Wattenmeer

Rippeln im Watt vor strahlend blauem Himmel.

Nordsee

Wattenmeer

Im Rhythmus der Gezeiten entstand über Jahrtausende an der deutschen Nordseeküste eine der fruchtbarsten Naturlandschaften der Welt: das Wattenmeer. Es erstreckt sich von den Niederlanden über die gesamte deutsche Nordseeküste bis zur dänischen Stadt Esbjerg und ist das größte Wattenmeer der Erde. So suchen Jahr für Jahr Millionen von Vögeln das Wattenmeer auf, um zu rasten oder zu überwintern. Und obwohl die weiten Sandflächen des Watts bei Ebbe öde und kahl wirken, leben dort Abertausende Organismen, Tiere und Pflanzen.

Das größte Wattenmeer der Welt

Karte der deutschen Nordseeküste, auf der die Wattgebiete eingetragen sind.

Größtes Ökosystem seiner Art

Das Wattenmeer an der Nordsee ist das bedeutendste Wattenmeer weltweit und mit etwa 8000 Quadratkilometer Wasseroberfläche das größte Ökosystem seiner Art. Es erstreckt sich über eine Länge von ungefähr 450 Kilometern von der niederländischen Stadt Den Helder im Westen über das deutsche Küstengebiet bis zum nördlich gelegenen Esbjerg in Dänemark.

Das Wattenmeer erreicht vom Festland aus eine Ausdehnung von bis zu 40 Kilometern in die offene See hinaus. Bei Niedrigwasser fällt im deutschen Einzugsgebiet an der Nordsee eine Fläche von etwa 3500 Quadratkilometern trocken.

Wattküsten weltweit

Blick über ein Wattenmeer auf den französischen Klosterberg Mont St. Michel.

Watt gibt es auch am Mont St. Michel

Weitere bedeutende Wattenmeere sind das Saemangeum in Korea oder das Wattenmeer rund um den französischen Mont St. Michel am Atlantik. Auch in den USA, Japan, Irland und England kennt man Wattenmeere.

Sogar in tropischen Gebieten der Erde gibt es Küstenräume, die dem Ökosystem Wattenmeer gleichen. Durch die unterschiedlichen klimatischen Gegebenheiten sind diese Biotope in der Regel mit Mangroven überwachsen. Man spricht dort daher nicht von Wattenmeeren, sondern von Gezeitenwäldern.

Zonengürtel des Wattenmeeres

Eine Quellerpflanze im Sand.

Queller sind typische Pflanzen im Watt

Als Wattenmeer (das "watend begehbare Meer") bezeichnet man einen weitläufigen Küstenstreifen, der unter starkem Einfluss der Gezeiten steht. Das Watt ist der Meeresboden des Küstenraums, der im Wandel von Ebbe und Flut täglich zweimal vom Meer überspült wird und wieder trocken fällt.

Während der Deichgürtel die künstlich gezogene Grenze zwischen flutfreiem Festland und offener Nordsee bestimmt, beginnt hinter dem Deich der komplexe Küstensaum des Wattenmeeres.

Bei den für das Wattenmeer so typischen Salzwiesen ist der Name Programm: Das grüne Vorland der Salzwiesen weist trotz der für viele Organismen tödlichen Salzkonzentration eine erstaunliche Vegetationsdichte auf, in der besonders die Quellerpflanzen, die botanischen Pioniere des Watts die Landschaft dominieren.

Mit sachtem Gefälle weitet sich hinter den Salzwiesen dann die offene Ebene des Watts aus. Im regelmäßig überspülten Uferbereich des Wattenmeeres befindet sich der fruchtbare Lebensraum für Millionen von Organismen.

Schlick und Sand

Der bei Ebbe schier endlos erscheinende Wattboden mit seinen typischen, durch Strömung und Wellenbewegung gekräuselten Gemarkungen, den Rippeln, macht das Herz des Wattenmeeres aus. Das Weichbodenwatt bestimmt das Bild der Nordseeküsten mit seinen drei Sedimentzonen: dem Schlickwatt, dem Mischwatt und dem Sandwatt.

Das Schlickwatt, das dem barfuß laufenden Wattbesucher zwischen den Zehen hervorquillt, gehört mit der hohen Populationsdichte seiner Bewohner zu den wertvollsten Lebensräumen im Wattenmeer. Schlick besteht einerseits aus feinsten Tonsedimenten, andererseits aus zermahlenen organischen Überresten, die der Nordsee über Flussläufe zugeführt werden.

Schlick ist auch für die ständige Eintrübung des ufernahen Wattenmeeres verantwortlich. Mischwatte vermengen Schlick- mit Sandflächen und bilden den Übergang von Schlickzonen zum Sandwatt.

Im Misch- und Sandwatt trifft der Besucher so typische Wattbewohner wie den Wattwurm oder auch verschiedene Muscheln und Schnecken an. Der Wattwurm kennzeichnet seinen Lebensraum mit zahlreichen Kothäufchen, die bei Ebbe für die charakteristische Misch- und Sandwattoptik sorgen.

Priele – Wasserläufe im Wattenmeer

Luftaufnahme mit Prielen, die wie ein großes Flusssystem in der Wattfläche wirken.

Priele durchziehen das Watt

Wenn sich das Wasser bei Ebbe aus dem Watt zurückzieht, fließt es nur scheinbar ebenmäßig von den weiten Ebenen des Wattbodens ab. Bei näherem Hinsehen kanalisieren zahlreiche kleine Rinnsale und Verästelungen das zurückweichende Wasser und führen es mitunter mächtigen und reißenden, oft metertiefen Strömen zu: den Prielen.

Die Priele lockern die Ebenen des Wattbodens reliefartig auf und führen das ab- oder zufließende Wasser in die sogenannten Tiefs oder Seegats ab, breite und tiefe Wasserläufe zwischen den einzelnen Inseln und dem Festland.

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 27.09.2016, 11:16

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