Kyrillische Schrift

Russland

Kyrillische Schrift

Wer nach Russland reist, sollte sich das kyrillische Alphabet eingeprägt haben. Selbst in den Metropolen Moskau und St. Petersburg sind alle Schilder auf Russisch. Kein Erbarmen mit westlichen Touristen, selbst in der U-Bahn nicht.

Die Entstehung des Kyrillischen

Wer genau die kyrillische Schrift erfunden hat, ist bis heute umstritten. Fest steht, dass Kyrill und Method, zwei heiliggesprochene Brüder aus Saloniki, die Vorform des Kyrillischen im 9. Jahrhundert erfunden haben. Diese Vorform ist die sogenannte gagolithische Schrift. Zwei weitere Namen werden ins Spiel gebracht, wenn es um die Entstehung des Kyrillischen geht: Clemens von Ohrid, ein Schüler Kyrills, und eine Schule von Preslaw in Bulgarien. Einig ist man sich, dass das kyrillische Alphabet im 9. oder 10. Jahrhundert in Bulgarien entstand. Die meisten Buchstaben sind aus dem griechischen Alphabet in seiner byzantinischen Form abgeleitet. Um 1700 wurde die kyrillische Schrift im Russischen Reich im Zuge von Reformen Peters des Großen vereinfacht und optisch an die lateinische Schrift angepasst.

Verbreitung

Als Alphabet slawischen Ursprungs ist die kyrillische Schrift in mehreren slawischen Ländern üblich. Heute werden unter anderem Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch, Bulgarisch, Serbisch, Mazedonisch und das moderne Kirchenslawisch mit kyrillischen Zeichen geschrieben. Im Kaukasus und in Zentralasien gibt es verschiedene Turksprachen, die ebenfalls kyrillische Buchstaben verwenden. Die einzelnen Sprachen unterscheiden sich oft nur durch wenige Sonderzeichen. Daher ist es für jemanden, der eine slawische Sprache beherrscht, recht einfach, weitere hinzuzulernen.

Lehnwörter aus westeuropäischen Sprachen

Kyrillische Schrift an der orthodoxen Russischen Kirche Leipzig.

Die meisten Buchstaben sind aus dem griechischen Alphabet

So wie es auch im Deutschen Lehnwörter gibt, gibt es sie auch im Russischen. Der russische Adel im 18. Jahrhundert pflegte wie andernorts das Französische - entsprechend groß ist noch heute der Anteil französischer Worte, zum Beispiel жакет [shakjet] - Jackett, бюро [bjuro] - Büro. Deutsche Einwanderer aus dem 17. Jahrhundert brachten deutsche Wörter mit, zum Beispiel: бутерброд - belegtes Brot, курорт - Kurort, шлагбаум - Schranke, маштаб - Maßstab, шнур - Schnur. Im modernen Russisch gibt es aber auch Kuriositäten, wie wir sie mit dem Wort "Handy" kennen - ein Wort, das englisch klingt, aber im angelsächsischen Raum überhaupt nicht existiert. Statt von einer Firewall zu sprechen, die den Computer schützt, sprechen die Russen von einer "Brandmauer" und fügen hinzu, dass das Wort aus dem Deutschen kommt.

Autorin: Christiane Gorse

Stand: 13.11.2015, 10:00