Indien

Große Menschenmasse tragen bunte Gewänder

Asien

Indien

Wolkenkratzer und Slums, Hightech und Hunger, wirtschaftlicher Aufschwung und bittere Armut – all das ist Indien. Das Land, das vor wenigen Jahren für einen starken Wirtschaftsboom stand, macht heute vor allem mit sozialen Problemen auf sich aufmerksam.

Armut in der "größten Demokratie der Welt"

Indien ist nach China das bevölkerungsreichste Land der Erde: Mehr als 1,2 Milliarden Menschen leben hier. Unter den Schwellenländern gilt Indien als wirtschaftlicher Hoffnungsträger: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs in den vergangenen Jahren durchschnittlich um fünf Prozent. So ist der Subkontinent nach China und Japan der wichtigste Wirtschaftsraum in Asien.

Menschen umgeben von Schmutz und Tieren

Viele leben ihren Alltag in Armut

Trotz dieser wirtschaftlichen Erfolge gibt es kein anderes Land auf der Erde, in dem so viele Menschen in Armut leben: 80 Prozent der Inder müssen mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen. Jeder vierte Inder hat sogar weniger als einen US-Dollar am Tag zur Verfügung.

Faszinierende Vielfalt

Indien besitzt eine Vielfalt an Kulturen, Religionen, Sprachen und Naturräumen. Der mit knapp 3,3 Millionen Quadratkilometern siebtgrößte Staat der Erde umfasst Wüstengebiete, weite, fruchtbare Landschaften und das höchste Gebirge der Erde: den Himalaja. Das größte Land Südasiens zählt 28 Bundesstaaten und sieben Unionsterritorien, deren Bewohner unter sehr unterschiedlichen Gegebenheiten leben.

In der Verfassung sind 18 Sprachen anerkannt, dazu gehören Hindi, Bengali, Teluga und Tamil. Doch die Zahl der gesprochenen Sprachen und Dialekte ist noch viel größer. Auch soziale und gesellschaftliche Normen unterscheiden sich stark – von Region zu Region und zwischen Stadt und Land.

In eine soziale Gruppe geboren

Als "größte Demokratie der Welt" wird Indien oft bezeichnet. Wegen der Missachtung grundlegender Menschenrechte steht dieses Etikett in der Kritik. Die demokratische Ordnung in Indien wurde dennoch nie grundsätzlich infrage gestellt. Menschenrechtsorganisationen weisen aber auf gesellschaftliche Probleme hin, die sich aus Traditionen ergeben und demokratischen Prinzipien widersprechen.

Ein Beispiel ist die Einordnung der Menschen in soziale Gruppen, die sogenannten Jatis. Das Wort stammt vom Begriff "jan" für "geboren werden". In eine solche Jati werden Menschen hineingeboren, diese Gruppe zu verlassen, ist nicht möglich. Es gibt Hunderte solcher Jatis. Sie sind die sozialen und familiären Untergruppen des Kastensystems.

Indien auf dem Weltmarkt

In den innovativen Branchen wie Informations- oder Biotechnologie gehört Indien zu den führenden Staaten der Welt. Eine gut ausgebildete Elite hat den sozialen Aufstieg geschafft. Doch neben den Gewinnern der Globalisierung steht auch eine wachsende Zahl von Verlierern.

Das Gefälle zwischen den sozialen Schichten ist groß: Während in den Städten eine Elite vom Wirtschaftswachstum profitiert und es nirgends auf der Welt so viele Millionäre und Milliardäre gibt, kämpfen im Zentrum des Landes viele Bauern ums nackte Überleben.

Selbstmorde unter Baumwollbauern

Baumwollbauern verarbeiten Baumwolle

Harte Zeiten für Baumwollbauern

Besonders tragisch ist das Schicksal indischer Baumwollbauern. Steigende Preise für gentechnisch verändertes Saatgut oder Düngemittel und fallende Preise für Baumwolle auf dem Weltmarkt haben dazu geführt, dass sich viele von ihnen stark verschuldeten.

Aus Verzweiflung darüber begingen in den vergangenen Jahren geschätzte 200.000 bis 250.000 Baumwollbauern Selbstmord. Das Baumwollanbaugebiet von Vanjari in Zentralindien wird bereits der "Selbstmordgürtel" genannt.

Wolkenkratzer neben Slums

In den Städten Indiens entwickelt sich eine immer größer werdende Mittelschicht mit einem guten Auskommen. Gleichzeitig wächst das soziale Gefälle.

Wolkenkratzer in Indien neben Slum

Armut steht oft direkt neben Wohlstand

Neben den Wolkenkratzern der Großkonzerne wuchern die überbevölkerten Slums, die Armut und das Elend der Menschen wachsen. Die hygienischen und sozialen Bedingungen in indischen Slums – vor allem in Kalkutta – gelten als die schlechtesten der Welt.

Autorin: Ana Rios

Weiterführende Infos

Stand: 25.07.2016, 09:20

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