Schulden

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Schulden

Pleite, gepfändet, insolvent – das kann jedem passieren: Plötzlich verliert man den Job, dann wird das Geld knapp, schließlich lassen sich die Kredite für Wohnung, Auto oder Handy nicht mehr zurückzahlen und der Gerichtsvollzieher steht vor der Tür. Laut Schuldneratlas waren im Jahr 2015 in Deutschland 6,72 Millionen Menschen beziehungsweise 3,35 Millionen Haushalte überschuldet.

Darum geht's:

  • Überschuldung: Das Einkommen deckt auf Dauer die Ausgaben nicht.
  • Es trifft meistens die, deren Einkommen knapp bemessen ist.
  • Trennung und Scheidung – die häufigsten Gründe für Privatinsolvenz
  • Weitere Gründe: Arbeitslosigkeit und falsches Konsumverhalten

Was ist Überschuldung?

Von Überschuldung spricht man, wenn eine Person oder eine Familie nicht mehr auf Ersparnisse zurückgreifen kann und das monatliche Einkommen die Ausgaben für Miete, Strom und andere Verpflichtungen wie Ratenzahlungen nicht mehr deckt – und das auf Dauer.

40 Prozent der Haushalte kommen schon mit Schulden, die unter einem Betrag von 10.000 Euro liegen, nicht mehr klar. Junge Erwachsene, die noch bei ihren Eltern wohnen und wenig verdienen, wächst oft schon eine Schuldenlast von 1000 Euro über den Kopf.

Gerade bei jungen Menschen besteht die Gefahr, dass sie aus der Schuldenspirale nur schlecht herausfinden und sich jahrelang in einem Teufelskreis bewegen, in dem die alten Ratenzahlungen mit immer neuen Schulden beglichen werden.

Wen kann es treffen?

Egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, mit Doktortitel oder ohne Ausbildung: Jeder Einzelne kann in eine Situation geraten, in der sich ein Schuldenberg vor ihm auftürmt.

Die Mehrzahl der Überschuldeten ist zwischen 30 und 50 Jahre alt. In diesem Alter gründen viele eine eigene Familie, die eigene Wohnung wird gekauft, Kredite werden aufgenommen. Wenn dann etwas Unvorhergesehenes passiert, ist der Weg in die Überschuldung nicht mehr weit. Selbst die nicht geplante Geburt eines Kindes kann Einzelne finanziell überfordern.

Das Einkommen der Menschen, die in die Insolvenz geraten, ist meist sehr knapp bemessen. 30 bis 40 Prozent der Betroffenen, die aus ihren Schulden alleine nicht mehr herausfinden, sind Hartz-IV-Empfänger. Ihr finanzieller Spielraum ist so eng, dass es gerade für das Nötigste zum Leben reicht. Wenn sich dann noch Ratenzahlungen aus Zeiten angehäuft haben, ist die Situation fast ausweglos.

Eine junge Frau betrachtet verzweifelt einen Antrag für das Arbeitslosengeld II

Besonders gefährdet: Hartz-IV-Empfänger

Was führt zu hohen Schulden?

Trennung und Scheidung sind die häufigsten Gründe, die zur Überschuldung führen. Betroffene in dieser Lebenssituation müssen eine doppelte Haushaltsführung bewältigen. Miete, Strom und alles, was zur Lebensgestaltung dazugehört, muss zweifach bezahlt werden, obwohl das verfügbare Einkommen meistens gleich bleibt.

Im Scheidungsfall kann es auch vorkommen, dass eine Frau mit dem Schuldenberg ihres Exmannes dasitzt, wenn sie noch zu Zeiten der Ehe eine Bürgschaft für das Geschäft oder Unternehmen ihres Mannes unterschrieben hat. Geht der Betrieb in die Insolvenz und beide trennen sich, muss die geschiedene Ehefrau für die gebürgten Schulden aufkommen.

Handelt es sich aber um eine typische "Hausfrauenehe", in der die Partnerin nicht gearbeitet hat und allein für die Betreuung der Familie zuständig war, kann sie sich auf diesen Fakt berufen und muss gegebenenfalls die Bürgschaft nicht abbezahlen. Die Grenzen, einer Bürgschaftsverpflichtung nicht nachkommen zu müssen, sind jedoch eng gesteckt.

Arbeitslosigkeit und Konsum

Ein weiterer wichtiger Grund, der Menschen in die Schuldenfalle rutschen lässt, ist eine unvorhergesehene Arbeitslosigkeit. Die finanziellen Verpflichtungen, die man durch den Kauf eines Hauses oder eines Autos eingegangen ist, lassen sich dann nicht mehr bestreiten.

Wenn die Betroffenen weder eine Berufsqualifikation noch einen Bildungsabschluss aufweisen können, ist der Weg zurück in die Arbeitswelt meist schwierig.

Und schließlich sind da noch die Verlockungen des Konsums, denen manche trotz mageren Geldbeutels nicht widerstehen können. Die Werbung macht es auch nicht gerade einfach, an verführerischen Angeboten vorbeizugehen. Hinzu kommt, dass gesellschaftlicher Status heute sehr oft mit dem Besitz materieller Güter gleichgesetzt wird.

Durch den Kauf auf Pump kann der Verbraucher ohne zu zögern auf die Fülle der Angebote einfach zugreifen. Nach dem Motto "kaufe jetzt, zahle später" ist der Verschuldung Tür und Tor geöffnet. Aber Achtung: Wer seine finanzielle Situation beim Kauf auf Kredit beschönigt, kann sogar unter den Verdacht des Betruges geraten.

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Autorin: Sabine Kaufmann

Weiterführende Infos

Stand: 12.07.2017, 16:15

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