Korea – geteiltes Land

Auf einem Steinsockel sitzt die circa zehn Meter hohe Bronzestatue des Koreanischen Königs in einem Thron.

Asien

Korea – geteiltes Land

Sowohl Süd- als auch Nordkorea sind durch ihre Geschichte und politischen Situation geprägt. Jegliche Versuche, die beiden Teile zu versöhnen, blieben wirkungslos. Trotzdem gibt es zahlreiche Szenarien von einer friedlichen Wiedervereinigung Koreas.

Dunkle Vergangenheit

Nach der Legende errichtete der Halbgott Dangun vor über 4000 Jahren das erste Reich der Koreaner: das Land der Morgenstille. Urvater Dangun steht für das Gefühl, dass alle Koreaner zu einer großen und besonderen Familie gehören. Bis 1392 prägten jedoch die wechselhafte Geschichte und die Verbreitung des Buddhismus die Region.

Unter König Sejong dem Großen (1418–1450) wurde das koreanische Alphabet geschaffen. Ab 1592 tobte ein jahrelanger Abwehrkrieg (Imjin-Krieg) gegen den japanischen Feldherren Hideyoshi, der das Land zerrüttete.

Ab dem 17. Jahrhundert war Korea dann ein rückständiger autoritärer Stände- und Kastenstaat, der kaum Technologien importierte und nur geringen Handel mit West und Ost betrieb.

Die räumliche Nähe zu Mongolen, Chinesen, Japanern, später zu Russland und den USA, machten Korea besonders im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert immer wieder zum Objekt und Schauplatz der Rivalitäten der benachbarten Großmächte.

Ab 1910 geriet Korea als Kolonialprovinz Chosen unter die Vorherrschaft der japanischen Kaiser. Der letzte Kaiser Sunjong wurde zum Machtverzicht gedrängt und Korea existierte zunächst als Staat nicht mehr.

Unabhängigkeit und Krieg

Die Rückkehr Koreas als souveräner Staat stand nicht auf der Prioritätenliste der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Ende des Pazifikkrieges und der Kapitulation Japans wurde Korea am 15. August 1945 an den Grenzen der japanischen Provinz Chosen unabhängig.

Gemäß den Vereinbarungen von Jalta blieb Korea bis 1948 im Norden von Truppen der Sowjetunion und im Süden von US-Truppen besetzt. Die beiden Siegermächte Sowjetunion und USA teilten das Land eher willkürlich entlang des 38. Breitengrades unter sich auf.

Im August und September 1948 wurden getrennt voneinander die Republik Südkorea und die kommunistische Volksrepublik Nordkorea gegründet. Dabei verfügte der rohstoffreiche Norden über fast 90 Prozent der Industrie- und Energieproduktion, während die Leichtindustrie und die Lebensmittelproduktion ihren Schwerpunkt im Süden hatten.

Luftbild von Zügen auf zwei Bahngleisen, die nach einem Bombenangriff in Flammen aufgehen.

US-Truppen bombardieren Züge in Nordkorea

Doch Korea geriet schnell in den Strudel des Kalten Krieges: Am 25. Juni 1950 begann der Koreakrieg mit einem Angriff nordkoreanischer Truppen und chinesischer Verbände auf den Süden. Ziel war es, die Vereinigung des Landes gewaltsam zu erzwingen. Auf südlicher Seite beteiligten sich westliche Staaten, allen voran die USA.

Nach der fast völligen Zerstörung des Landes wurde 1953 in Panmunjeom ein Waffenstillstand geschlossen, der bis heute gilt und seither die Teilung des Landes zementiert. Während sich im Norden ein sozialistisches System etablierte, entwickelte sich im Süden nach einer diktatorischen Militärregierung ein demokratischer Staat nach westlichem Vorbild. Aber immer wieder kommt es zu blutigen Grenzgefechten entlang der entmilitarisierten Zone (DMZ).

Wiedervereinigung

Auf einem Parkplatz steht ein Denkmal. Rot lackierter Stahl, eine Kugel von drei Metern Durchmesser. Die Kugel ist in zwei Hälften geteilt und daran lehnen jeweils drei Skulpturen – Mann, Frau, Kind. Sie versuchen, die zwei Hälften wieder zu vereinen.

Die Kugel ist geteilt wie das Land

Nominell befinden sich Nord- und Südkorea noch immer im Krieg. Der Waffenstillstand von 1953 hat nur die Kampfhandlungen des Koreakrieges beendet. Es gibt keinen Friedensvertrag. Zudem gibt es weder Postaustausch noch Verkehrsverbindungen oder Informationsaustausch zwischen dem Norden und dem Süden.

Immer wieder hat es Versuche gegeben, auf höchster politischer Ebene mit der jeweils anderen Seite ins Gespräch zu kommen. Die vom südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung betriebene sogenannte Sonnenscheinpolitik, "Sunshine Policy" (1998–2006) sollte zu mehr Kontakten mit Nordkorea führen. Unter anderem wurden zwei Eisenbahnstrecken wieder hergestellt, die im Zuge des Krieges gekappt worden waren, sowie ein gemeinsames Industriegebiet in der Grenzstadt Kaesŏng initiiert.

Ein Treffen Kim Dae Jungs mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il 2000 in Pjöngjang erbrachte aber kaum Anzeichen einer Aussöhnung oder Annäherung. Während der Nachfolger Kim Dae Jungs, Roh Moo Hyun (2003–2008), die Annäherungspolitik zwischen Nord- und Südkorea fortsetze, kühlte sich nach ihm das Verhältnis unter dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak (2008–2013) zunehmend ab.

Für Nordkorea ist dennoch die Wiedervereinigung Koreas ein erklärtes Ziel – unter ihrer Flagge. Der Weg dorthin unklar. Die Kim-Dynastie regiert Nordkorea, weitgehend isoliert von der Welt, seit 1948, beginnend mit dem Staatsgründer Kim Il Sung (1912–1994). Mit wiederkehrenden Hungerkatastrophen, zahllosen politischen Gefangenen in Arbeitslagern und einer riesigen Armee, auf deren Bedürfnisse die gesamte Volkswirtschaft abgestellt ist, gilt Nordkorea als eines der ärmsten und rückständigsten Länder der Welt.

Zahllose Szenarien existieren, wie eine friedliche Wiedervereinigung beider Landesteile realisiert werden könnten. Wirtschaftlich setzen vor allem südkoreanische strategische Planer auf einen konföderierten Anschluss Nordkoreas ans Wirtschaftssystem Südkoreas. Die Kosten dieser Form der Wiedervereinigung werden auf 5000 Milliarden US Dollar für die ersten 30 Jahre berechnet.

Autor: Michael Hänel

Stand: 27.07.2016, 09:29

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