Weihnachtsbräuche

Weihnachtsbaum mit Geschenken im Wohnzimmer

Brauchtum

Weihnachtsbräuche

Ein Weihnachtsbaum, das Jesuskind in der Krippe, Geschenke und Leckereien – das alles gehört zum traditionellen Weihnachtsfest. Doch so alt und ehrwürdig, wie wir glauben, sind unsere Bräuche nicht. Viele wurden erst vor relativ kurzer Zeit erfunden.

Wintersonnenwende und die Geburt des Lichts

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember war schon lange vor Christi Geburt ein wichtiges Datum: Es ist die längste Nacht des Jahres. Danach geht es wieder bergauf – die Tage werden wieder länger, die Nächte kürzer.

In vielen europäischen Kulturen wurde der Mittwinter festlich begangen: zum Beispiel im Römischen Reich mit den Saturnalien – einem Fest zu Ehren des Gottes Saturn – und in Skandinavien beim Julfest.

Die kraftvolle Symbolik des Datums – die Geburt des Lichts mitten in der Dunkelheit des Winters – machten sich die römischen Päpste und Kaiser zunutze, als sie das Christentum im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion erklärten.

Statt der Geburt des Sonnengottes Mithras am 25. Dezember feierte man in Rom fortan die Geburt Jesu – der ja von sich sagte: "Ich bin das Licht der Welt".

Umdeutung heidnischer Bräuche?

Wurden also heidnische Rituale einfach umgedeutet? Der theologische Grund für die Wahl des Datums war ein anderer: Der Geburtstag Jesu entstand aus der Rechnung "Verkündigung des Engels Gabriel an Maria plus neun Monate".

Der 25. März gilt als Datum der Verkündigung und damit der Zeugung. Daraus ergibt sich der 25. Dezember als Geburtstermin.

Ölgemälde von Carlo Maratta "Die Heilige Nacht"

An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu

Dieses konstruierte Weihnachtsdatum zeigt auch ein gewandeltes Glaubensverständnis: Ursprünglich waren Tod und Auferstehung des Messias an Ostern für die Christen sehr viel wichtiger als seine Geburt. Erst im 4. Jahrhundert gewann das Wunder der Menschwerdung Christi an Bedeutung.

Zugleich wurde die Verehrung von Maria als der Mutter Gottes intensiver. In den folgenden Jahrhunderten bildete das neue Ritual eigene Formen und Symbole aus, sodass unser heutiges Weihnachtsbrauchtum kaum noch etwas mit den alten Winter-Kulten zu tun hat.

Der erste Weihnachtsbaum

Ein grüner Zweig mitten im Winter: Das war schon im Mittelalter ein Zeichen für Hoffnung und neues Leben. Man hängte Misteln, Tannen- oder Eibenzweige auf, um die Weihnachtszeit zu feiern – und auch, um böse Geister zu vertreiben.

Erst 1419 wurde erstmals ein Weihnachtsbaum erwähnt. Er stand, mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen behängt, im Freiburger Heilig-Geist-Spital und durfte an Neujahr geplündert werden.

Bunt geschmückter Weihnachtsbaum

Bunt geschmückter Weihnachtsbaum

Die meisten Weihnachtsbäume wurden im Mittelalter, ähnlich wie Maibäume, im Freien aufgestellt – sie hießen auch "Weihnachtsmaien".

Erst um 1800 setzte die Mode ein, sich einen Tannenbaum ins Wohnzimmer zu holen – und zwar vor allem in protestantischen Familien. Für Katholiken war die Krippe das wichtigste Weihnachtsrequisit.

Damals hing der Baum übrigens von der Decke herunter. Und Weihnachtsbaumkerzen gab es auch noch nicht, denn Wachs war teuer. Erst im 19. Jahrhundert brachten die Ersatzstoffe Stearin und Paraffin Kerzenlicht und glänzende Kinderaugen in jeden Haushalt.

Viele Bräuche sind nicht so alt, wie man denkt

Althergebrachtes Brauchtum gilt uns heute als etwas Ursprüngliches, Volkstümliches. Doch das stimmt nicht immer: Das Christkind zum Beispiel ist nicht aus einem Volksbrauch entstanden. Es wurde von Martin Luther als Weihnachtsfigur erfunden, die statt des Heiligen Nikolaus die Weihnachtsgeschenke bringt.

Die Protestanten lehnten die katholische Heiligenverehrung ab. Meist stellt ein verschleiertes Mädchen in weißem Kleid das Christkind dar.

Noch sehr viel jünger als das Christkind ist der Weihnachtsmann. Allerdings weiß man nicht genau, wer diesen abgewandelten Nikolaus erfunden hat.

Als erster erwähnte ihn Hoffmann von Fallersleben in seinem bekannten Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" (1835). Seitdem steht er als Gabenbringer in starker Konkurrenz zum Christkind und hat es vielerorts ersetzt. Mit dem Santa Claus aus den USA bekam er seit 1863 wirksame Unterstützung.

Die Adventszeit – Warten auf Weihnachten

Auch die heute beliebten Bräuche der Adventszeit sind relativ neu. Den Adventskranz gibt es erst seit 1839: Damals baute der Hamburger Erzieher Johann Hinrich Wichern einen Holzkranz mit 23 Kerzen, um seinen Zöglingen im "Rauhen Haus" das Warten auf Weihnachten zu verkürzen. Jeden Morgen wurde ein neues Licht angezündet.

Adventskranz

Der Adventskranz verkürzt das Warten auf Weihnachten

Erst um 1900 hatte sich der Kranz – jetzt nur noch mit vier Kerzen und aus grünen Zweigen hergestellt – in ganz Deutschland verbreitet.

Eine weitere wichtige Weihnachtserfindung ist der Adventskalender. Die Idee stammt von einem Münchner Unternehmer. Er druckte 1903 den ersten Adventskalender mit 24 Feldern, auf die Kinder bunte Bilder kleben konnten. Jahrzehnte später bekam der Kalender Türchen mit Schokolade dahinter.

Weihnachten als Familienfest

Im Mittelalter wurde Weihnachten öffentlich gefeiert: Weihnachtsmärkte, Festumzüge und Krippenspiele fanden auf den Straßen und in der Kirche statt. Die Familienweihnacht mit Tannenbaum und Festessen gibt es erst seit etwa 150 Jahren.

Verschiedene Entwicklungen haben dazu geführt:

Die öffentlichen Umzüge und auch das Aufstellen von Krippen wurden zur Zeit der Aufklärung vielerorts verboten – die Obrigkeit sah darin ein Zeichen von Aberglauben. So wurden die Weihnachtsbräuche im privaten Umfeld weiter gepflegt.

Farblithographie: Der Weihnachtsaben

An Weihnachten kommt die Familie zusammen

Zugleich entwickelte sich die Familie seit dem 18. Jahrhundert zum Ort der vertrauten Geselligkeit. Weihnachten wurde ihr wichtigstes Fest, an dem sich alle in Harmonie zusammenfinden sollten.

Im Zentrum standen die Kinder. Sie wurden reich beschenkt, aber auch zum Wohlverhalten ermahnt. Das spiegelt sich bis heute in unseren Weihnachtsbräuchen:

Die vielen süßen Belohnungen der Adventszeit gibt es nur dann, wenn die Kinder in den Wochen vor Weihnachten schön brav und artig sind.

Autorin: Sophie von Glinski

Stand: 01.12.2016, 15:00

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