Fernsehgeschichte in Deutschland

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Fernsehgeschichte in Deutschland

Am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1952 nahm der Nordwestdeutsche Rundfunk von einem Bunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld aus den Sendebetrieb auf. Zunächst auf drei Stunden Sendezeit täglich angelegt, entwickelte sich das Fernsehen bald zum Massenmedium. 1975 besaßen schließlich 93 Prozent aller deutschen Haushalte einen Fernsehapparat. Die Anfänge des Fernsehen aber reichen schon weit ins 19. Jahrhundert zurück.

Als die Bilder laufen lernten

Wann zum ersten Mal bewegte Bilder übertragen wurden, lässt sich nicht genau festlegen. Wahrscheinlich war es 1924. In diesem Jahr erwarb der Leipziger Physiker und Elektrotechniker August Karolus ein Patent für die Lichtsteuerung bei der Fernsehbildübertragung. Schon 1884 hatte Paul Nipkow eine Scheibe zur Bildzerlegung und Wiederzusammensetzung erfunden – und damit die Grundlagen mechanischer Bildübertragung geschaffen. Nur konnte man zunächst wenig mit dieser Erfindung anfangen.

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Patente für unterschiedliche Fernsehsysteme angemeldet. Aber erst 1928 wurde auf der Funkausstellung in Berlin das Fernsehen vorgestellt. In den folgenden Jahren wurde die Technik immer weiter verfeinert und ausgebaut.

Klar war inzwischen: Bei der Übertragung bewegter Bilder kommt es auf die rasche Aufeinanderfolge der Bilder an. Folgen bei einer Übertragungsgeschwindigkeit von einer Sechzigmillionstel Sekunde mindestens 25 Bilder in der Sekunde aufeinander, verschmelzen sie für den Betrachter zu einer fortlaufenden Bewegung.

Elektrische Bilder

Zwei Menschen sitzen vor einem Regiepult mir vielen Bildschirmen. Im Hintergrund ein Kameramann.

Das Fernsehstudio des NWDR 1953 in Hamburg-Lokstett

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Nipkow-Scheibe durch das Ionoskop, einen Elektronenstrahl-Zerleger, abgelöst: Durch das Ionoskop wird das Bild auf eine Platte geworfen, die mit einer lichtelektrischen Schicht überzogen ist. Das Bild zeichnet sich in Form unterschiedlich großer elektrischer Ladungen auf der Platte ab: So entsteht ein dem optischen entsprechendes elektrisches Bild, das nun Punkt für Punkt durch einen Elektronenstrahl abgetastet, einem Verstärker zugeführt und schließlich auf elektrischem Wege übertragen wird.

1931 demonstrierte der Physiker und Erfinder Manfred von Ardenne in Berlin die erste elektronische Fernsehanlage, die auf diese Weise Bilder übermittelte. Dabei kam die "Braunsche Röhre" zum Einsatz, ein Gerät, mit dessen Hilfe schnell wechselnde Spannungen beziehungsweise Ströme sichtbar gemacht werden. Sie ist wesentlicher Bestandteil eines Röhrenfernsehers.

Fernsehen in den 50er Jahren

Menschen sitzen um einen Fernseher herum. Auf dem Bildschirm ist Königin Elizabeth mit Krone zu sehen.

Elizabeths Krönung live im Fernsehen

Im Laufe der 50er Jahre wurde das Fernsehprogramm erweitert. Zunächst auf täglich drei Stunden Sendezeit ausgelegt, gab es Ende der 50er Jahre pro Tag bereits ein fünfstündiges Fernsehprogramm. Zu dieser Zeit verstanden die Programmverantwortlichen Fernsehen in erster Linie als Bildungsmedium, das nur zu einem sehr geringen Teil unterhalten sollte.

Eine neue Qualität des Erlebens eröffnete sich den Zuschauern vor allem durch Live-Übertragungen. Weil sie besonders aufwendig und weniger planbar waren als Studiosendungen, kamen sie selten ins Programm. Erste wichtige Großereignisse, die live einem Massenpublikum zugänglich gemacht wurden, waren die Krönung Königin Elizabeths II. 1953 und die Fußballweltmeisterschaft 1954.

Fernsehen in der DDR

Am 21.Dezember 1952 strahlte das Fernsehen in der DDR erstmals die Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" aus – zu Ehren von Stalins 73. Geburtstag. Dieses Programm war aber zunächst nur ein Versuch.

Am 3. Januar 1956 startete dann der offizielle Sendebetrieb des "Deutschen Fernsehfunks" (DFF) im Fernsehzentrum Berlin-Adlershof. Der DFF wollte Fernsehen für ganz Deutschland sein. Doch trotz grenznaher Sender gelang es dem DFF nicht, die ganze Bundesrepublik zu erreichen, während die ARD später fast die ganze DDR erreichte.

Ähnlich wie in der BRD beschränkte sich auch das DDR-Fernsehen in den ersten Jahren auf nur wenige Stunden Sendezeit am Tag. 1960 wurde die Medienlandschaft um ein zweites Programm erweitert. Bis Ende der 60er Jahre wurde auch in der DDR das Fernsehen zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung. Mit einer täglichen Sendedauer von durchschnittlich zwölf Stunden und rund vier Millionen Empfangsgeräten war das Fernsehen nun Massenmedium. Trotz strenger Verbote schauten viele Menschen auch Westfernsehen. Der Staatsführung der DDR gelang es nicht, den massenhaften Konsum westdeutscher Programme zu verhindern.

Das Zweite Deutsche Fernsehen

Karl Holzhammer im Studio bei einer Ansprache zum Programmstart ZDF.

Intendant Karl Holzhammer beim Programmstart des ZDF

Mit dem Programmbeginn des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) am 1. April 1963 veränderte sich die Medienlandschaft in der Bundesrepublik. Ursprünglich hatte sich die Regierung Adenauer einen zweiten öffentlich-rechtlichen Sender gewünscht, der dem Bund unterstellt sein sollte. Doch 1961 verbot das Bundesverfassungsgericht in seinem "Ersten Fernsehurteil" die Gründung eines Senders unter Einflussnahme der Bundesregierung. Das ZDF wurde schließlich auf Initiative der Ministerpräsidenten der Bundesländer durch einen Staatsvertrag begründet.

Von Anfang an stand es bewusst in Konkurrenz zur ARD und war darum bemüht, sich als vollwertige Programmalternative zu etablieren. Bildungs- und Unterhaltungsprogramme, gepaart mit einer starken Orientierung an Zuschauerwünschen, sollten im ZDF besonderes Gewicht haben.

Ausbau der Programme in den 60er Jahren

In den 60er Jahren wurde das Programmangebot sowohl im Osten als auch im Westen erweitert und variiert. Regional- und Werbeprogramme wurden ausgebaut, später dann Fernsehserien aus amerikanischen Archiven (zum Beispiel "Fury" oder "Am Fuß der blauen Berge") eingekauft.

Die Dritten Programme setzten mit Kultur-, Bildungs- und Regionalsendungen neue Akzente. Vor allem das Genre Krimi erfreute sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung. "Das Halstuch" von Francis Durbridge legte 1962 das komplette öffentliche Leben in Deutschland lahm und erreichte eine Einschaltquote von 90 Prozent.

Aber auch Filme, die sich mit der Vergangenheitsbewältigung auseinander setzten ("So weit die Füße tragen") oder sozialkritische Literaturthemen aufgriffen ("Wer einmal aus dem Blechnapf frisst..."), waren regelrechte "Straßenfeger".

Bilder in Farbe

Willy Brandt steht in einem blauen Anzug vor einem Pult. Er drückt auf einen roten Knopf, der symbolische Auslöser für den Start des Farbfernsehens.

Willy Brandt beim Start des Farbfernsehens

Ein weiterer Meilenstein der Fernsehgeschichte war die Einführung des Farbfernsehens im Jahr 1967: Mit einem Knopfdruck des Vizekanzlers Willy Brandt startete am 25. August 1967 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin offiziell das Farbfernsehen in Deutschland. Dabei passierte eine kleine Panne:

"In der Hoffnung auf viele friedlichfarbige aber auch spannendfarbige Ereignisse gebe ich jetzt den Startschuss für das deutsche Farbfernsehen", sagte Brandt. Doch weil er das Drücken des Knopfes kurz verzögerte, erstrahlten die Bilder schon einige Sekunden vorher in Farbe. Ein nervöser Techniker hatte das Signal zu früh ausgelöst. Abgesehen von dieser Panne, verlief die Einführung des Farbfernsehens jedoch reibungslos.

Die Fernsehindustrie wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der BRD, das Gerät zum Massenprodukt. Bis Anfang der 70er Jahre wuchs die Zahl der Haushalte mit einem Fernsehgerät um jährlich 1,1 bis 1,4 Millionen. 1975 erreichte die Fernsehdichte in Deutschland 93 Prozent.

Konkurrenz für ARD und ZDF: Das Privatfernsehen

'RTL Plus' in roter Schrift geschrieben: groß die Buchstaben RTL, darunter etwas kleiner Plus.

Das RTL-Plus-Logo von 1987

Mitte der 80er Jahre erfuhr das Fernsehen in Deutschland eine gewaltige Zäsur: 1984 fiel der Startschuss für das kommerzielle Fernsehen, RTL und Sat.1 gingen auf Sendung. Zuvor waren die Übertragungskapazitäten durch Kabel- und Satellitenkanäle erweitert worden, denn die terrestrischen Frequenzen waren bereits von den öffentlich-rechtlichen Sendern besetzt.

Das Duale Rundfunksystem Deutschland – mit den Privatsendern als Gegenpol zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF. Es folgten weitere private Sendern wie Pro 7, Vox oder RTL 2.

Da die Privaten sich über Werbung finanzieren, wurden Einschaltquote und Marktanteil zum entscheidenden Kriterium für die Beurteilung einer Sendung oder eines Films. Das Publikum musste von nun an mit stets wiederkehrenden Werbeunterbrechungen des Programms leben.

Mit den Privaten kamen aber auch neue Programmformate wie Comedy, Reality-TV und Daily Soaps auf den Bildschirm, die dem Zuschauer bis dahin noch nicht im Fernsehen präsentiert worden waren. Und noch ein Akteur betrat in dieser Zeit die Bildfläche: Im Februar 1991 startete der Sender Premiere sein Programm. Damit hatte das Pay-TV – Fernsehen, für das der Zuschauer als Abonnent direkt bezahlt – auch Deutschland erreicht.

Digitales Fernsehen

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts werden die analogen Übertragungswege in Deutschland zunehmend digitalisiert. So startete im August 2003 in Berlin das digitale terrestrische Fernsehen (DVB-T), das die Ausstrahlung von mehr Programmen in besserer Qualität ermöglicht. Außerdem ist DVB-T über einen speziellen Empfänger im Prinzip überall zu empfangen. Im Gegensatz zum Kabel-Fernsehen fallen nach der einmaligen Anschaffung des Empfängers keine weitere Kosten an. Analoges Kabel- und Satellitenfernsehen wird nach und nach von digitaler Übertragung abgelöst.

Autorin: Gabriele Trost

Stand: 15.07.2016, 11:00

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