Ghana

Afrika

Ghana

In Ghana betrieben europäische Kolonialherrscher drei Jahrhunderte lang den größten Sklavenhandel Afrikas. Doch Ghana war auch einer der ersten Staaten Afrikas, der sich seine Unabhängigkeit erkämpfte. Früher wurde das Land auch "Goldküste" genannt, denn in den Böden und Flüssen fanden die damaligen Kolonialherren riesige Goldvorkommen. Auch heute noch ist Ghanas wichtigstes Exportgut Gold.

Darum geht's:

  • Ghana liegt am Golf von Guinea in Westafrika.
  • Hauptstadt ist das rasant wachsende Accra.
  • Amtssprache ist englisch, das Bildungsniveau hoch.
  • Kofi Annan ist der bekannteste Ghanaer.
  • Das Klima ist tropisch, die Landschaften abwechslungsreich.
  • Ghana exportiert landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe.
  • Vor 40.000 Jahren wurde Ghana erstmals besiedelt.
  • Die ersten Europäer kamen im 15. Jahrhundert nach Ghana.
  • Mehr als 300 Jahre war Ghana der größte Sklavenumschlagplatz Afrikas.
  • 1957 wurde Ghana als erstes schwarzafrikanisches Land unabhängig.
  • Ölfelder vor der Küste bestimmen die Zukunft des Landes.

Ghanas Geografie

Ghana liegt am Golf von Guinea: dort, wo der Atlantische Ozean im Norden und im Osten auf die Küsten der westafrikanischen Länder trifft. Das Land grenzt im Westen an die Elfenbeinküste, östlich an Togo und im Landesinneren an Burkina Faso.

Im Vergleich ist Ghana ungefähr so groß wie Großbritannien, mit dessen Geschichte es durch die Kolonialzeit eng verbunden ist. Das Land zählt etwa 25 Millionen Einwohner und ist in zehn Verwaltungseinheiten aufgeteilt, vergleichbar mit den Bundesländern in Deutschland.

Im Süden des Landes, an der Küste, liegt Ghanas Hauptstadt Accra. Sie wurde von einem afrikanischen Händlervolk gegründet, den Ga. Als Ackerbauern betrieben sie an der Küste Landwirtschaft und wollten mit den portugiesischen Seefahrern Handel treiben, die damals die Westküste Afrikas erkundeten.

Heute zählt Accra Schätzungen zufolge mehr als drei Millionen Einwohner. Die Stadt wächst rasant, denn viele Menschen ziehen mit der Hoffnung auf Arbeit von den Dörfern in die Hauptstadt.

Ein ghanaischer Fußballfan feiert seine Mannschaft beim African Cup 2015 beim Spiel gegen Algerien

Ein Fußballfan feiert in ghanaischen Farben

Sprache und Bildung

Die Amtssprache in Ghana ist englisch, ein Erbe der britischen Kolonialmacht. Englisch wird in Ghana von allen Menschen mit Schulbildung gesprochen, alles in allem von rund 60 Prozent der Bevölkerung. Im Land besteht Schulpflicht und das erklärt, warum die meisten qualifizierten ausländischen Arbeiter in westafrikanischen Ländern aus Ghana stammen: Ingenieure, Ärzte, Piloten, Lehrer, Krankenschwestern, Maurer, Mechaniker und viele mehr.

Der berühmteste Ghanaer ist Kofi Annan. Er war bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen. Für seinen Einsatz zur Verbesserung der Menschenrechte und für den Weltfrieden wird Annan von vielen Menschen in Ghana als Volksheld verehrt. Er ist an einem Freitag geboren – das erkennt man an seinem Vornamen Kofi. In Ghana werden die Menschen nach dem Tag ihrer Geburt benannt und so gibt es im Grunde nur vierzehn Vornamen: sieben für Männer und sieben für Frauen.

Kofi Annan

Kofi Annan

Reich an Landschaften...

Ghana ist ein tropisches Land, das klimatisch vom nahen Äquator beeinflusst wird. So gibt es in Ghana keine vier Jahreszeiten, sondern nur eine trockene und eine feuchte Jahreszeit. Die Trockenzeit ist sehr heiß, die Regenzeit schwülwarm.

Die Landschaften in Ghana wechseln schnell: Es gibt Dickicht, Grasland, Savanne und auch Regenwald. Vor allem in den tropischen Wäldern ist vieles noch weitgehend unerforscht. Dort gibt es uralte riesige Bäume und exotische Pflanzen.

Ursprünglich war der Regenwald in Ghana viel größer als heute, aber nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte Ghanas Kolonialmacht Großbritannien Geld. Die Edelhölzer wurden gefällt, weitflächige Kakao- und Kaffeeplantagen angelegt und große Areale für Ananasfarmen gerodet.

Auch heute exportiert Ghana noch Kaffee, Tee, Kautschuk, Zuckerrohr und Kakao in den Westen. Das Land an der Westküste Afrikas ist nach der Elfenbeinküste weltweit der zweitgrößte Produzent von Kakao. Zurück importiert werden weiterverarbeitete Produkte: Schokolade, aber auch zum Beispiel Seife und Autoreifen. Dadurch kann sich Ghana, wie viele andere afrikanische Länder auch, wirtschaftlich schlecht weiterentwickeln.

Kakaopflanze.

Ghana ist der zweitgrößte Exporteur von Kakao

… und Bodenschätzen

Ghana versucht heute, sich von den Monokulturen aus der Kolonialzeit zu trennen und konzentriert sich mehr auf seine einheimischen Produkte wie Sheabutter, Baumwolle und Kolanüsse. Auch die Viehzucht gewinnt an Größe, vor allem Schafe, Rinder und Ziegen werden im ganzen Land gezüchtet.

Mit seinen fruchtbaren Böden ist Ghana ein agrarwirtschaftliches Land, über die Hälfte der Bevölkerung ist hier beschäftigt. Im Küstengebiet ist auch die Fischerei ein großer Wirtschaftszweig.

Gold ist und bleibt das wichtigste Exportgut des Landes. Es macht über 30 Prozent vom gesamten Export aus. Ghana besitzt eine Vielzahl unterschiedlicher Bodenschätze, deren Reserven bisher wenig oder noch gar nicht aus dem Boden geholt werden.

Manche Experten nennen Ghana deswegen ein "geologisches Wunder": Blei, Zinn, Kupfer, Tantalit, Kolumbit, Quecksilber, Öl, Erdgas und Eisenerz liegen noch verborgen und warten auf kostspielige Investitionen.

Sklavenhandel an der Küste Westafrikas

Die Geschichte Ghanas reicht sehr weit zurück. Vor 40.000 Jahren gab es dort die ersten Siedlungen. Im Mittelalter wird von dem großen Königreich Alt-Ghana berichtet, wo die heutigen Republiken Mauretanien, Senegal und Mali liegen. Es gehörte damals zu den einflussreichsten Mächten in Westafrika.

Die ersten Europäer kamen im 15. Jahrhundert nach Ghana. Sie müssen ziemlich überrascht gewesen sein. Denn statt auf Wilde, Kannibalen und Monster, die laut grausiger Märchen südlich der Sahara wohnten, trafen sie auf das Volk der Ashanti, die keineswegs Anstalten machten, sie zu verspeisen.

Die Ashanti betrieben Handel und waren berühmt für ihr Gold, ihre Handwerkskunst und vor allem ihre Kriegskunst. Die britische Kolonialmacht brauchte später 70 Jahre und sieben Kriege, um das stolze Volk im Hinterland der Goldküste zu besiegen.

Die Portugiesen konzentrierten sich zunächst auf den friedlichen Handel mit Gold, Pfeffer und Elfenbein. Aber mit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 entstand für sie im neuen Land ein großer Bedarf an billigen Arbeitskräften für die Tabak-, Baumwoll- und Zuckerindustrie.

Ab 1505 begannen die Sklaventransporte. Ghana war mehr als drei Jahrhunderte lang der größte Sklavenumschlagplatz Afrikas. Portugiesische Kaufleute ließen Menschen entführen, auf Schiffe verfrachten und nach Nordamerika verkaufen. Bald beteiligten sich immer mehr andere Europäer am Handel mit Sklaven und Gütern.

Bis heute erinnern die Sklavenburgen entlang der Westküste Afrikas an dieses dunkle Kapitel der ghanaischen Geschichte. Hier wurden die gefangen genommenen Ghanaer unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt, bis sie als Sklaven nach Amerika verschifft wurden.

Viele Burgen sind bis heute gut erhalten, einige wurden zu politischen oder kulturellen Einrichtungen umfunktioniert. So ist die Christiansborg der Sitz der heutigen Regierung Ghanas in der Hauptstadt Accra.

Sklavenburg Elmina.

Die ehemalige Sklavenburg Elmina an der Küste Ghanas

Weg in die Unabhängigkeit

1820 erklärten die Briten Ghana unter dem Namen "Goldküste" zu ihrer Kolonie. Trotz einheimischer Widerstände waren die Ghanaer zunächst machtlos gegen die überlegene Besatzungsmacht.

Die Geschichte des unabhängigen Ghanas begann mit dem Politiker Kwame Nkrumah. Er setzte sich an die Spitze der Widerstandsbewegung, organisierte Streiks und Boykotte und war somit maßgeblich daran beteiligt, dass sich Ghana am 6. März 1957 als erstes schwarzafrikanisches Land von der Kolonialherrschaft befreite. Nkrumah wurde zum ersten Staatspräsidenten Ghanas gewählt, aber er war umstritten.

Als Premier Ghanas unterstützte er viele Befreiungsbewegungen auf dem Kontinent, ging auf Konfrontationskurs mit den Westmächten und suchte die Nähe zu Moskau. Er nahm immer stärker die Züge eines Diktators an und führte das Land mit seiner sozialistischen Politik in den Ruin.

Fallende Kakaopreise und schlecht finanzierte große Entwicklungsprojekte führten zu chaotischen wirtschaftlichen Bedingungen. 1966 wurde Nkrumahs Herrschaft durch einen Putsch beendet. Anschließend gab es einen Wechsel zwischen Militärherrschaften und demokratisch gewählten Regierungen.

Kwame Nkrumah.

Staatspräsident Kwame Nkrumah 1960

Das schwarze Gold bestimmt die Zukunft

Ghana gilt als eine der wenigen funktionierenden Demokratien in Afrika und ist damit Vorbild für den ganzen Kontinent. Politisch gilt das Land als stabil, auch die Wirtschaft ist relativ breit aufgestellt. Trotzdem gehört Ghana zu den ärmsten Ländern der Welt. Es hat wie jedes Entwicklungsland mit Schulden, wenig Kapital, fallenden Weltmarktpreisen und einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen.

Seit 2007 haben die Ghanaer aber eine neue Perspektive. Vor der Küste wurden Ölfelder entdeckt. Ein Gesetz soll garantieren, dass einheimische Unternehmen ausreichend beteiligt werden. Doch den Großteil der Lizenzrechte haben sich bisher schon ausländische Firmen gesichert. Die Zukunft des Landes wird wohl vom Erdöl abhängen oder vielmehr von denjenigen, die davon profitieren.

Ein Fischer wirft bei Sonnenaufgang seine Netze ins Meer.

Vor der Küste Ghanas wurde 2007 Öl entdeckt

Autorin: Annika Zeitler

Stand: 01.08.2017, 12:00

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