David Ben-Gurion - Der Gründungsvater Israels

Geschichte des Staates Israel

David Ben-Gurion - Der Gründungsvater Israels

David Ben-Gurion wird heute noch als Vater der israelischen Nation verehrt. Er war es, der am 14. Mai 1948 in Tel Aviv den unabhängigen Staat Israel ausrief. In den Jahrzehnten zuvor, während der britischen Mandatszeit, war dieser pragmatische Politiker maßgeblich daran beteiligt, politische, gesellschaftliche und militärische Strukturen zu schaffen, ohne die die Staatsgründung nicht denkbar gewesen wäre.

Aus David Grün wird David Ben-Gurion

Im Jahr 1906 wanderte der 1886 in der polnischen Stadt Plonsk geborene David Grün mit seiner Familie nach Palästina ein. Weil er einen hebräisch klingenden Namen haben wollte, nannte er sich fortan David Ben-Gurion. Er trat in die Fußstapfen seines zionistisch gesinnten Vaters und engagierte sich schon in jungen Jahren für die Autonomie der Juden im Osmanischen Reich, wozu Palästina damals gehörte - dafür studierte der Pragmatiker sogar türkisches Recht in Istanbul.

Schwarzweiß-Porträtaufnahme von Ben-Gurion. Darauf hat er weiße Haare und eine Halbglatze.

Israels Gründungsvater

Ben-Gurion stellte sein ganzes Leben in den Dienst des Zionismus. Diese Vision vom eigenen Staat für das jüdische Volk war politisch motiviert, nicht religiös. Das Ziel einer jüdischen Autonomie unter den Osmanen erwies sich allerdings als unrealistisch. So siedelte Ben-Gurion kurzzeitig in die USA über, wo er seine Frau Paula kennenlernte, mit der er drei Kinder hatte.

Das Ziel, einen jüdischen Staat aufzubauen, verfolgte er aber weiter konsequent und kehrte schließlich nach Palästina zurück. Seiner Auffassung nach war auch militärisches Knowhow für einen eigenständigen jüdischen Staat von großem Vorteil. Nicht zuletzt aus diesem Grund engagierte er sich bei den Briten: Im Ersten Weltkrieg zog er mit einem britischen Bataillon freiwilliger Juden nach Palästina, um gegen arabische Einheiten zu kämpfen.

Ben-Gurion ist in allen wichtigen jüdischen Organisationen aktiv

Das Osmanische Reich war zerfallen und im Jahr 1922 wurde den Briten das Mandat für Palästina übertragen. Das kam Ben-Gurion zugute, hatte er doch mittlerweile gute Kontakte zu den Briten aufgebaut. Von 1935 bis 1948 war er Vorsitzender des Jüdischen Exekutivrats in Palästina, dem obersten Organ der jüdischen Selbstverwaltung und damit Verhandlungspartner für die Mandatsträger.

Schwarzweiß-Foto von Ben Gurion in Uniform. Er sitzt der mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem gedrechselten Holzstuhl.

David Ben-Gurion als Soldat in britischer Uniform

Seit Beginn der britischen Mandatszeit war Ben-Gurion zudem daran beteiligt, andere wichtige Organisationen aufzubauen, die Wegbereiter für einen jüdischen Staat in Palästina werden sollten: Von 1921 bis 1933 war er Vorsitzender der Gewerkschaft Histadrut. Deren Arbeit ging über eine normale gewerkschaftliche Tätigkeit hinaus. Durch die ausgedehnte Siedlungsarbeit und die Schaffung von Industrie- und Baukonzernen war sie eine Mitgestalterin der neuen Gesellschaft.

Trotz Beschränkungen der Briten wurden in den Histadrut-Firmen Waffen und Munition produziert sowie Geheimdienstaktivitäten betrieben. Zudem unterhielt und unterstützte sie die Hagana, eine paramilitärische Organisation, die in den 1930er Jahren nicht nur jüdische Siedlungen verteidigte, sondern auch die illegale Einwanderung der Juden organisierte. Nach der Staatsgründung stellte die Hagana die offizielle Armee. Unter Ben-Gurions Vorsitz entwickelte sich zudem nach 1930 die Arbeitspartei Mapai zum führenden Arm der zionistischen Bewegung. Unmittelbar vor der Beendigung des britischen Mandats über Palästina übernahm Ben-Gurion am 4. Mai 1948 dann auch die Führung des jüdischen Widerstands Hagana.

Seine Zielstrebigkeit war der große Trumpf für die Entstehung eines jüdischen Staates in Palästina. Er kämpfte im wahrsten Sinne des Wortes an allen entscheidenden Fronten, um die Vision des Schriftstellers und Politikers Theodor Herzl vom Judenstaat in Palästina Wirklichkeit werden zu lassen: an der politischen, der gesellschaftlich-sozialen, der die Juden nach Außen vertretenden und der militärischen Front.

Ben-Gurion wird erster Ministerpräsident Israels

Es ist kaum verwunderlich, dass die Macht auch am 14. Mai 1948 und in den Jahren danach in Ben-Gurions Händen lag: Er erklärte die Unabhängigkeit des jüdischen Staates und wurde erster Ministerpräsident sowie Verteidigungsminister Israels. Die Geschichte lässt keinen Zweifel daran, dass er im Unabhängigkeitskrieg von 1948/49 unter Einsatz seiner eindrucksvollen Machtfülle darauf hinwirkte, das dem jüdischen Staat von den Vereinten Nationen (UN) zugedachte Gebiet auszudehnen und seine arabische Bevölkerung auf ein Minimum zu reduzieren. Unter der Führung dieses ersten Regierungschefs, nach dem der internationale Flughafen von Tel Aviv benannt ist, konnte sich der junge Staat trotz der widrigen Bedingungen stabilisieren.

Zwei in schwarze Anzüge gekleidete Männer stehen in einem Raum vor einem Fenster.

Präsident Chaim Weizmann mit David Ben-Gurion

In den Zeiten, in denen er in den 1950er und 1960er Jahren nicht in der Politik engagiert war, lebte Ben-Gurion mit seiner Frau in einem Holzhaus im Kibbuz Sede Boker in der Wüste Negev. Hier ging er seinem Traum nach, "die Wüste zum Blühen" zu bringen. Eine in der Nähe des Kibbuz' angesiedelte Hochschule, die von Ben-Gurion gegründet wurde, setzt sich bis heute mit der Erforschung und Entwicklung neuer Techniken dafür ein, die Wüste landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Ben-Gurion starb am 1. Dezember 1973 im Alter von 87 Jahren in Tel Aviv und wurde in Sede Boker beigesetzt.

Autor/in: Natalie Muntermann

Stand: 25.06.2014, 13:00

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