Buddhismus in Tibet

Kloster über einer tibetischen Hochebene.

Tibet

Buddhismus in Tibet

Im 7. Jahrhundert heiratete der tibetische König Songsten Gampo eine chinesische und eine nepalesische Prinzessin. Die Prinzessinnen brachten wichtige kulturelle Einflüsse nach Tibet, vor allem aber waren sie Buddhistinnen. Songsten Gampo griff diese Einflüsse auf, erkor Lhasa zur Hauptstadt Tibets, baute den königlichen Palast an der Stelle des heutigen Potala-Palastes und führte die Schrift in Tibet ein. Bald erklärte er den Buddhismus zur Staatsreligion und holte buddhistische Missionare ins Land. Dies war der Grundstein für die buddhistische Tradition in Tibet.

Die Erstarkung des Priestertums

Seitliche Aufnahme des Kopfes einer goldenen Buddhastatue.

Die Mongolen waren tief beeindruckt von Buddha

Anfang des 13. Jahrhunderts bildete sich eine neue, bis dato unbekannte Großmacht in Zentralasien. Unter Dschinghis Khan formierte sich die Mongolei zu einem gewaltigen, ausufernden Reich. In den Jahren 1206/1207 drangen die gefürchteten Mongolen bis vor die Tore Tibets vor. Um von den furchterregenden Angreifern nicht zerrieben zu werden, ergaben sich die tibetischen Landesfürsten kampflos der Übermacht. Tibet wurde daraufhin ins mongolische Reich eingegliedert.

Nach der Unterwerfung Tibets eroberten die Mongolen China. Mitte des 13. Jahrhunderts bestieg der Enkel Dschinghis Khans, Kublai Khan (1215-1294), den mongolisch-chinesischen Kaiserthron. Als tibetische Geistliche versuchten, auf den mongolischen Herrscher Einfluss zu nehmen, begann eine enge Verzahnung zwischen Tibet und den mongolischen Dynastien, die Jahrhunderte währen sollte.

Tief beeindruckt von der buddhistischen Lehre, die ihnen der tibetische Mönch Phagpa (1235-1280) vermittelte, nahmen die Mongolen den buddhistischen Glauben an. Der mongolische Khan erkannte den tibetischen Mönch als geistlichen Führer an und verlieh ihm die Titel "Lehrer des Reiches" und "Herrscher über ganz Tibet". Zudem räumte er ihm umfassende weltliche Privilegien über das tibetische Reich ein.

Im Gegenzug legitimierte Phagpa den sakralen Anspruchs des Khans, buddhistisch-universaler Kaiser über die asiatische Welt zu sein und akzeptierte die mongolische Oberhoheit über Tibet. Durch die nun beginnende Priester-Patron-Beziehung zwischen Tibet und den mongolischen Khanen wurde das tibetische Priesterkönigtum begründet.

Die Gelugpa-Schule und der Dalai Lama

Blick auf die karge tibete Gebirgslandschaft. Auf einem Felssporn in der Mitte des Bildes liegt ein Kloster.

Selbst in den entlegenen Gebieten liegen Klöster

Der tibetische Buddhismus lässt sich in vier lamaistische Schulen unterteilen: die Nyingmapa, die Sakyapa, die Kagyüpa und die Gelugpa. Die ersten drei Schulen werden allgemein auch als Rotmützen-Schulen bezeichnet, während die mächtige, reformierte Gelugpa-Schule aufgrund ihrer gelben Kopfbedeckung als Gelbmützen-Schule in die Geschichte eingegangen ist.

Im Jahr 1578 reiste Sonam Gyatso (1543-1588), der damalige Führer der Gelugpa-Schule, zum mächtigen Mongolenfürsten Altan Khan (1507-1582). Bei diesem Besuch verlieh ihm der Khan den Titel des "Dalai Lama" (Ozean des Wissens).

In enger Zusammenarbeit mit dem mongolischen Fürsten Gushri Kahn (1607-1656), gelang es schließlich dem fünften Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatso (1617-1682), im 17. Jahrhundert ganz Tibet unter der Führung der Gelugpa-Schule zu vereinen. Doch Tibet sah unruhigen Zeiten entgegen.

Zerfall unter den Mandschu

Ein alter Mönch meditiert im Inneren eines tibetischen Kloster.

Der Buddhismus hielt sich trotz wechselnder Herrscher

Im frühen 18. Jahrhundert wurden die Mongolen von einer neuen Macht in Ost- und Zentralasien abgelöst, dem Großreich der chinesischen Mandschu. Auch die Mandschu fühlten sich dem tibetischen Buddhismus verpflichtet. Der siebte Dalai Lama Kelsang Gyatso (1708-1757) unterstellte Tibet dem politischen Schutz der Mandschu. Eine Praxis, die vor ihm die tibetischen Führer jahrhundertelang mit den mongolischen Khans erprobt hatten.

Doch bald geriet die Einheit Tibets durch innenpolitische Auseinandersetzungen zwischen Adelsgeschlechtern, Provinzfürsten und verfeindeten Klöstern in Gefahr. Die Mandschu mussten immer wieder eingreifen, der Autonomiestatus Tibets kehrte sich mehr und mehr in ein Protektorat einer fremden Macht. Erst der 13. Dalai Lama Thubten Gyatso (1876-1933) führte Tibet durch eine kluge und machtbewusste Politik langsam in die Eigenständigkeit zurück.

Als im Jahr 1912 das mandschurische Reich zerfiel, erklärte der 13. Dalai Lama ein Jahr später Tibet für unabhängig. Von 1913 bis 1933 versuchte er hartnäckig, das feudale System Tibets zu reformieren. Bemühungen, die meist am hartnäckigen Widerstand des alteingesessenen Adels, der um seine Privilegien fürchtete, scheiterten.

Das kommunistische China besetzt Tibet

Zahlreiche Mönche in roten Gewändern im Innehof eines Kloster beim Debattieren.

Die Klöster sind geistige und politische Zentren

Als sich die geopolitische Lage nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend änderte und 1949 der chinesische Bürgerkrieg mit dem Sieg der Kommunisten endete, waren die Weichen für die Entmachtung Tibets gestellt. Im Jahr 1950 besetzten chinesische Truppen unter Mao Zedong das Land.

Neun Jahre später musste der gerade inthronisierte 14. Dalai Lama unter Lebensgefahr sein Land verlassen. Die Okkupation Tibets durch die chinesischen Machthaber und das Exil des 14. Dalai Lama, dem weltlichen und religiösen Oberhauptes Tibets, dauern bis zum heutigen Tage an.

Gelebter Buddhismus

Viele Mönche verschiedenen Alters in roten Gewändern schauen in die Kamera.

An Nachwuchs mangelt es nicht

Alle Versuche der chinesischen Machthaber, den Buddhismus in Tibet zu unterbinden, scheiterten. Trotz der Zerstörung von Klöstern und der Verfolgung von Mönchen blieb die buddhistische Tradition des Landes bestehen. Nach wie vor ist die Religion der wichtigste Eckpfeiler der tibetischen Gesellschaft.

Die buddhistischen Gemeinden Tibets werden durch Mönchsorden gebildet, zu denen auch Laien Zugang haben. Nach buddhistischer Anschauung erlangt allein der gläubige buddhistische Mönch Zutritt zum Nirwana, die höchste Stufe der Erleuchtung.

Da im Buddhismus anders als in den monotheistischen Weltreligionen kein Gott angebetet wird, gibt es in tibetischen Klöstern keine Gottesdienste, sondern Versammlungen der Mönche, in denen gemeinsam meditiert und die Lebensführung einzelner Mönche geprüft wird.

Die Klosterregel ist streng. Es bestehen genaue Vorschriften über Gewänder, Klosterzellen, Klosternahrung, Lehrinhalte und Meditation. Die buddhistische Lehre kennt fünf strenge Gebote, die das Grundverhalten mönchischen Lebens definieren: Verboten sind töten, stehlen, lügen. Geboten sind sexuelle Enthaltsamkeit und Abstinenz.

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Weiterführende Infos

Stand: 06.06.2016, 10:19

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