Vulkane auf Hawaii – Kraft aus der Tiefe

Im Vordergrund dampfende Lava, im Hintergrund glühendes Gestein in roter Abenddämmerung.

Hawaii

Vulkane auf Hawaii – Kraft aus der Tiefe

Der Mensch lebt auf einer Kugel aus glühendem Gestein und Magma. Das wird einem besonders bewusst, wenn man am Rande des Kilauea-Kraters auf Big Island, der größten Insel Hawaiis, steht. Hier fließt das geschmolzene Gestein aus dem Erdinnern sehr langsam den Berg hinab und hier kann man deswegen auch besonders nah an die Lava heran. Schon seit Jahren ist das zu bewundern, denn der Kilauea ist der aktivste Vulkan der Erde. Aber nicht nur das - die hawaiischen Vulkane sind vom Meeresboden aus gerechnet auch die höchsten Berge der Welt.


Hot Spot im Pazifik

Alle Hawaii-Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Sie liegen wie auf einer Kette aufgereiht mitten im Pazifik. Bisher sind mehr als 90 Vulkane auf dieser Kette entdeckt worden, es könnten aber auch mehr sein.

Hawaii liegt nicht, wie in den meisten Vulkangebieten üblich, am Rande einer Nahtstelle zweier Erdplatten, sondern mitten auf der Pazifischen Platte. Deshalb rätselten Forscher lange, wie hier Vulkane entstehen konnten.

1963 entwickelte der Vulkanologe John Tuzo Wilson die Theorie von einem "Hot Spot". Es handelt sich dabei um eine Stelle, an der der obere Erdmantel besonders dünn ist. Heißes Magma steigt aus dem Erdinnern von der Grenze zwischen Erdkern und Erdmantel säulenartig nach oben, gelangt so relativ nah an die Erdkruste und schmilzt sie auf.

An genau so einem "Hot Spot" liegt Hawaii. Bereits vor 70 bis 80 Millionen Jahren begann im Bereich der Hawaii-Inseln die Lava an einer Stelle durchzubrechen.

Die Entstehung der Inselkette

Doch warum gibt es nicht nur einen großen Vulkan auf Hawaii? Das liegt an der Verschiebung der Erdplatten. Die Inselgruppe Hawaii liegt auf der Pazifischen Platte. Sie bewegte sich im Lauf von Jahrmillionen, der "Hot Spot" aber nicht. So entstanden immer neue Vulkane und neue Inseln.

Zurück blieben erkaltete Kammern, durch welche die Magma nach oben gestiegen war; die älteren Vulkane erloschen. Der jüngste hawaiische Vulkan ist der Loihi. Sein Gipfel liegt etwa 1000 Meter unter dem Meeresspiegel. In etwa 50.000 Jahren wird der Vulkan voraussichtlich aus dem Meer auftauchen und dann wahrscheinlich mit Big Island zusammenwachsen.

Dampfend fließen glühende Lavaströme durch das schwarze Gestein am Kilauea.

Magma aus dem Erdinnern wird an der Oberfläche zu Lava

Hawaiische Schildvulkane

Die Vulkane auf Hawaii sind alle Schildvulkane. Sie erinnern in ihrer Form an den Panzer einer Schildkröte und haben sehr flache Flanken.

90 Prozent aller Vulkane weltweit sind Schildvulkane. Die anderen zehn Prozent sind Schicht- oder Kegelvulkane. Sie unterscheiden sich dadurch, dass sie steile Flanken haben und spitz zulaufen. Berühmte Vertreter der Schichtvulkane sind der Mount St. Helens in den USA und der philippinische Pinatubo.

Die Schildvulkane auf Hawaii übertreffen – zumindest vom Meeresboden aus gemessen – an Höhe deutlich den Mount Everest, der mit seinen 8850 Metern über dem Meer als höchster Berg der Welt gilt. Der höchste Vulkan von Hawaii beispielsweise, der Mauna Kea, liegt zwar "nur" 4207 Meter über dem Meeresspiegel, aber seine Basis liegt mehr als 5000 Meter tief im Ozean.

Die hawaiischen Vulkane bestehen aus Laven, die aus dünnflüssigen Magmen entstanden sind. Auf Hawaii gibt es zwei grundverschiedene Lavaformen: Die Pahoehoe-Lava und die Aa-Lava.

Die Pahoehoe-Lava ist strick- oder seilförmig. Sie entsteht, wenn sich die obere Schicht abkühlt und darunter der Lavastrom weiterfließt. So schiebt sich die obere Haut in Falten zusammen.

Die Aa-Lava wird auch Brockenlava genannt und sieht aus wie ein frisch gepflügter Ackerboden. Wenn sie abkühlt, bildet sich eine dicke Kruste, die abbröckelt, wenn die Lavamasse weiter anwächst.

Schwarze Lava fließt in der für Hawaii typischen Faltenform Richtung Meer und zerstört Bäume und Sträucher.

Die Lava fließt über das Land auf Big Island

Der aktivste Vulkan der Welt – der Kilauea

Der aktivste Vulkan der Erde ist der Kilauea auf Big Island: Seit 1983 fließt hier die Lava ununterbrochen. Mit seinen 1247 Metern Höhe liegt er an der Südostflanke des Mauna Loa.

Vor ungefähr 200.000 Jahren begann der Kilauea durch die Erdkruste zu brechen, erst vor 50.000 Jahren tauchte er aus dem Meer auf. Heute fließen verschiedene Lavaströme von dort weg, die mehr als 60 Quadratkilometer Land überfluten.

In den vergangenen Jahrzehnten sind einige Dörfer der Lava zum Opfer gefallen. Es wurden mehr als 100 Häuser zerstört. Eine Kirche wurde aber gerettet und an einem anderen Ort wieder aufgebaut, wo sie sicher vor den 1100 Grad heißen Lavaströmen ist.

Dadurch, dass die Lava der Schildvulkane auf Hawaii so langsam fließt, stellt sie kaum Gefahr für den Menschen dar. Wer ihr aber zu nahe kommt, kann durch die dünne Kruste einbrechen oder durch die Schwefeldämpfe Atembeschwerden bekommen.

Vulkan spuckt Rauch und Feuer in einer großen Fontäne aus dem Krater.

Der Kilauea ist der aktivste Vulkan der Erde

Die Göttin der Vulkane

Die Hawaiianer verehren ihre Vulkane und huldigen deswegen auch bis heute der wohl schillerndsten Figur ihrer Mythologie. Pele ist die Göttin des Feuers und der Vulkane. Ihr Name bedeutet "geschmolzene Lava".

Dem Glauben nach wohnt Pele auf dem Berg Kilauea. Die Hawaiianer bringen ihr zu Ehren Opfergaben wie Gin, Zigaretten oder Blumenkränze an den Kraterrand. Außerdem tanzen sie am Rand des Vulkans für Pele den Hula.

Einige geologische Funde sind nach Pele benannt. Als "Haare der Pele" etwa wird haarförmiges Vulkanglas bezeichnet. Es entsteht, wenn Lavafontänen aus dem Erdinneren herausgeschleudert und durch den Wind meterweit auseinandergezogen werden.

Die "Tränen der Pele" bilden sich genauso wie die "Haare", nur wird hier die Lava nicht langgezogen. Stattdessen tropft sie und erkaltet zu schwarzen, glänzenden Kügelchen, die meist nur wenige Millimeter groß sind.

Autorin: Eva Mommsen

Weiterführende Infos

Stand: 12.09.2017, 09:58

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