Jesus von Nazareth

Religion

Jesus von Nazareth

Jesus von Nazareth ist die zentrale Figur des christlichen Glaubens. Das Neue Testament beschreibt ihn als den Sohn Gottes und erzählt von seinen wundersamen Taten und Gleichnissen. Dabei ist über den tatsächlichen Menschen Jesus nicht viel bekannt. Erst viele Jahre nach seinem Tod wurde seine Geschichte niedergeschrieben. So viel ist allerdings sicher: Der jüdische Wanderprediger muss eine unbeschreibliche Faszination auf die Bevölkerung ausgeübt haben.

Die Geburt Jesu

Porträt Jesus von Nazareth mit Dornenkranz auf dem Kopf und gefesselten Händen

Jesus von Nazareth

Der Legende nach wurde Jesus in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember im Jahre 0 geboren. Schließlich feiern wir an Weihnachten seinen Geburtstag und unterscheiden in der Zeitrechnung vor und nach Christi Geburt. Doch auch wenn die Wissenschaft nicht viel über die Geburt Jesu und seine Kindheit weiß, eines ist sicher: Jesus ist weder in der Nacht zum 25.12. noch im Jahre 0, das es überhaupt nicht gibt, geboren.

Der 25. Dezember, Tag der Wintersonnenwende, war in vielen frühen Kulturen ein besonderer Tag. Die Germanen feierten Mittwinter, auch Julfest genannt. Die Römer begingen die Saturnalien zu Ehren ihres Gottes Saturn, des unbesiegbaren Sonnengottes. Schon 217 nach Christus versuchte die junge christliche Kirche unter Papst Hippolyt mit der Festlegung des Geburtsfestes Christi auf den 25. Dezember Einfluss auf den heidnischen Brauch der Römer zu nehmen. Die Saturnalien sollten zu einem christlichen Fest umgewandelt werden - zunächst allerdings ohne Erfolg.

Als der römische Kaiser Aurelian im Jahre 275 das heidnische Sonnenfest "Natale Solis Invicti" (Geburt der unbesiegbaren Sonne) als Staatsfeiertag einführte, versuchten es die Christen erneut und datierten den Geburtstag Jesu ("Natale Christi") auf denselben Tag. Die Christen bezeichneten Jesus an verschiedenen Stellen in der Bibel als "die unbesiegbare Sonne", das "wahre Licht der Welt" (Johannes 8,9) und die "Sonne der Gerechtigkeit" (Maleachi 3,20) - ein geschickter Schachzug, um die Grenzen der heidnischen und christlichen Religionen verschwimmen zu lassen. Schließlich durchsetzen konnte sich die christliche Kirche aber erst im 4. Jahrhundert. Im 7. und 8. Jahrhundert kam der Brauch, die Geburt Jesu Christi am 25. Dezember zu feiern, auch in unsere Regionen.

Der historische Jesus

Jesus ist vermutlich um das Jahr 4 oder 6 vor unserer Zeitrechnung in Nazareth geboren und wuchs gemeinsam mit seinen Geschwistern (namentlich erwähnt sind nur seine Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon, seine Schwestern werden nicht benannt) und seinen Eltern, Joseph und Maria, in einem kleinen Dorf auf. Seine gesamte Familie war jüdisch. Ziemlich sicher ist, dass Jesus, ebenso wie sein Vater, Bauhandwerker war und einige Jahre in diesem Beruf tätig war. Seine Muttersprache war Aramäisch, wahrscheinlich lernte er auch Griechisch und später Hebräisch. Er konnte, trotz seiner vermutlich kurzen schulischen Ausbildung, lesen und schreiben. Im Laufe der Jahre entwickelte er beeindruckende sprachlichen Fähigkeiten, denn nur so konnte er seine anschaulichen Gleichnisse und aussagekräftigen Sprüche formulieren.

Jesus wird Prediger

Der entscheidende Wendepunkt im Leben Jesu ist die Begegnung mit Johannes dem Täufer. Jesus ist von seiner Botschaft so überzeugt, dass er sich dessen Bewegung, die zur Umkehr aufruft und davon ausgeht, dass der Messias bald erscheinen wird, anschließt und sich taufen lässt. Er lässt sein altes Leben hinter sich, verlässt seine Familie und Freunde und widmet sich von nun an nur noch der Religion. Schon bald fängt er selbst an zu predigen und schart eine immer größer werdende Gruppe von Anhängern um sich. Schließlich trennt er sich von Johannes und wird selbstständiger Prediger.

Sein Charisma und seine Ausdruckskraft lassen ihn schnell zu einer Art lokalen Berühmtheit werden. Seine neue, etwas freiere und oft revolutionäre Auslegung der jüdischen Schriften kommt bei vielen Menschen seiner Zeit gut an. In seinen Predigten richtet er sich an alle Bevölkerungsschichten und nicht ausschließlich an die Ausgestoßenen, Kranken und Armen, wie es oft dargestellt wird. Er stellt sich mit allen Menschen auf eine Stufe, isst und trinkt gemeinsam mit ihnen und spricht über das "Reich Gottes".

Die Kreuzigung

Jesus predigte immer an öffentlichen Plätzen und war deswegen weit über die Grenzen von Galiläa bekannt. Es wird vermutet, dass er aufgrund seiner revolutionären Auslegung der jüdischen Schriften von der traditionellen jüdischen Glaubensgemeinschaft als Gefahr angesehen wurde. Der Unruhestifter musste aus dem Weg geräumt werden. Wahrscheinlich wurde er nicht von den Römern selbst, sondern von der jüdischen Führungsschicht verhaftet, die ihn schließlich an die Römer übergaben. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Pontius Pilatus verurteilt Jesus zum Tod durch Kreuzigung.

Christliche Quellen

In der Bibel findet man vier verschiedene Versionen des Lebens und Wirkens Jesu. Die vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes verfassten viele Jahre nach der Kreuzigung Jesu, etwa zwischen den Jahren 70 und 100, ihre Texte über Jesus. Dabei ging es ihnen jedoch weniger um seine Familie, Freundschaften, Liebesbeziehungen, seine Kindheit oder seine Jugend als vielmehr um seine Zeit als Prediger, seine religiöse Botschaft und seine Wunder, die er vollbracht haben soll. Über sein tatsächliches Leben wird nur sehr wenig berichtet. Obwohl die vier Evangelien im Neuen Testament nur teilweise übereinstimmen und bisweilen sehr lückenhaft sind, bilden sie bis heute das Fundament des christlichen Glaubens.

Autor/in: Cordula Weinzierl/Wiebke Ziegler

Stand: 23.10.2014, 13:00

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