Ostfriesische Inseln

Nordsee

Ostfriesische Inseln

Ähnlichkeiten zwischen den sieben ostfriesischen "Schwestern" in der Nordsee sind vorhanden, aber doch hat jede Insel ihr eigenes Gesicht und ihren eigenen Charakter. Und wenn die Gäste erst einmal herausgefunden haben, welches der kleinen Urlaubsparadiese am besten zu ihnen passt, entsteht oft eine Liebe, die ein ganzes Leben lang hält.

Die Größte: Borkum

Karte von Nordwestdeutschland, auf der die sieben Ostfriesischen Inseln in Orange hervorgehoben sind.

Karte von Nordwestdeutschland, auf der die sieben Ostfriesischen Inseln in Orange hervorgehoben sind.

Spitzname: Die Bohneninsel, vermutlich weil dort vor rund 2000 Jahren die Pferdebohne angebaut wurde. Jedenfalls ging sie schon bei Plinius dem Älteren (23-79 nach Christus) als "Burchana fabaria", zu Deutsch "Bohneninsel", in die römische Geschichtsschreibung ein.

Alter: Borkum gilt als Rest der größeren Insel Bant, die schon im Altertum besiedelt war. Sie wurde im Mittelalter durch Sturmfluten immer weiter zerschlagen, bis im 18. Jahrhundert schließlich nur noch das heutige Borkum übrig blieb. Der Name lässt sich aus dem ersten Namen Burchana herleiten, der sich später zu Borkna (1227), dann zu Borkyn (1398) und schließlich zu Borckum (1462/1527) wandelte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Eiland offizielles Seebad.

Größe: Borkum ist nicht nur die westlichste, sondern mit einer Fläche von etwa 36 Quadratkilometern auch die größte Ostfriesische Insel. Knapp 300.000 Gäste kommen jedes Jahr auf zirka 5500 Einwohner.

Eigenschaften: Unkompliziert, leger und ohne Hang zum Luxus - für diese Eigenschaften war Borkum vor allem im 19. Jahrhundert bekannt. Damals war das Leben auf der Insel noch sehr preiswert und die Gäste genossen es, dort Urlaub jenseits der strengen gesellschaftlichen Etikette zu machen. Inzwischen hat Borkum mit eleganten Geschäften in der Fußgängerzone, einem Spielcasino und vielfältigem Nachtleben auch seine extravaganten Seiten entdeckt. Für Sonnenanbeter und Schwimmer macht der etwa 26 Kilometer lange Sandstrand einen Hauptreiz von Borkum aus.

Das Bild zeigt einen Sandstrand am Rande der Dünen, der voll mit bunt gestreiften Strandkörben ist. Im Vordergrund ist ein weißes Strandcafé zusehen. Im Hintergrund steht der rot-weiß-gestreifte Leuchtturm Borkums vor blauem Himmel.

Borkums Strände: Paradies für Sonnenanbeter

Besondere Kennzeichen: Borkums Bimmelbahn holt die Gäste am Fähranleger ab und befördert sie ins Stadtzentrum. Das Heimatmuseum heißt hier "Dykhus" und beherbergt unter anderem ein komplettes Wal-Skelett. Die Insel mit ihrem großen Naturschutzgebiet gehört zum "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer". Mehr als 260 Vogelarten sind in den Feuchtwiesen, Sümpfen und im Watt zu Hause. Dank des Golfstromes herrscht auf Borkum ein Klima mit einer sehr pollenarmen und jodhaltigen Luft. Deshalb hat sich die Insel auch seit langem einen Namen in der Behandlung von Atemwegserkrankungen gemacht.

Die Längste: Juist

Spitzname: Das Töwerland (friesisch für "Zauberland")

Alter: 1398 wurde die Insel erstmals urkundlich erwähnt. Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Touristen sie als Kurbad zu entdecken.

Größe: Mit 17 Kilometern Länge und 500 Metern Breite ist Juist die längste und zugleich schmalste der Ostfriesischen Inseln. Sie verfügt über eine Fläche von gut 16,5 Quadratkilometern. Auf 1800 Einwohner kommen jährlich knapp 100.000 Gäste.

Eigenschaften: Sie gilt als ungekünstelte Naturschönheit, unabhängig und eher desinteressiert an Mode und Zeitgeist. Trotz der zahlreichen Gäste ist von Touristenrummel kaum etwas zu spüren.

Das Bild zeigt im Vordergrund den grauen, runden Backsteinleuchtturm mit weißer Spitze. Er steht auf einer Wiese, im Hintergrund sind einige Häuser mit roten Dächern vor blauem Himmel zu sehen.

Der Juister Leuchtturm wurde 1939 erbaut

Besondere Kennzeichen: Juist ist autofrei. Zum Naturschutzgebiet gehört der Hammersee, der größte Süßwassersee der Ostfriesischen Inseln. Das Eiland beherbergt viele seltene Pflanzenarten wie das Moosglöckchen oder das Sumpfherzblatt. Die Insel ist kinderfreundlich mit vielen Spielplätzen. Hunde müssen überall an der Leine geführt werden. Es gibt keinen offiziellen FKK-Strand.

Die "Königin": Norderney

Spitzname: Die "Königin der Nordsee"

Alter: Unter den sieben Ostfriesischen Inseln ist Norderney die jüngste. Sie entstand, als im 14. Jahrhundert die zwischen Juist und Baltrum gelegene Insel Buise in zwei Teile brach. Während der westliche Teil in der Petri-Flut von 1651 verschwand, wurde aus dem östlichen Teil die Insel Norderney. 1800 wurde sie zum ersten offiziellen deutschen Nordseebad ernannt.

Größe: Norderney ist mit einer Länge von 14 Kilometern und einer Breite von bis zu zwei Kilometern die zweitgrößte Ostfriesische Insel. Auf ihrer Fläche von 25 Quadratkilometern tummelten sich jedes Jahr mehr als 300.000 Gäste. Sie hat die höchste Einwohnerzahl der sieben Inseln: Rund 6500 Menschen leben dort.

Eigenschaften: Das "Nesthäkchen" unter den Sieben gilt als quirlig und lebhaft. Norderney will sich aber nicht unbedingt als Ziel für besonders vergnügungssüchtige Gäste einen Namen machen, sondern sieht sich selbst lieber als mondäner Kurort mit Tradition und als kulturelles Zentrum. Ein 80 Kilometer langes Rad- und Wanderwegenetz macht die Insel zum vielseitigen Terrain für Spaziergänger, Reiter und Radfahrer.

Das Bild zeigt das elegante, weiße Gebäude des Kurhauses mit dunklem Dach. Links im Vordergrund sind gelbe und weiße Narzissen und ein Baum zu sehen.

Im Kurhaus findet man die Spielbank

Besondere Kennzeichen: Neben Sehenswürdigkeiten wie dem Heimatmuseum "Altes Fischerhaus", der alten Inselwindmühle, dem Leuchtturm aus dem Jahr 1872 oder dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in der Stadtmitte findet man auf Norderney auch ein großes Naturschutzgebiet, das fast die Hälfte der Insel einnimmt. In den riesigen Salzwiesen leben seltene Vogelarten wie der Rotschenkel. In den Feuchttälern zwischen den Dünen sind Moore und Salzsümpfe entstanden, in denen man Pflanzen wie Sonnentau oder Königsfarn findet. Autos dürfen zwar mit auf die Insel genommen werden, müssen aber nach dem Gepäckausladen auf Parkplätzen außerhalb des Zentrums bleiben.

Das "Dornröschen": Baltrum

Spitzname: Die Dornröscheninsel

Alter: Mit ihren 600 Jahren zählt sie zu den jüngeren Schwestern unter den Ostfriesischen Inseln - im 14. Jahrhundert wurde sie erstmals urkundlich erwähnt und war damals bereits bewohnt. Die ersten wenigen Badegäste kamen Ende des 19. Jahrhunderts.

Größe: Mit 6,5 Quadratkilometern war sie lange die kleinste der Ostfriesischen Inseln - inzwischen hat Wangerooge ihr durch den Landabbruch diesen Rang aber abgelaufen. Auf Baltrums 500 Einwohner kommen jährlich über 40.000 Besucher.

Eigenschaften: Sie ist romantisch, zurückhaltend, ungeschminkt und kinderlieb. Baltrum ist nicht umsonst erst spät aus seinem "Dornröschenschlaf" erwacht. Noch immer mag man es dort gemütlich und hält nichts von modernem Schnickschnack. Selbst Fahrräder sind nur für die Einwohner vorgesehen.

Das Bild zeigt in der Mitte ein Fuhrwerk mit zwei Pferden und einem stehenden Kutscher. Darum herum stehen viele Touristen. Im Hintergrund sind einige Häuser zu sehen.

Pferdefuhrwerke sind wichtige Transportmittel

Besondere Kennzeichen: Das Inselwahrzeichen ist eine Glocke, die von einem holländischen Schiffswrack stammt und im Ortskern aufgehängt ist. Ansonsten hat Baltrum vor allem Natur zu bieten. Zwar ist das Naturschutzgebiet auf der Mini-Insel entsprechend klein, die besondere Ruhe kommt den Küsten- und Flussseeschwalben sowie den Lachmöwen aber zugute. Natürlich ist Baltrum autofrei.

Die Kinderliebe: Langeoog

Alter: Die Insel wird erstmals 1289 erwähnt. Vermutlich ließen sich Ende des späten 13. Jahrhunderts auch die ersten Menschen dort nieder.

Größe: Mit rund 20 Quadratkilometern ist sie von mittlerer Größe. Auf rund 2100 Einwohner kommen jährlich über 100.000 Gäste.

Eigenschaften: Langeoog ist ganz besonders kinderlieb beziehungsweise elternfreundlich: Ein großer Spielplatz am Ortsrand sowie zwei eigens für Kinder eingerichtete Häuser, die "Spöölstuv" (Spielstube) und das "Spöölhus" (Spielhaus) locken viele Familien an. In der "Spöölstuv" können Eltern ihre Kinder auch einmal abgeben, wenn sie einen kinderfreien Nachmittag verbringen wollen. Die Insel schätzt treue Fans: Wer Langeoog 25 Mal besucht hat, wird vom Kurdirektor zum Ehrengast ernannt.

Das Bild zeigt den weißen Wasserturm Langeoogs in den Dünen. Er steht mitten in den Dünen. Hintergrund des Bildes sind blauer Himmel mit weißen Wolken.

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen

Besondere Kennzeichen: Sie ist autofrei, dafür befördert die kleine Inselbahn die Gäste vom Hafen zum Bahnhof. Das Wahrzeichen ist der Wasserturm am Ortsrand. Die Insel bietet eine eindrucksvolle Dünenlandschaft und einen 14 Kilometer langen Sandstrand. Stolz ist man hier auf die ehemalige Bewohnerin Lale Andersen (1905-1972). Die Sängerin, die mit dem Lied "Lili Marleen" berühmt wurde, lebte hier von 1945 bis zu ihrem Tod und ist auf dem Dünenfriedhof begraben. Zum 100. Geburtstag wurde ihr ein Denkmal im Ortszentrum gesetzt.

Die Stille: Spiekeroog

Spitzname: Die Stille

Alter: Wahrscheinlich war die Insel schon um die Zeitenwende besiedelt. Erstmals wird sie im Jahr 1398 urkundlich erwähnt.

Größe: Spiekeroog ist rund 17 Quadratkilometer groß. Auf etwa 900 Einwohner kommen jährlich im Schnitt über 40.000 Gäste.

Eigenschaften: Spiekeroog gilt als die "urigste" unter den Ostfriesischen Inseln. Hier setzt man auf dörflichen Charme statt auf munteres Nachtleben. Ein ideales Ziel für alle, die vor allem Ruhe und Erholung suchen.

Das Bild zeigt mehrere Fußgänger, die die Straße entlang bummeln. Rechts ist ein weißes Lokal zu sehen, auf dem ‚Capitänshaus’ steht. Im Hintergrund sind Bäume.

Hier verläuft das Leben beschaulich

Besondere Kennzeichen: Spiekeroog ist die einzige Ostfriesische Insel ohne Flugplatz. Autos sind verboten und selbst Fahrräder sind offenbar nicht gern gesehen - einen Fahrradverleih sucht man jedenfalls vergeblich. Die Insel besticht durch besonders schöne alte Friesenhäuser und eine intakte Natur. Ihre Einwohner gelten als besonders umweltbewusst. Über die Hälfte der Insel-Fläche ist Naturschutzgebiet. Ein kurioses Muschelmuseum lädt zum Stöbern ein. Die rund 300 Jahre alte Dorfkirche ist die älteste erhaltene Kirche der sieben Inseln.

Die Kleinste: Wangerooge

Luftbild der Insel Blick über die kleinste der Ostfriesischen Inseln

Die Kleinste: Wangerooge

Spitzname: Die Wanderlustige. Durch Seegang und Strömungen gibt es im Westen starke Dünenabbrüche, während im Osten Sand angeschwemmt wird, so dass sie sich immer weiter Richtung Osten verlagert.

Alter: Die Insel hat vermutlich schon zur Zeitenwende existiert; damals hat sie aber wohl wesentlich weiter im Westen gelegen. Sie wird im frühen 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Wangerooge feierte 2004 Jubiläum - 200 Jahre Seebad.

Größe: Neueste Messungen haben ergeben, dass die östlichste der ostfriesischen Schwestern inzwischen durch Landabbruch im Westen auf rund fünf Quadratkilometer geschrumpft ist - somit ist sie heute die kleinste Ostfriesische Insel. Auf zirka 1200 Einwohner kommen im Jahr rund 200.000 Besucher.

Eigenschaften: Sie gilt als lebendig und familienorientiert. Vor allem in der Zedeliusstraße, der Hauptstraße vom Inselbahnhof zur Strandpromenade, pulsiert das Leben.

Besondere Kennzeichen: Gleich drei Türme gibt es auf Wangerooge: den alten und den neuen Leuchtturm sowie den Westturm, in dem heute die Jugendherberge untergebracht ist. Der "Nabel" der Insel ist das kreisförmige "Café Pudding" an der Strandpromenade. Wangerooge ist autofrei und verfügt über ein gemütliches Inselbähnchen, das die Gäste vom Hafen in den Ort bringt. Im Naturschutzgebiet finden sich seltene Pflanzenarten wie Strandflieder oder Grasnelken.

Autor/in: Britta Schwanenberg, Annette Holtmeyer

Stand: 28.08.2012, 13:00

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