacht, sondern soll veranschaulichen, dass alles mit allem zusammenhängt", sagt Werner Tiki Küstenmacher.

"Man sollte da anfangen, wo der Leidensdruck am größten ist. Das kann bei dem einen der überquellende Schreibtisch oder Kleiderschrank sein, bei dem anderen der immer viel zu volle Terminkalender. Wichtig ist, überhaupt anzufangen."

Damit das Entrümpeln nicht in Stress ausartet raten die Autoren, Schritt für Schritt vorzugehen und sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Besser ist es, mit einem konkreten Projekt anzufangen und dabei methodisch vorzugehen.

Beim Aufräumen von Regalen, Schubladen oder Schreibtischen zum Beispiel sollte man in fünf Schritten vorgehen.

1. Räumen Sie die Einheit, die sie aufräumen wollen, komplett leer.

2. Putzen Sie sie blitzblank, entfernen Sie Schmutz, Staub, Krümel.

3. Teilen Sie den ausgeräumten Inhalt in drei Haufen auf:

- Einen für die Dinge, die Sie behalten wollen. Fragen Sie sich bei jedem Gegenstand kritisch, wann Sie ihn zuletzt benutzt haben und ob Sie ihn wirklich brauchen. Wenn ja, stellen Sie ihn an seinen Aufbewahrungsort zurück.

- Auf den zweiten Haufen kommt alles, was kaputt, überflüssig oder unbrauchbar ist oder was Sie seit mehr als einem Jahr nicht benutzt haben. Diese Dinge kommen in den Müll oder werden weitergegeben, zum Beispiel an einen Second-Hand-Laden oder Bücherflohmarkt.

- Gegenstände, bei denen Sie sich nicht sicher sind, landen auf dem dritten Haufen. Sie werden gesammelt in einen Karton verpackt, in der Garage, im Keller oder auf dem Dachboden zwischengelagert und nach ein paar Monaten noch einmal durchgesehen. Alles, was ein Jahr lang nicht gebraucht wurde, kommt endgültig weg.

4. Fassen Sie kleine Dinge in Schachteln oder anderen Behältern zusammen.

5. Freuen Sie sich über jede kleine Ordnungsinsel, statt sich über den großen Berg zu ärgern, der vielleicht noch vor Ihnen liegt.

Wohnungen als Spiegel unserer Seele

Alles hängt mit allem zusammen: Das heißt, dass wir, wenn wir auf einer Stufe der Pyramide entrümpeln, die Auswirkungen auf einer anderen Stufe spüren.

Wenn wir unseren Terminkalender ausmisten und uns mehr Zeit für Muße gönnen, fühlen wir uns entspannter. Das tut unserer Gesundheit, unserem Selbst und vielleicht auch unseren Beziehungen gut.

Wenn wir unseren Schreibtisch ausmisten, können wir klarer denken und effektiver arbeiten; das hat möglicherweise Auswirkungen auf unseren Kontostand.

Frontaler Blick auf ein ordentliches und sauberes Wohnzimmer.

"Sichtbares Chaos hat oft etwas mit unserer Seele zu tun"

Dass wir uns befreit fühlen, wenn wir unnötigen Ballast abwerfen und uns von Dingen trennen, hat auch damit zu tun, dass unsere Wohnungen Spiegel unserer Seele sind.

"Sichtbares Chaos hat oft etwas mit unserer Seele zu tun", sagt "Simplify"-Erfinder Küstenmacher.

"Übergewichtige haben oft vollgestopfte Wohnungen. Ein chaotischer Keller deutet auf Probleme in der Vergangenheit hin. Wenn man ihn aufräumt, lassen sich oft auch die Beziehungen zu Verwandten klären."

Jedem Bereich in der Wohnung haben die Autoren einen bestimmten persönlichen Aspekt zugeordnet: Der Eingangsbereich spiegelt unsere Beziehung zu anderen Menschen, das Badezimmer unsere innere Mitte, das Wohnzimmer unser Herz.

Die These: Unser Selbstbild wird stark davon beeinflusst, wie es in unserem Lebensraum aussieht. Durch Struktur, Ordnung und liebevolle Gestaltung der Räume können wir aktiv dazu beitragen, dass es uns gut geht.

Autorin: Kerstin Deppe

Stand: 13.01.2017, 10:00

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