Geishas

Zwei traditionell gekleidete und geschminkte Geishas halten auf einem Markt einen Pflanzenkorb

Asien

Geishas

Geishas gehören zu Japan wie Kirschblüten, Kois und Kimonos. Mit weiß geschminkten Gesichtern und prächtigen Gewändern regen sie die Fantasie der Menschen an. Doch auch wenn das im Westen oft so verstanden wird, Geishas sind keine Prostituierten.

Beruf mit Tradition

Den Beruf der Geisha gibt es seit Mitte des 18. Jahrhunderts. Damals arbeiteten die Frauen in den Teehäusern der Rotlichtbezirke vieler japanischer Städte. Ihre Aufgabe war es, die männlichen Gäste mit kurzweiligen Gesprächen, Liedern oder kleinen Kunststücken zu unterhalten. Davon leitet sich auch der Begriff Geisha ab, was so viel heißt wie "eine Person, die in der Kunst bewandert ist".

Für die Prostitution waren streng genommen die Kurtisanen zuständig, aber es kam zunächst auch oft vor, dass die Geishas den Gästen ihren Körper gegen Geld anboten. Ihr Ansehen in der japanischen Gesellschaft war zu jener Zeit dementsprechend gering.

Porträt einer Geisha, die traditionell geschminkt ist

Schminken nach festen Regeln

Um dieses zwielichtige Berufsfeld besser in den behördlichen Griff zu bekommen, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts eine offizielle Trennung zwischen den einfachen Dirnen und den höher gestellten Unterhaltungsdamen, den Geishas, vorgenommen. Diese verdienten zwar neben ihrer Hauptbeschäftigung als Gesellschaftsdamen immer noch auch mit käuflicher Liebe ihr Geld, konnten sich ihre Freier jedoch aussuchen. Dieses Recht stand den einfachen Prostituierten nicht zu.

Geishas waren mit dieser Statusänderung salonfähig geworden und genossen bei Prominenz und Politik hohes Ansehen. Zwischen 1868 und 1912 wurden zwölf Ehen zwischen hochrangigen Politikern und ehemaligen Geishas geschlossen. Bis heute genießen die Geishas in Japan eine sozial hohe Anerkennung und gehören zur Tradition und Kultur des Landes.

Strenge Erziehung, harte Ausbildung

Um eine richtige Geisha zu werden, müssen die jungen japanischen Frauen, die sich für diesen traditionsreichen Beruf entschieden haben, eine lange und harte Lehrzeit überstehen, die schon im Alter von 12 bis 13 Jahren beginnt. In der Zeit der Ausbildung werden die angehenden Geishas "Maiko" (Tanzmädchen) genannt. Um ihre späteren vielseitigen Aufgaben als Unterhaltungsdamen bewältigen zu können, ist der Lehrplan sehr umfangreich.

Die angehenden Geishas werden in der Kunst der Gesprächsführung geschult und mit der Kultur, der Geschichte, den Sitten sowie den Gebräuchen ihrer Heimat vertraut gemacht. Außerdem erlernen sie klassische traditionelle Tänze und Lieder sowie, die Shamisen zu spielen, ein der Laute ähnliches Saiteninstrument. Die Maikos werden aber natürlich auch in die Kunst eingeführt, den Kimono zu binden, ihre Gesichter in der richtigen Art und Weise zu schminken und ihre Haare zu kunstvollen Frisuren zu stecken.

Geishas zwischen gestern und heute

Das Leben und Arbeiten einer Geisha folgt wie vor über hundert Jahren immer noch ganz strengen Gesetzen und Riten. So wohnen sie in speziellen Geisha-Häusern, die wiederum in eigenen Stadtteilen liegen, den sogenannten Blumenvierteln (Hana-Machi). In diesen Bezirken haben sich natürlich auch bestimmte Berufsgruppen wie Kimonoschneider oder Tanz- und Musiklehrer niedergelassen. Es gibt dort viele Spezialgeschäfte, die besondere Artikel für Maikos und Geishas anbieten, zum Beispiel Schuhe, Haarschmuck, Fächer oder Regenschirme aus Ölpapier.

Eine Gruppe Geishas in farbigen Gewändern, den sogenannten Kimonos, aud den Straßen Tokyos

Geishas sind japanische Tradition

Die meisten Blumenviertel gibt es noch in der alten Kaiserstadt Kyoto. Unter den fünf Geisha-Vierteln Kyotos befindet sich auch das wohl bekannteste und renommierteste: Gion. In Gion nennen sich die Geishas "Geikos", was so viel heißt wie "Frauen der Kunst". Gemeinsam mit den Maikos führen sie in jedem Frühling im Theater von Gion ihre Kirschblütentänze auf, die zu einem ganz besonderen Kulturereignis geworden sind.

Wünscht ein Kunde die Gesellschaft einer Geisha, wendet er sich an eine offizielle Geisha-Vermittlung, bei denen die japanischen Unterhaltungsdamen registriert sind. Die Geishas von heute arbeiten in den traditionellen Teehäusern und werden von wohlhabenden Kunden für Geschäftsbankette und ausgefallene Partys engagiert. Bezahlt werden sie nach einem festgelegten Stundentarif. Ihren Lohn nennt man sehr poetisch Blumengeld (Hanadai). Darüber hinaus ist es aber auch üblich, die Geishas für ihre Dienste mit einem stattlichen Trinkgeld zu belohnen.

Ende einer langen Tradition?

Der Beruf der Geisha hat heute mit großen Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch über 70.000 offiziell registrierte Geishas, so sind es gegenwärtig nur noch einige hundert. Die wenigen Geishas, die es heutzutage noch im Land der aufgehenden Sonne gibt, leben wie in einer anderen, längst vergangenen Zeit und Welt. Immer weniger junge Japanerinnen möchten sich der langwierigen und schwierigen Lehrzeit einer Maiko unterziehen.

Porträt einer Geisha in rotem Kimono. Sie trägt einen roten Schirm.

Die Tradition befindet sich im Umbruch

Ein anderer Grund für diesen Rückgang ist auch in den allgemein verbesserten Ausbildungsstandards und Berufschancen für Frauen in Japan zu sehen. War der Beruf der Geisha früher für viele Frauen die Möglichkeit, einen besonderen sozialen Status zu erreichen, so machen die jungen Japanerinnen von heute lieber in der Industrie, Bankwirtschaft oder im Handel Karriere.

Wegen des akuten Nachwuchsmangels ist man sogar schon im ältesten Geisha-Bezirk von Kyoto, in Kamishichiken, dazu übergegangen, neue Geishas über das Internet und Annoncen anzuwerben.

Die lange und gründliche Ausbildung wird bei dieser neuen Methode allerdings vernachlässigt und so arbeiten heutzutage immer mehr Frauen als Geisha, ohne eine Ausbildung im klassischen Sinne genossen zu haben. Der Anfang vom Ende einer langen japanischen Tradition hat damit begonnen.

Autor: Alfried Schmitz

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Stand: 22.08.2017, 13:00

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