Der Einarmige Bandit

Las Vegas

Der Einarmige Bandit

Der Name dieses wohl berühmtesten Glücksspielautomaten klingt nicht gerade schmeichelhaft. Der Einarmige Bandit steht in dem Ruf, den Spielern das Geld aus den Taschen zu locken und den Spielhallenbetreibern hohe Gewinne zu bescheren. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Apparat in den USA erfunden. Er wurde prägend für das Bild der Kasinos von Las Vegas und eroberte die Glückstempel auf der ganzen Welt. Aber der Einarmige Bandit gehörte auch zur Grundausstattung vieler illegaler Spielhöllen in den Vereinigten Staaten und wurde von der Bundespolizei FBI gnadenlos "gejagt".

Die "Black Cat" der Brüder Caille

Ein Mann mit Cowboyhut sitzt vor einem Einarmigen Banditen. Die Aufnahme zeigt den Mann von hinten.

Duell mit dem Banditen

Wie viele andere erfolgreiche Erfindungen, hat auch der Einarmige Bandit gleich mehrere Väter, denen man die Entwicklung zuschreibt. Zwei davon sind die Brüder Adolphe und Arthur Caille. Die beiden Söhne französischer Einwanderer, aus East Saginaw im US-Bundesstaat Michigan, waren begeisterte Mechanik-Tüftler. Am meisten hatten es ihnen Geldautomaten angetan. Ihre erste erfolgreiche Erfindung war dementsprechend eine automatische Ladenkasse. Das Besondere daran war ein ausgeklügeltes System von Drähten, die als Führungsschienen dienten. Auf diese Weise wurden die eingegebenen Münzen sortiert. Diese fortschrittliche Kasse verkaufte sich hervorragend und bescherte den beiden Brüdern einen Geldsegen.

Im Jahr 1888, Adolphe und Arthur waren gerade 21 und 26 Jahre alt, gründeten sie ihre erste Firma, die sie "Caille Cash Carrier Company" nannten. Die beiden Brüder entwickelten auch Glücksspielautomaten und brachten 1889 mit der "Caille Black Cat" einen Apparat auf den Markt, der nicht nur durch seine hervorragende Technik, sondern auch durch sein Aussehen bestach. Die Frontpartie des mannshohen Kastens war im damals äußerst beliebten viktorianischen Stil reich verziert. Die "Black Cat" war zu jener Zeit das führende Modell auf dem Glücksspielapparatemarkt. Sie verfügte über einen raffinierten Zahnradantrieb und wurde nach dem Einwurf von Münzen mit einem seitlichen Hebel gestartet.

Charlie Fey erfindet “Liberty Bell“

Der obere Teil eines historischen Spielautomaten. Im Sichtfenster erkennt man die typischen Fruchtsymbole. An der rechten Seite der markante Bedienhebel. Darunter eine Grafik mit den Gewinnchancen. Oberhalb des Sichtfensters das Glockensymbol mit Jahreszahl 1776.

Dieser historische Automat steht in Dortmund

Karl August Fey war aus Bayern in die Vereinigten Staaten eingewandert. 1862 in Vöhringen bei Ulm geboren, wollte der gelernte Maschinenbauer, wie so viele andere deutsche Aussiedler auch, in der "Neuen Welt" sein Glück versuchen. 1889 erhielt er die amerikanische Staatbürgerschaft und änderte seinen Vornamen in Charles, genannt Charlie.

Fey spezialisierte sich in seiner neuen Heimatstadt San Francisco auf die Entwicklung und den Bau von Geldspielautomaten. Diese Geräte waren zu jener Zeit äußerst populär und erfreuten sich in allen Gesellschaftsschichten größter Beliebtheit. Der deutschstämmige Tüftler verbesserte mit seinem Apparat grundlegend die bis dahin gebräuchliche Bauweise. Bei den gängigen Spielautomaten ließ sich eine drehende Scheibe in Bewegung setzen, die meist einem Roulette nachempfunden war.

Bei dem Gerät, das Fey 1897 konstruierte und auf den Markt brachte, waren es drei Walzen, die verschiedene Symbole zeigten. Mit einem seitlich angebrachten Hebel wurden diese unabhängig voneinander laufenden Walzen nach dem Einwurf einer Münze drei Sekunden lang in Bewegung gesetzt. Kamen die rotierenden Walzen zum Stillstand, wurde je nach Stellung der Symbole von der Maschine selbsttätig ein entsprechender Gewinnbetrag ausbezahlt. Der höchste Gewinn wurde gezahlt, wenn die Walzen bei Stillstand drei Glockensymbole zeigten.

Als stolzer Staatsbürger der Vereinigten Staaten nannte Fey seinen Apparat nach der amerikanischen Freiheitsglocke "Liberty Bell". An seinem ehemaligen Wohnhaus in der Market Street in San Francisco erinnert heute eine Gedenktafel an den 1944 verstorbenen Erfinder.

FBI jagt Einarmige Banditen

Ein Schwarzweiß-Foto zeigt eine Automatenhalle in Las Vegas im Jahr 1940. Von einem erhöhten Standpunkt aus fotografiert, sieht man Frauen und Männer, die an den Geräten ihr Glück versuchen.

Automatenhalle in Las Vegas im Jahr 1940

Auch heute haben viele der neuzeitlichen Automaten noch den nostalgischen Hebelarm an der Seite behalten, der ihnen einst ihren Namen gegeben hat. Ein Relikt ohne Funktion aus längst vergangenen Zeiten, dem jedoch eine große Symbolik anhaftet. In den noch relativ jungen Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts galt während der Gründerjahre der Grundsatz, sein Glück selbst in die Hand zu nehmen. Der markante Hebel an den Glücksspielapparaturen verkörperte dieses Motto auf seine Weise. Manche der Geräte wurden, um ein drohendes Verbot der beliebten Apparate zu umgehen, vom Hersteller mit Sonderfunktionen ausgestattet. Sie spielten Musikstücke oder warfen Kaugummipäckchen und Pfefferminzbonbons aus.

Der Begriff "Einarmiger Bandit" erhielt in den 1920er Jahren eine ganz besondere Bedeutung. Damals hatte vorübergehend die Mafia das gute Geschäft mit dem Glücksspiel vollends an sich gerissen. Die Clans kontrollierten die legalen Clubs, verdienten aber auch viel Geld in illegalen Spielhöllen, die sie mit den Spielautomaten ausgestattet hatten. Da die Beamten der örtlichen Polizeibehörden oft auf der Gehaltsliste der Mafiabosse standen, wurde die Bundespolizei auf den Plan gerufen. Das FBI machte regelrecht Jagd auf die Einarmigen Banditen. Hatten sie ein Nest aufgestöbert, wurden die Maschinen gleich an Ort und Stelle mit dem Hammer zertrümmert, oder auf Schiffe verladen und auf dem offenen Meer über Bord geworfen.

Automatenspiel ohne Grenzen

In einer Spielhalle sieht man eine Reihe von modernen Spielautomaten. Sie alle haben an der rechten Seite einen Bedienhebel angebracht. Vor einem Gerät sitzt ein junger Mann auf einem Barhocker und schaut gebannt auf die Anzeigetafel des Apparates.

Einarmige Banditen im 21. Jahrhundert

Heute ist der Oberbegriff für alle Spielautomaten in den USA "Slot Machines". Diese Bezeichnung wurde gewählt, weil alle Geräte eines gemeinsam haben: Man muss Geld in einen Schlitz, auf Englisch "Slot", stecken, um sie in Gang zu setzen. Längst ist die alte Zahnradmechanik in den Gehäusen der Glücksmaschinen von moderner Elektronik abgelöst worden. Anstelle der rotierenden Walzen machen nun oft Bildschirme für den Kunden die jeweilige Spielillusion perfekt. In bequemen Sesseln sitzend, kann man auf virtuellen Roulette- oder Black-Jack-Tischen seine Einsätze machen, oder Pferderennen nachempfinden. Die Höhe des Spieleinsatzes und die daraus resultierenden Gewinnquoten können die Spieler dabei ganz nach Risikobereitschaft selbst bestimmen. Für den Ablauf des Spiels sorgt ein computergesteuertes Rechnersystem mit einprogrammiertem Zufallsprinzip.

Neben den vielen Gerätevarianten, an denen man sein Glück auf die Probe stellen kann, gibt es auch bei den Gewinnchancen neue ungeahnte Möglichkeiten. So werben manche Spielkasinos in Europa mit einem Automaten-Jackpot im 100.000-Euro-Bereich. Aus den Spielerparadiesen in den USA hört man von Summen in Millionenhöhe. Doch trotz aller Vielfalt bei den Glücksspielautomaten findet man in den Spielhallen von Las Vegas und anderswo auch heute noch die typischen drei Glocken von Charlie Feys Einarmigem Banditen "Liberty Bell". Auch Glücksspieler haben scheinbar einen Sinn für Nostalgie.

Autor/in: Alfried Schmitz

Stand: 02.05.2014, 13:00

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