Fernsehnachrichten

"Tagesschau"-Specherin Linda Zervakis im "Tagesschau"-Studio

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Fernsehnachrichten

An einem normalen Wochentag sendet allein Das Erste fast drei Stunden Fernsehnachrichten. Nimmt man die Magazinsendungen hinzu, liegt der Informationsanteil bei mehr als acht Stunden. Für die Nachrichtenmacher bedeutet das jeden Tag eine neue Herausforderung. Wie arbeitet eine Nachrichtenredaktion? Und wie wird ein Ereignis zur Nachricht?

Eigene Recherchen

Die Arbeit in einer Nachrichtenredaktion hat mit dem weitverbreiteten Berufsbild des investigativen Journalisten wenig gemein. Investigativ, also aufdeckend und fast detektivisch zu arbeiten, verlangt viel Zeit, die im aktuellen Tagesgeschäft selten vorhanden ist.

Die Recherche der Nachrichtenredakteure beschränkt sich meist darauf, den Wahrheitsgehalt der eingehenden Meldungen zu überprüfen. Der investigative Journalismus bleibt den Magazinsendungen und Dokumentationen vorbehalten.

Eine zuverlässige Quelle?

Nach Angaben der Studie "ARD-Trend 2012" sind Fernsehnachrichten für 88 Prozent der Deutschen die wichtigste Informationsquelle. Die Tagesschau ist mit Abstand die beliebteste Nachrichtensendung. 71 Prozent der Befragten gaben sie als beste Sendung an. Dicht dahinter lagen die ZDF-Nachrichten mit 55 Prozent. Etwas schlechter schnitten die Nachrichten der privaten Sender RTL und Sat.1 ab mit 29 Prozent beziehungsweise 12 Prozent der Stimmen.

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, haben die Nachrichtenmacher ein hochkomplexes, national und international agierendes Netzwerk aufgebaut. Knotenpunkte dieses Netzes sind die einzelnen Nachrichtenredaktionen. Sie bedienen sich aus einer Vielzahl von Quellen und treffen eine Auswahl der Themen.

Die Nachrichtenagenturen

Die wichtigsten Partner der großen Nachrichtenredaktionen sind die internationalen Nachrichtenagenturen. Sie liefern jeden Tag aktuelle Meldungen und mehrere Stunden Filmmaterial. Da keine Redaktion in der Lage ist, in jedes Land der Welt eigene Korrespondenten zu entsenden, wird besonders bei der Auslandsberichterstattung Agenturmaterial benutzt.

Die Agenturen haben ein weltweites Netz freier und festangestellter Journalisten. Sie liefern den Rohstoff für die Nachrichten. Allein die Agentur Reuters ist in mehr als 150 Ländern vertreten. Per Sattelitenüberspielung werden den Redaktionen rund um die Uhr Bilder und Informationen aus aller Welt übermittelt.

Die wichtigsten Agenturen für den deutschen Fernsehmarkt sind APTN (Associated Press Television News) und Reuters TV. Öffentlich-rechtliche Sender bestreiten rund ein Viertel ihres Nachrichtenangebots mit Agenturbildern, bei den privaten Sendern besteht fast die Hälfte der Nachrichten-Sendungen aus Agenturmaterial.

Blick von oben in den großen Redaktionsraum der Nachrichtenredaktion der TASS in Moskau

Nachrichtenredaktionen sind auf Agenturen angewiesen

Die Übernahme von Agenturbildern ist zwar unumgänglich, bei den Nachrichtenmachern jedoch auch des öfteren umstritten. Die Herkunft der Bilder können sie letztlich meist nicht überprüfen, da auch die Agenturen selbst viel Material ankaufen.

Bilder kommen von freien Kamerateams und von englischen oder amerikanischen Bildagenturen, die ihre Kamerateams an die Brennpunkte des Geschehens in aller Welt schicken. Durch die Auswahl der Drehorte und Bilder setzen die Anbieter Themenschwerpunkte, die die redaktionelle Eigenständigkeit der Nachrichtenmacher einschränken.

Der Senderverband

Die dritte Quelle der Nachrichtenmacher für Bilder und Informationen aus dem Ausland sind internationale Senderverbände. In der European Broadcasting Union (EBU) sind 74 öffentlich-rechtliche Sender aus 56 Mitgliedsstaaten vertreten, die über einen Verteiler ihre Nachrichten und die dazugehörigen Bilder den Redaktionen anderer Länder per Satellit zur Verfügung stellen und umgekehrt auch empfangen können.

Für die ARD sind die Bilder aus der EBU ebenso wichtig, wie das Material der Nachrichtenagenturen. 50 Prozent ihres Fremdmaterials stammen aus dem Senderverband. Auch eine Reihe privater Fernsehanbieter hat sich zu einem eigenen Verband, der European News Exchange (ENEX), zusammengeschlossen.

Nachrichten aus Deutschland

Für die Berichterstattung aus Deutschland spielen die großen Bildagenturen, sowie EBU und ENEX eine untergeordnete Rolle. Die Landesstudios der einzelnen Landesrundfunkanstalten der ARD sind flächendeckend über Deutschland verteilt. Innerhalb kürzester Zeit können die Journalisten Informationen und Bilder für alle ARD-Sendungen liefern. So hat zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen der Westdeutsche Rundfunk elf Landesstudios.

Trainer Mario Ermisch im Interview mit einer Reporterin vom WDR

In Deutschland haben die Redaktionen eigene Reporter

Die privaten Sender versuchen, wegen der hohen Kosten, die Anzahl ihrer Landesstudios gering zu halten. Wenn sie aktuelle Bilder brauchen, sind sie deshalb häufig auf unabhängige Produktionsfirmen angewiesen. Die Größe dieser Firmen reicht vom Ein-Mann-Betrieb bis hin zu einem mittelständischen Unternehmen.

Einige von ihnen sind so professionalisiert, dass sie regelmäßig im Auftrag der öffentlich-rechtlichen oder privaten Sender arbeiten, andere sind darauf angewiesen, ihr Bildmaterial den Sendern anzubieten und zu hoffen, dass einer oder mehrere es kaufen.

Autoren: Götz Bolten/Wiebke Ziegler

Stand: 15.09.2017, 13:00

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