Südafrikas Nationalparks

Afrika

Südafrikas Nationalparks

In nur wenigen Ländern gibt es so viele Nationalparks wie in Südafrika. Der Schutz von Wildtieren hat im Land am Kap eine lange Tradition. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Schutzgebiete im Norden des Landes ausgewiesen. Heute gibt es 20 Nationalparks und Hunderte von kleineren, regionalen Naturreservaten in Südafrika. Mittlerweile sind die vorbildlich geführten Parks zu einer der wichtigsten Einnahmequellen des Tourismus geworden.

Unübertroffene Artenvielfalt

Südafrika besitzt eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren, von der andere Länder nur träumen können. Die Pflanzenwelt ist eine der artenreichsten der Erde. Fast ein Zehntel aller bekannten Blütenpflanzen, etwa 24.000 Arten, sind im gesamten Land zu finden. Das sind mehr, als in ganz Europa vorkommen. An der äußersten südwestlichen Spitze des Landes existiert mit der Kapflora (Capensis) sogar ein eigenes Florenreich. Florenreiche sind Gebiete mit einem selbständigem Vegetationscharakter und einer unabhängigen Entstehungsgeschichte. Capensis ist eines der sechs Florenreiche der Erde, nimmt aber nur 0,04 Prozent der Landesfläche Südafrikas ein. Die anderen fünf Florenreiche bedecken dagegen ganze Erdteile, wie zum Beispiel Australien, die Antarktis oder den amerikanischen Kontinent. Obwohl es mit Abstand das kleinste Florenreich ist, ist es dennoch das artenreichste. Nur ein Beispiel: Allein am 60 Quadratkilometer großen Tafelberg bei Kapstadt existieren 1470 verschiedene Pflanzenarten.

Nahaufnahme einer Proteablüte mit roten, stachelähnlichen Blüten.

Die Protea ist die Nationalblume Südafrikas

Auch die Tierwelt Südafrikas ist von beeindruckender Vielfalt. Etwa 250 Landsäugetierarten und 43 Arten von Meeressäugetieren können hier beobachtet werden. In den Nationalparks finden sich fast alle klassischen Großwildarten des afrikanischen Kontinents, angefangen bei Dickhäutern wie Elefanten, Nashörnern und Flusspferden über Großkatzen wie Löwen, Leoparden und Geparde bis hin zu Huftieren wie Giraffen, Zebras und Antilopen.

Doch auch der Artenreichtum der Vogelwelt, der Amphibien und Reptilien sowie der Insekten ist nahezu einzigartig. Für Naturfreunde ist Südafrika somit ein wahres Paradies. Dass die Artenvielfalt des Landes eines besonderen Schutzes bedarf, hat man in Südafrika schon früh erkannt.

Eine lange Tradition

Afrika um die Jahrhundertwende (1900): europäische Großwildjäger/Jäger nach einer erfolgreichen Löwenjagd

Um 1900 wurde alles gejagt, was sich bewegte

Die ersten Schutzgebiete für Wildtiere wurden in Südafrika bereits Ende des 19. Jahrhunderts ausgewiesen. Glühender Verfechter und treibende Kraft bei der Einrichtung dieser Gebiete war Paul Krüger (1825-1904), Präsident der von den Buren geführten Südafrikanischen Republik. Obwohl selber leidenschaftlicher Jäger, sah er den Tierbestand in seiner geliebten Region Transvaal im heutigen Norden des Landes dramatisch schwinden. Nach der Einrichtung einiger kleinerer Schutzgebiete schaffte er es, gegen den erbitterten Widerstand von Farmern, Großwildjägern und Goldminenbetreibern, ein 4600 Quadratkilometer großes Gebiet, das sogenannte "Sabie Game Reserve", unter Schutz zu stellen. Damit war 1898 der Grundstein des späteren Krüger-Parks gelegt.

Bis zur Ausweisung des Gebietes als Nationalpark verging aber noch einige Zeit. Erst 1926 segnete das Parlament den vom "Minister of Lands", Piet Grobler, vorgelegten "National Park Act" ab. Der erste Nationalpark des Landes hieß ab sofort "Kruger National Park of South Africa". In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche weitere Nationalparks gegründet, bis heute ist ihre Zahl auf 20 angewachsen. Der "National Park Act" von 1926 ist nach wie vor die gesetzliche Grundlage für alle Parks.

Vorbildlicher Schutz für Tiere und Landschaft

Die 20 Nationalparks Südafrikas verteilen sich in unterschiedlicher Größe und Vielfalt über das ganze Land. Angefangen bei dem kleinen "Agulhas National Park", der nur das Gebiet um die südlichste Spitze Afrikas umfasst, bis hin zum riesigen "Kruger National Park", der sich über ein Gebiet von der Größe Israels erstreckt. Manche von ihnen bestechen eher durch ihre landschaftliche Schönheit als durch einen besonderen Artenreichtum, wie zum Beispiel der "Augrabies Falls National Park" oder der "Richtersveld National Park". Beide liegen in den menschenleeren, abweisenden Gegenden an der Grenze zu Namibia. Andere wiederum besitzen ein riesiges Spektrum an verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, wie zum Beispiel der "Marakele National Park" nördlich von Johannesburg oder der "Addo Elephant National Park" in der Nähe von Port Elizabeth.

Von der untergehenden Sonne rot scheinende Felsen, auf die auf der anderen Seite der Mond scheint.

Mondlandschaft im "Augrabies Falls Park"

Alle Nationalparks stehen unter staatlicher Leitung. Schon früh erkannte das Land am Kap, dass die ausgesprochen artenreiche Landschaft eine besondere Schutzpolitik benötigt, um die Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Großwildjäger und Farmer hatten beispielsweise im 19. Jahrhundert das Quagga, eine Minizebra-Art vollständig ausgerottet. Anderen Wildtieren sollte nicht das gleiche Schicksal wiederfahren. Somit wurden unter anderem spezielle Reservate für bedrohte Tierarten aufgebaut, wie der 1937 zum Schutz für das seltene Bergzebra gegründete "Mountain Zebra National Park".

Nachhaltiger Tourismus

Südafrikas Nationalparks

Speziell ausgebildeter Parkranger

Heute wollen die Nationalparks dreierlei: erstens die Artenvielfalt des Landes bewahren, zweitens Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten schaffen und drittens
Erholungsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit bieten. Für die Durchsetzung dieser Ziele ist die staatliche Organisation "SANParks (South African National Parks)" zuständig. Unter ihrer Führung werden Wildtierschützer ausgebildet, Forschungs- und Beobachtungsprogramme durchgeführt sowie der Bestand von Tieren und Pflanzen regelmäßig kontrolliert. Die südafrikanischen Naturschutzbestimmungen sind international auf einem sehr hohen Niveau. Zudem liegt die gesamte touristische Infrastruktur in den Parks in der Hand von "SANParks".

Die Unterhaltung der Parks verschlingt Unsummen an Geld. Haupteinnahmequelle können für die Schutzgebiete daher nur die Touristen sein, die aus aller Welt herbeiströmen, um die einzigartige Natur zu bewundern. Einige Naturschützer sehen dies mit gemischten Gefühlen, würden die Tiere doch durch wachsende Besucherzahlen in ihrer Ruhe gestört. Diese Bedenken können jedoch leicht zerstreut werden. So sind beispielsweise im Krüger-Park von den Fahrwegen nur drei Prozent der gesamten Parkfläche einsehbar. Fußmärsche auf eigene Faust sind - allein schon zum Schutz der Besucher - strengstens untersagt. Touren im Busch sind nur unter der Führung speziell ausgebildeter Parkranger möglich. Die staatlich geführten Unterkünfte in den Parks sind limitiert, in einigen Parks gibt es gar keine Übernachtungsmöglichkeiten. Lizenzen an private Touristik-Unternehmen werden innerhalb der Parkgrenzen erst seit kurzem und nur unter trengen Auflagen vergeben.

Zu viele Tiere?

Ökologische Probleme sind in letzter Zeit weniger durch den Menschen als vielmehr durch die Tiere entstanden. Waren in vielen Parks noch vor einigen Jahrzehnten die Bestände zahlreicher Arten arg dezimiert, so gibt es heute mancherorts Probleme durch eine zu hohe Tierdichte. Im Krüger-Park leben ein paar tausend Elefanten zuviel, die durch ihre Gefräßigkeit ganze Landstriche verwüsten und somit den Lebensraum anderer Tierarten zerstören.

Südafrikas Nationalparks

Elefanten brauchen viel Futter

Früher hat man in so einem Fall die überschüssigen Tiere einfach abgeschossen. Auf internationalen Druck verschiedener Naturschutzorganisationen hat Südafrika dieses Verfahren aber seit der politischen Wende 1994 ausgesetzt. Eine Maßnahme für die Reduzierung der Artendichte kann die Einrichtung grenzüberschreitender Parks, sogenannter "Transfrontier Parks" sein. Den Wildtieren wird dadurch ein breiterer Lebensraum zur natürlichen Entfaltung geboten. Drei solcher Projekte sind mit dem "|Ai-|Ais/Richtersveld Transfrontier Park" (Südafrika und Namibia), dem "Kgalagadi Transfrontier Park" (Südafrika und Botswana) und dem "Great Limpopo Transfrontier Park" (Südafrika, Simbabwe und Mosambik) bereits in die Tat umgesetzt worden. Diese riesigen Parks können ein Vorbild sein für die zukünftige Entwicklung von Naturschutzgebieten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Sie bieten nicht nur ausreichend Schutz und Lebensraum für bedrohte Arten, sondern auch die Chance für viele ärmere Länder, einen nachhaltigen und doch einträglichen Tourismus zu entwickeln.

Autor: Tobias Aufmkolk

Stand: 15.04.2016, 11:00

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