Drogenkrieg in Mexiko

Mexiko - Von der Revolution bis heute

Drogenkrieg in Mexiko

Konflikte zwischen den mexikanischen Drogenkartellen stehen nicht erst seit heute auf der Tagesordnung. Doch seitdem der ehemalige Staatspräsident Felipe Calderón nach seinem Amtsantritt 2006 die Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität in Mexiko zur Chefsache gemacht hat und eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den USA ankündigte, ist der Drogenkrieg erst richtig ausgebrochen. Mit der massiven Verstärkung der Militärpräsenz in den nördlichen Bundesstaaten und der Verfolgung der einzelnen Drogenclans haben die gewalttätigen Auseinandersetzungen stark zugenommen.

Einer der gefährlichsten Orte der Welt

Polizisten sichern den Ort, an dem eine Leiche gefunden wurde.

Jeden Tage sterben in der Grenzstadt Ciudad Juárez Menschen

Seit Beginn des Drogenkrieges im Jahr 2006 werden Schätzungen zufolge jedes Jahr mehrere tausend Menschen ermordet, darunter zunehmend Zivilisten, die unbeabsichtigt zwischen die Fronten geraten. Besonders hart umkämpft sind die mexikanischen Grenzstädte wie Tijuana, Nogales, und Ciudad Juárez. Letztere zählt mittlerweile zu den gefährlichsten Städten der Welt.

In den 1990er Jahren geriet Juárez wegen einer bis heute unaufgeklärten Serie von Frauenmorden in die Schlagzeilen. Jetzt sind es die Opfer des Drogenkrieges. Im Durchschnitt werden hier sieben Morde pro Tag begangen. Oft trifft es Unschuldige, die nur durch Zufall zwischen die Fronten geraten sind.

In Juárez bekämpfen sich vor allem zwei Drogenkartelle: das Sinaloa-Kartell und das Juárez-Kartell. Hauptkonfliktpunkt sind die begehrten Schmuggelwege in die USA. Durch den massiven Druck der Regierung haben sich viele Kartelle gespalten. In einigen Gebieten ist daher nicht mehr klar, wer das Sagen hat. Die dadurch entstandene Konkurrenz um Absatzmärkte und Transitrouten hat die Kämpfe extrem verschärft.

Vom Transitland zum Produktionsort

Von Mexiko aus gelangt der Hauptteil aller Drogen in die USA. Jahrzehntelang galt es in erster Linie als Transitland für Kokain aus Kolumbien. Schätzungsweise 90 Prozent des Kokains kamen über die mexikanische Grenze in die USA. Seit einigen Jahren ist aber noch ein anderer Faktor hinzugekommen.

Als die Nachfrage nach Kokain in den USA nachließ, erschlossen sich die mexikanischen Kartelle neue Absatzmärkte im Inland. Die Kartelle operieren mittlerweile auch im Landesinneren. Auf vielen kleinen Parzellen in den Bergen, die aus der Luft kaum zu erkennen sind, wird illegal der Anbau von Marihuana und Heroin betrieben.

Ein Soldat geht in den Bergen von Mexiko durch ein blühendes Mohnfeld.

Soldat durchforstet ein illegales Mohnfeld

Auch die Produktion synthetisch hergestellter Drogen hat zugenommen. Das hat zur Folge, dass der Drogenkonsum im Land um ein Vielfaches gestiegen ist und immer mehr Mexikaner in das Drogengeschäft verwickelt werden. Es sind nicht nur korrupte Beamte und Polizisten, die ihren Profit im Drogengeschäft wittern, sondern auch viele junge Menschen, die mangels Alternative keine andere Arbeit finden. Die Armut ist ein großer Faktor, der das Drogengeschäft für junge Mexikaner aus den Vorstadtslums attraktiv macht.

Die Barden der Drogenbarone

Seltsame Blüten treibt der Drogenkrieg auch in der Musikbranche. In den vergangenen 30 Jahren erfreuten sich Mexikos Bands, die über die grausamen "Heldentaten" der Drogenbosse singen, eines zweifelhaften Ruhmes. Dieses Phänomen ist in Mexiko unter dem Begriff "Narcocorrido" bekannt. "Corridos" sind Balladen, mit denen die Revolutionäre im letzten Jahrhundert die Heldentaten ihrer Kämpfer besangen. "Narco" bezeichnet schlicht und einfach den Drogenkrieg. Viele der Bands glorifizieren gegen Bares oder Luxusgüter die Morde und Verbrechen ihrer Paten.

Auf dem Foto führt ein Soldat einen Gefangenen vor. Es handelt sich um einen Drogenboss in Mexiko.

Ein wichtiger Drogenboss wurde geschnappt

Sie erfreuen sich in der Bevölkerung, zumindest im Norden, großer Beliebtheit. Singen sie doch von dem, was die Regierung oft totzuschweigen versucht. Die würde die "Narcocorridos" am liebsten verbieten und hat bereits eine erfolgreiche Gegenkampagne bei den Radiosendern gestartet. Das hat bislang aber den Kultstatus der Drogenbarden nicht wirklich beeinträchtigt. Die Günstlinge der Drogenbosse leben manchmal genauso gefährlich wie diese selbst. Im Juni 2010 wurde einer der bekanntesten "Narco-Sänger", Sergio Vega, in seinem Cadillac auf offener Straße ermordet.

Mit harter Hand gegen die Drogenmafia

Seit 2008 unterstützen die USA mit dem sogenannten Merida-Abkommen den Kampf Mexikos gegen die Drogenkartelle mit finanzieller Hilfe, Logistik und Knowhow. Doch mittlerweile ist klar, dass diese Maßnahmen allein nicht ausreichen, zumal Korruption innerhalb der mexikanischen Polizei und beim Militär verhindert, dass die Killer der Clans gefasst werden. Deshalb hat Präsident Calderón, der bis 2012 im Amt war, angekündigt, den Krieg gegen die Drogenmafia auch mit Bildung und Sozialarbeit zu bekämpfen. Doch Kritikern ist auch das zu wenig. Viele meinen, dass der Drogenkrieg nur zu gewinnen sei, wenn die Regierung endlich die Finanznetze der Mafia ins Visier nähme oder bereit sei, den Drogenkonsum im Lande zu legalisieren.

Autorin: Sandra Kampmann

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Stand: 09.07.2015, 10:00

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