Die Geschichte Mexiko-Stadts

Die mexikanische Fahne ganz nah.

Mexiko-Stadt

Die Geschichte Mexiko-Stadts

Wo heute die Megastadt steht, war früher ein See – der Lago de Texcoco. Schon vor 12.000 Jahren siedelten dort Menschen. Und große Reiche hatten hier ihren Mittelpunkt. Teotihuacán liegt 40 Kilometer nordöstlich des Sees. Sie war die Hauptstadt eines Reiches, dessen Einfluss bis Guatemala reichte. Tula, die Hauptstadt der Tolteken, lag 65 Kilometer nördlich. Als das Reich der Tolteken im 13. Jahrhundert zusammenbrach, wurde Tula verlassen. Damit war der Weg frei für die Azteken: Und so beginnt die Geschichte von Mexiko-Stadt.

1325: Die Azteken, damals noch ein Nomadenstamm, kommen zum Westufer des Texcocosees. Der Legende nach sehen sie dort einen Adler, der auf einem Kaktus sitzend eine Schlange verspeist. Ein Zeichen ihres Kriegsgottes Huitzilopochtli, an dieser Stelle eine Stadt zu errichten: Tenochtitlán, Ort des Kaktus.

Die Stadt wird zum Mittelpunkt des riesigen Aztekenreiches. Um die rasant wachsende Bevölkerung zu ernähren, legen die Azteken Gärten auf künstlichen Inseln an und deichen den Lago de Texcoco ein.

1519: Als der spanische Eroberer Hernán Cortés 1519 mit einer kleinen Armee nach Tenochtitlán kommt, leben in der Stadt weit über 100.000 Menschen. Der Aztekenherrscher Moctezuma II. glaubt, in Cortés den weißhäuptigen bärtigen Gott Quetzalcoatl zu erkennen und heißt die Spanier willkommen.

Er lässt Cortés und einige Männer sogar in seinen Palast – wo sie ihn als Geisel nehmen. Es folgt ein jahrelanges zähes Ringen um die Stadt, bei dem der leichtgläubige Moctezuma von seinen eigenen Untergebenen getötet wird.

Bild: Hernan Cortez bei Moctezuma II.

Hernán Cortés und Moctezuma II.

1521: Nach einer 79-tägigen Belagerung kann Cortés Tenochtitlán unterwerfen. Damit beginnt die 300 Jahre dauernde Herrschaft der Spanier. Den größten Teil der Aztekenstadt zerstören die Eroberer schon bei der Einnahme, den Rest vernichten sie während ihrer Herrschaft.

1535: Mexiko-Stadt wird die Hauptstadt des Vizekönigreichs Neuspanien. Aus den Überbleibseln der zerstörten Aztekenstadt erbauen die Spanier eine elegante, prächtige Metropole: Sie ersetzen Tempel durch Kirchen, aztekische Paläste durch spanische und legen neue Straßen, Plätze und Parks an.

1553: Gründung der Universität. Mit mehr als 260.000 Studenten ist die UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) heute die größte Universität Lateinamerikas. Gut ist sie noch dazu: Die britische Tageszeitung "The Times" erklärte die Uni 1995 nach einer Untersuchung zu den 100 besten Unis der Welt.

1629: Eine große Überschwemmung setzt weite Teile von Mexiko-Stadt für mehrere Jahre unter Wasser. Es ist nicht die erste Flutkatastrophe: Die Spanier verkennen die Bedeutung der Kanäle und Deiche und lassen sie lange verkommen. In dem sumpfigen Gebiet brechen immer wieder Krankheiten aus.

Auf der Spitze der hohen Säule eines Denkmals steht ein goldener Engel.

Der goldene Engel ist ein Symbol der Unabhängigkeit

1821: Der mexikanische Unabhängigkeitskrieg endet mit der Einnahme von Mexiko-Stadt durch die Rebellen. Ihr Anführer Agustín de Iturbide wird im nächsten Jahr zum Kaiser gekrönt. Mexiko-Stadt hat zu dieser Zeit 160.000 Einwohner, deutlich weniger als unter den Azteken. Trotzdem ist Mexiko-Stadt zu dieser Zeit noch die größte Stadt Amerikas.

1847: Im mexikanisch-amerikanischen Krieg wird Mexiko-Stadt von den USA eingenommen und fünf Monate lang besetzt. Der Krieg endet mit dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo, mit dem die Mexikaner Kalifornien, Arizona, Colorado, Nevada, New Mexico und Texas an die USA abtreten.

1861 bis 1872: Liberale Reformen unter Benito Juárez. Seine Amtszeit wird durch eine bewaffnete Intervention der Franzosen unterbrochen. Von 1863 bis 1867 ist Mexiko-Stadt französisch besetzt: unter dem Vorwand der Eintreibung von Auslandsschulden.

Der Palast der schönen Künste, beleuchtet in der Dämmerung

Der Palast der schönen Künste

1877 bis 1911: Unter der Diktatur von Porfirio Díaz beginnt die Industrialisierung. In Mexiko-Stadt entstehen viele Bauwerke im Pariser Stil, außerdem Villen und Theater. Damit die Stadt weiter wachsen kann, wird ein großer Teil des Lago de Texcoco trockengelegt.

1921: Die Bauern, angeführt von Emiliano Zapata und Pancho Villa, gewinnen die mexikanische Revolution. Sie fordert Tausende Tote und bringt Hunger und Krankheit nach Mexiko-Stadt. Durch die Industrialisierung gewinnt die Stadt jedoch weiter an Bedeutung: Geld und Menschen strömen hierher.

1968: In Mexiko-Stadt protestieren Hunderttausende Studenten gegen Korruption und autoritäre Politik. Präsident Gustavo Díaz Ordaz fürchtet um den Ruf der Stadt, schließlich richtet Mexiko-Stadt im gleichen Jahr die Olympischen Spiele aus.

Um Stärke zu demonstrieren, richtet die Polizei ein Massaker an. Bei einer Demonstration am 2. Oktober werden Hunderte Studenten erschossen. Die Olympischen Spiele beginnen eine Woche später ganz nach Plan.

So hoch oben wurden die Olympischen Sommerspiele noch nie ausgetragen. Gut für die Sportler auf den Kurzstrecken – ihnen bringt die dünne Luft fantastische Leistungssteigerungen. Allein in der Leichtathletik gibt es 48 neue Weltrekorde.

Auf den Langstrecken hingegen kollabieren viele Sportler wegen des Sauerstoffmangels im Blut: "Der Tod läuft mit" titeln deutsche Zeitungen.

1985: Bei einem verheerenden Erdbeben der Stärke 8 sterben mindestens 10.000 Menschen. Große Teile der Innenstadt werden zerstört. Heute bemüht man sich, in Mexiko-Stadt so zu bauen, dass die Gebäude auch auf dem weichen Boden starken Stößen standhalten können.

Ruinen eines Hochhauses neben einem unversehrten Hochhaus

Das Edbeben zerstörte viele Gebäude in der Stadt

2003: Der Torre Mayor wird fertiggestellt. Der Wolkenkratzer ist 228 Meter hoch und damit zu diesem Zeitpunkt das höchste Gebäude Lateinamerikas. Eine besondere Herausforderung war der erdbebensichere Bau. Der Turm ist ein Symbol für die internationale Bedeutung von Mexiko-Stadt als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum.

Autorin: Christine Buth

Stand: 13.09.2017, 10:07

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