Geschichte des Staates Israel

Auf dem Schwarzweiß-Foto sieht man drei Männer, die im Vordergrund die israelische Flagge hissen. Im Hintergrund steht eine Menschenmenge.

Israel

Geschichte des Staates Israel

Am 14. Mai 1948 wurde der unabhängige Staat Israel ausgerufen. Für viele Juden ging damit das in Erfüllung, was Theodor Herzl, der jüdische Schriftsteller und Politiker aus Österreich, 1897 als zionistische Vision formuliert hatte: Eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina war geschaffen. Seit seiner Unabhängigkeit durchläuft der Staat Israel eine wechselvolle und problembeladene Geschichte. Der Palästina-Konflikt weitete sich zum arabisch-israelischen Nahost-Konflikt aus.

Zwei begründete Ansprüche

Die Juden begründen ihren Anspruch auf einen eigenen Staat mit dem Selbstbestimmungsrecht. Dieser Auffassung nach waren die Juden 70 nach Christus von den Römern aus ihrer historischen Heimat vertriebenen worden und warteten im Exil auf die Rückkehr. Sie hatten das Recht auf dieses Land niemals aufgegeben, war es ihnen doch nach der Bibel von Gott zugewiesen worden.

Die Araber machen ebenso das Selbstbestimmungsrecht geltend, denn sie leben seit rund 1300 Jahren in Palästina. Der Zuzug von Juden lief damals auch der panarabischen Idee zuwider. Politiker wollten eine arabische Kulturnation aller Araber in einem gemeinsamen Nationalstaat schaffen, vom Atlantik bis zum Persischen Golf.

Palästina unter britischem Mandat

Auf dem Schwarzweiß-Foto sieht man Menschen, die ein altes Holzschiff verlassen, das vor einem Strand ankert.

Dem Holocaust entkommene Juden an Palästinas Küste

Im Jahr 1922 erhielt Großbritannien vom Völkerbund, dem Vorgänger der UNO (United Nations Organization), das Mandat für Palästina. Die Briten standen vor einer schwierigen Aufgabe, denn sie sollten die Balfour-Deklaration aus dem Jahr 1917 erfüllen: Die Briten verpflichteten sich damit zum einen dazu, für das jüdische Volk in Palästina eine nationale Heimstätte zu fördern.

Zum anderen sollten sie aber auch verhindern, dass die Rechte bereits bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigt würden.

Die Araber lehnten das britische Mandat als völkerrechtswidrig ab. Die Juden dagegen läuteten unter den Briten eine intensive zionistische Aufbauphase ein: Insbesondere Juden aus Osteuropa wanderten ein.

Der jüdische Anteil an der Bevölkerung stieg von elf Prozent im Jahr 1922 auf rund 30 Prozent im Jahr 1936. Diese Zunahme und der Landkauf der Juden für die Besiedelung riefen immer wieder gewaltsame Reaktionen der arabischen Bevölkerung hervor.

Der UN-Teilungsplan von 1947

Im Jahr 1947 brachte Großbritannien das Palästina-Problem vor die neu gegründeten Vereinten Nationen (UN). Wie konnte man dem jüdischen Volk, von dem sechs Millionen Menschen durch das deutsche NS-Regime ermordet worden waren, ein eigenes gesichertes Gebiet garantieren, ohne gleichzeitig die Rechte der arabischen Einwohner zu verletzen?

Der Teilungsplan für Palästina vom 29. November 1947 sollte das Dilemma endlich lösen: Jeder der beiden Staaten sollte aus drei voneinander getrennten und nur durch enge Korridore miteinander verbundenen Teilgebieten bestehen.

Blick auf die Altstadt von Jerusalem mit der Klagemauer und, mittig, dem Felsendom auf dem Tempelberg.

Der UN-Teilungsplan sah Jerusalem als internationale Zone vor

Während nicht viel mehr als ein Drittel der Bevölkerung Palästinas Juden waren, sollte der jüdische Staat aber wegen der vielen zu erwartenden Zuwanderer mehr als die Hälfte des Territoriums, nämlich 54 Prozent, ausmachen. Der Großraum Jerusalem sollte unter internationaler Kontrolle stehen.

Mit diesem komplizierten Plan, der mit 33 gegen 13 Stimmen bei zehn Stimmenthaltungen von den Vereinten Nationen beschlossen wurde, waren weitere Konflikte programmiert. Während die Juden dem territorialen Kompromiss zustimmten, wiesen die Araber ihn als völkerrechtswidrig zurück.

14. Mai 1948: Die Proklamation des Staates Israel

In großer Runde sitzen Menschen, Ben-Gurion steht und liest vom Blatt ab. Im Hintergrund an der Wand hängt ein Porträt von Theodor Herzl.

Ben-Gurion verliest die Unabhängigkeits-Deklaration

Mit Beschluss des Teilungsplans kündigten die Briten die Rückgabe des Mandates für den 15. Mai 1948 an. Am 14. Mai verließen die letzten Truppen Palästina und David Ben-Gurion, der designierte israelische Ministerpräsident, rief im Namen des Jüdischen Nationalrates den unabhängigen souveränen Staat Israel aus.

Ben-Gurion ließ diesen einmaligen Moment, da die Briten abgezogen und die Machtverhältnisse in Palästina neu geregelt werden mussten, nicht ungenutzt verstreichen. Hinzu kam die öffentliche Weltmeinung, die den Israelis damals sehr gewogen war.

Unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung wurde Israel von den USA und von der Sowjetunion diplomatisch anerkannt. Taktisch geschickt hatte Ben-Gurion die Grenzlinien des neuen Staates nicht klar definiert. Die galt es also fortan zu ziehen.

Die arabische Antwort auf die Proklamation ließ nicht lange auf sich warten: Arabische Armeen, insbesondere die Ägyptens und Jordaniens, marschierten in Palästina ein.

Der Unabhängigkeitskrieg von 1948

Seit 1948 wurden mehrere Kriege zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten ausgefochten. Immer ging es um das zentrale Thema: Wem gehört Palästina? Der erste entscheidende Krieg war der erste arabisch-israelische Krieg, den die Israelis den Unabhängigkeitskrieg und die Palästinenser "el-Nakba", die Katastrophe, nennen.

In diesem Krieg versuchten die Israelis, die dem jüdischen Staat zugedachten Gebiete sowie jüdische Siedlungen jenseits der von den UN gezogenen Grenzen zu sichern. Sie eroberten rund 40 Prozent des Landes, das im Teilungsplan für einen arabisch-palästinensischen Staat vorgesehen war.

Die Waffenstillstandslinien vom Frühjahr 1949 vergrößerten das israelische Territorium von 14.100 auf 20.700 Quadratkilometer. Dieses Gebiet gilt auch heute noch als das Kernland Israels.

600.000 Araber wurden vertrieben oder flohen aus ihren Dörfern. Andere blieben und wurden Israelis. Die Forderung der Vereinten Nationen an den Kriegssieger Israel, die Flüchtlinge zurückkehren zu lassen, ist bis heute gültig.

Die damalige israelische Besetzung arabischer Gebiete, die jordanische Besetzung des Westjordanlandes und Ost-Jerusalems sowie die Tatsache, dass der Gazastreifen unter ägyptische Verwaltung gestellt wurde, machten die Entstehung eines arabisch-palästinensischen Staates vorerst unwahrscheinlich.

Der Sechs-Tage-Krieg von 1967

Auf dem Schwarzweiß-Foto fährt links im Bild ein Panzer in Betrachterrichtung und rechts im Bild ein Lastwagen, auf dessen Ladefläche Menschen sitzen.

Mythos der unbesiegbaren israelischen Armee

Ein weiterer bedeutender Krieg war der Sechs-Tage-Krieg von 1967, der dritte arabisch-israelische Krieg. Die israelische Armee besiegte in einem Präventivschlag die Armeen dreier arabischer Staaten (Ägypten, Jordanien und Syrien) innerhalb kürzester Zeit.

Auch dieses Mal war sie den arabischen Armeen überlegen. Israel besetzte das Westjordanland, Ost-Jerusalem, die Golanhöhen und den Gazastreifen. Jetzt war Israels Staatsgebiet drei Mal so groß wie vorher.

Erneut flüchteten mehrere 100.000 Palästinenser in die Nachbarländer. Im November 1967 beschloss der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 242: Israels Rückzug aus den 1967 besetzten Gebieten und eine gerechte Lösung des Flüchtlingsproblems.

Indirekt bedeutete die Resolution eine Anerkennung der seit 1947 von den Israelis geschaffenen Fakten der Landaufteilung und sie ist seitdem die Grundlage aller Friedensverhandlungen.

Fachleute diskutieren den Sechs-Tage-Krieg sehr leidenschaftlich. Er hat den Mythos der unbesiegbaren israelischen Armee gestärkt, dem Staat Israel aber moralisch eine Niederlage gebracht. Erst diese Besatzung, so der Tenor, hätte in den Palästinensern, die bis 1967 stets von anderen fremden Mächten regiert worden waren, ein Nationalbewusstsein erweckt.

Und die israelische Strategie, die besetzten Gebiete als Faustpfand (Land gegen Frieden) zu instrumentalisieren, hätte die Palästinenser radikalisiert.

Friedensverhandlungen ohne Frieden

Yassir Arafat.

Yassir Arafat bemühte sich um den Frieden

In den 1990er Jahren war der Frieden im Nahen Osten greifbar, als sich der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin und der Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat, annäherten. Arafat war gleichzeitig Vorsitzender der Fatah, die bis heute das stärkste Mitglied der PLO, der Dachorganisation verschiedener palästinensischer Gruppierungen, ist und die 1993 das Existenzrecht Israels anerkannte.

In jenem Jahr verständigten sich Rabin und Arafat auf die Oslo-Verträge, die einen Rückzug der Israelis aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland sowie die Selbstverwaltung der Palästinenser vorsahen.

Rabin, Arafat und der israelische Außenminister Schimon Peres erhielten für ihre Bemühungen 1994 den Friedensnobelpreis. Im Jahr darauf zerstörte ein tödliches Attentat auf Rabin, verübt von einem ultrarechten Israeli, die Hoffnung auf Frieden.

Als 2004 Arafat starb, gewann die radikalislamische Hamas in den Palästinensergebieten vorerst die Oberhand. Sie lehnt eine Anerkennung Israels ab und attackiert zudem immer wieder israelische Grenzstädte mit Raketen.

Militärische Aktionen stoppen die "Roadmap"

Dennoch gab es auch weiterhin Friedensbemühungen, die im Jahr 2003 in einem Fahrplan für den Frieden, in der "Roadmap", festgeschrieben wurden. Das sogenannte Nahost-Quartett, bestehend aus der UNO, der EU, den USA und Russland, hatte diese "Roadmap" ausgearbeitet.

An deren Ziel sollten zwei souveräne Staaten stehen – Israel und ein demokratisches Palästina. Allerdings kam die "Roadmap" mehrmals ins Stocken und es ist fraglich, ob sie überhaupt verwirklicht werden kann.

Mehrere massive militärische Aktionen ließen den Frieden in der Region in weite Ferne rücken: Im Jahr 2006 entführten sowohl die Hamas als auch die im Libanon ansässige islamistische Organisation Hisbollah israelische Soldaten. Daraufhin marschierte Israel im Gazastreifen ein und begann mit der Bombardierung von Zielen im Libanon.

2008, 2012 und 2014 kam es erneut zu israelischen Angriffen auf den Gazastreifen, nachdem von dort aus israelische Städte mit Raketen beschossen wurden.

Demokratie im Kriegszustand

Eine demonstrierende Menschenmasse, die sowohl die israelische als auch die palästinensische Flagge hochhält.

Sehr selten: Israelis und Palästinenser demonstrieren gemeinsam

Der Staat Israel ist heute eine etablierte Demokratie, in der Ende 2015 knapp 8,5 Millionen Menschen leben. 75 Prozent davon sind Juden, rund 20 Prozent Araber. Seit 1948 hat sich der Palästina-Konflikt zum israelisch-arabischen Nahostkonflikt mit internationaler Dimension ausgeweitet.

Israel befindet sich mit vielen arabischen Nachbarstaaten im Kriegszustand, nur mit Ägypten und Jordanien ist Frieden geschlossen worden.

Die jahrzehntelangen gewalttätigen Auseinandersetzungen haben die meisten Israelis und Palästinenser davon überzeugt, dass die Lösung nur in einer Trennung beider Völker liegt.

Dafür wurden bereits Fakten geschaffen: 2003 begannen die Israelis mit dem umstrittenen Bau einer hohen Sperranlage, die das israelische Kernland vom Westjordanland trennen und Selbstmordanschläge auf israelischem Gebiet verhindern soll.

Autorinnen: Natalie Muntermann/Irina Fernandes

Stand: 05.09.2016, 09:16

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