Bairisch – Vom Aussterben bedrohter Dialekt?

Eine Schülerin streicht das Wort Tschüss auf einer Tafel durch, darunter steht stattdessen Grüß Gott

Bayerische Traditionen

Bairisch – Vom Aussterben bedrohter Dialekt?

  • In Bayern gibt es mehr als 60 Dialekte
  • Sprachwissenschaftler beschäftigen sich schon lange mit den regionalen Unterschieden
  • Es gibt viele Projekte, die sich für die Pflege der bairischen Mundart einsetzen

Mehr als zwölf Millionen Menschen leben in Bayern, rund die Hälfte von ihnen sprechen bairisch. Damit ist Bayern im deutschen Sprachraum das größte zusammenhängende Dialektgebiet. Lange Zeit stand es im Freistaat - wie in anderen Regionen - schlecht um die Mundarten. Das weit verbreitete Vorurteil, dass Dialekt sich für seine Sprecher als Nachteil erweise, zeigte auch hier seine Wirkung. Seit Politiker, Medien und Schulen mit einer wahren Dialekt-Offensive für Erhalt und Pflege des "Dialekts in Bayern" kämpfen, geht es wieder aufwärts mit dem "Bairischen".

"Griaß di god": Mundarten im Freistaat Bayern

Drei Alphornbläser laufen im Allgäu eine Wiese hinunter

Bayern, Franken oder Schwaben?

Nicht nur für "Zoagroaste" – also aus anderen Bundesländern Zugereiste – auch für Bayern selbst ist es mitunter nicht leicht, einander zu verstehen. Denn Bayern ist in drei Sprachräume gegliedert: Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch. Und auch "das Fränkische" gibt es nicht: Die bairische Sprache ist vielfältiger. Insgesamt gibt es mehr als 60 sogenannte Dialektlandschaften.

Die Gründe dafür liegen über 1000 Jahre zurück. Als Franken, Alemannen und Bayern zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert aus dem Norden Europas das Gebiet des heutigen Bayerns besiedelten, sprachen sie noch "eine" Sprache. Später wurden die Volksstämme sesshaft und bildeten spezifische Dialekte und regionale Bräuche heraus.

In vielen Fällen wird die Dialektlandschaft durch natürliche Gegebenheiten wie Flüsse oder Berge geprägt. So bildet beispielsweise der Lech eine klare Sprachgrenze. Links vom Fluss wird schwäbisch, rechts bairisch gesprochen.

Die regionalen Unterschiede sind gewaltig und beschäftigen seit einigen Jahren auch verstärkt die Sprachwissenschaftler. Denn warum der Schwabe mit "Ananas" eine Erdbeere bezeichnet oder dass der "Achtamada" im altbayerischen den Dienstag (den achten Tag nach Montag) meint, ist für einen Außenstehenden nicht unbedingt ersichtlich. Na denn: "Adela!" (Fränkisch für: Auf Wiedersehen)

"Poppes", "Fiidle" und "Oasch"

Die abgebildete Karte zeigt, in welchen Regionen welches Wort für das Hinterteil verwendet wird.

"Poppes", "Fiidle" und "Oasch"

Inzwischen gibt es viele Projekte, um die bairischen Mundarten zu fördern und zu pflegen. Gestützt werden sie durch aktuelle Erkenntnisse aus der Hirnforschung, nach denen Kinder, die mit Dialekt aufwachsen, eine größere Sprachkompetenz entwickeln.

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus legte eine Handreichung zum "Dialekt in Bayern" vor, die an alle bayerischen Schulen verschickt wurde. Der Bayerische Rundfunk startete eine zehnteilige Fernsehserie zum Thema.

Um die Menschen für die Mundart zu erwärmen, geht man auch ungewöhnliche Wege. Der bayerische Sprachatlas belegt die sprachliche Vielfalt in Bayern beispielsweise mit der Verbreitung verschiedener Varianten für das Wort "Arsch": Vor allem Schüler lassen sich für das mundartliche Fluchen viel leichter begeistern als für trockene Dialektforschung.

Den Sprachwissenschaftlern zufolge gibt es feine regionale Unterschiede in der Verbreitung und Verwendung von "Osch", "Oasch" und "Oorsch". Als charmanter gilt ohnehin der fränkische Ausdruck "Poppes" oder das schwäbische "Fiidle".

Autorin: Annette Holtmeyer

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Stand: 11.05.2017, 16:00

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