Südkoreas Wirtschaft: das Wunder von Han Fluss

Mehrere hohe Kräne auf einer Schiffswerft. Darunter ein in Bau befindlicher riesiger Schiffsrumpf.

Korea

Südkoreas Wirtschaft: das Wunder von Han Fluss

Es gibt Stimmen, die halten den Aufstieg Südkoreas für das einzige gelungene planwirtschaftliche Experiment der Welt. Tatsächlich stieg die Wirtschaftsleistung seit 1960 um das 150-fache. Exporte von Billigwaren gaben Südkorea die Mittel zum Aufbau seiner heutigen Hightech-Industrie.   

Nicht genug für alle

Die wiederholten Eroberungszüge mandschurischer, chinesischer und japanischer Heere trugen entscheidend dazu bei, dass das Südkorea in seiner wirtschaftlichen Entwicklung immer wieder zurückgeworfen wurde. Die feudalen Strukturen auf dem Land verhinderten, trotz einiger Fortschritte bei Bewässerung und Reisaussaat, die Lösung der Krise der landwirtschaftlichen Produktion.

Waren 1960 noch 50 Prozent der Erwerbstätigen mit der Produktion und Veredelung von Reis beschäftigt, waren es 2010 nur noch drei Prozent.  Die Reformen der Landwirtschaft der 1970er und 1980er Jahre sowie die Mechanisierung der Produktion erbrachten zunehmenden Wohlstand auch bei den Bauern. Überwiegend werden Flächen kleiner als drei Hektar von Familienbetrieben bewirtschaftet. 

Reis bildet noch immer einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung in Südkorea. Verbrauch Kilogramm pro Person 2011: 70 Kilogramm (1970: 130 Kilogramm, Deutschland 2011: vier Kilogramm). Bibimbab (gemischter Reis) ist ein weit verbreitetes Gericht aus Reis, Gemüse, manchmal Rindfleisch und scharfen Gewürzen.

Die treibende Kraft: ParkChung  Hee

"Modernisierer", "Kopf der Industrialisierung", "Chef der Militärdiktatur" –  all diese Bezeichnungen treffen auf ihn zu: General Park Chung  Hee (1917–1979), der sich im Mai 1961 in Südkorea an die Macht geputscht hatte. Zunächst setzte er eine strikt anti-kommunistische Politik durch. Die politische Opposition und alle politischen Parteien wurden verboten.

Im Museum stehen mehrere Modelle des Hyundai Pony in einer Reihe, davor sind Tafeln mit den dazugehörigen Daten zu erkennen.

Der Hyundai Pony machte die Welt erstmals auf "Made in Korea" aufmerksam

Dann erbrachte dieser Machtwechsel eine völlige Konzentration auf den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes und die Ausrichtung der Produktion auf den Export. Das Bankenwesen wurde verstaatlicht und war neben dem Inlandsgeheimdienst KCIA das entscheidende Machtinstrument der Militärregierungen.

Bürgerliche Freiheiten mussten von den Arbeitern, Studenten und Gewerkschaftern in jahrzehntelangen Aufständen blutig erkämpft werden. So forderte der Aufstand von Gwangju (Mai 1980) gegen die Nachfolger Parks mehrere Tausend Opfer. Mit einer Verfassungsänderung und der Wahl eines frei gewählten Präsidenten wurde Südkorea erst 1987 wieder eine parlamentarische Demokratie.

Doch die rasante Industrialisierung hatte auch ihren Preis. Noch bis zur Mitte der 1990er Jahre waren ökologische Müll- und Abwasserentsorgung weitgehend unbekannt, die Luftverschmutzung und die Belastung der Flüsse mit Giften aller Art erreichte extrem gesundheitsgefährdende Werte. Umweltschützer sprachen seinerzeit davon, der koreanische Aufschwung habe einen "Kriegsschauplatz der Industriegeschichte"hinterlassen.

Exporte, Exporte, Exporte

Eine große Schiffsschraube schaut am Heck eines Schiffes zur Hälfte aus dem Wasser.

Auch die Schiffsindustrie boomt in Südkorea

Mit dem Militärputsch (1961) hatte die Wirtschaftsplanung eine dominante Bedeutung erlangt. Zahlreiche Investitionsanreize wurden für die Exportwirtschaft geschaffen. Exporte 1970: 835 Millionen US-Dollar; Exporte 2010: 466 Milliarden US-Dollar.

Bereits vor 1961 wurden meist von Familien geleitete Mischkonzerne gegründet (Chaebol): Samsung, Goldstar (LG), Daewoo (bis 1999), Ssangyong, Hyundai, SK. In den 1960er und 1970er Jahren wuchsen diese Unternehmen zur bestimmenden Kraft der südkoreanischen Wirtschaft heran und sind heute zumeist global agierende Firmen.

Bestimmten zunächst Textilien, preiswerte Radios und Fernseher (Lucky Goldstar) in den 1980er Jahren die Exporte Südkoreas, wurden diese nach 2000 von hochwertigen Elektronikgütern wie Videorekordern und von Autos abgelöst.

Die Firma Samsung, eines der größten Unternehmen der Welt, stellt von Solarzellen, Fernsehern, Waschmaschinen bis hin zu Autos und Schiffen fast alles her. Der Unternehmensteil Samsung Electronics bemüht sich seit 2000 um eine dominierende Stellung bei Smartphones, LCD- und OLED-Displays, aber auch bei elektronischen Bauteilen auf dem Weltmarkt.

Autor: Michael Hänel

Stand: 27.07.2016, 09:30

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