Der Name Amazonas

Luftbild auf den Amazonas.

Amazonien

Der Name Amazonas

Amazonien hat seinen Namen vom Amazonas, aber wie kam der Amazonas zu seinem Namen?

Darum geht's:

  • Spanische Eroberer suchen von Peru aus nach Schätzen in Amazonien.
  • Dabei treffen sie nach Monaten auf einen riesigen Fluss.
  • Der Fluss erhält zunächst den Namen seines Entdeckers.
  • Durch den Reisebericht eines Mönches heißt er bald Amazonas.

Im Februar 1540 bricht Gonzalo Pizarro, der jüngere Bruder von Francisco Pizarro, hoch zu Ross von Quito auf. Vom spanischen König hat er den Auftrag, das legendäre Zimtland "La Canela" zu erobern.

Außerdem spukt auch ihm das Gerücht vom sagenhaften Goldland Eldorado durch den Kopf. Mit ihm reist ein riesiger Tross von über 200 berittenen Soldaten, 4000 indianischen Trägern und über 5000 Schweinen, Hunden und packtragenden Lamas.

Unter den Spaniern befindet sich auch der Truppenführer Francisco de Orellana, dessen Name sich untrennbar mit dem Amazonas verbinden sollte.

Bereits die Überquerung der Anden fordert die ersten Opfer. Bei ihrem Abstieg in den tropischen Regenwald treiben Krankheiten, Angriffe feindlicher Indianer und die undurchdringliche Wildnis die Menschen an den Rand des Zusammenbruchs.

Nach zweieinhalb Monaten Marsch und rund 250 Kilometern Wegstrecke sind bereits rund 500 Tote zu beklagen und die Vorräte bis auf die Notrationen verbraucht. Am schlimmsten leiden die versklavten Hochlandindianer unter dem ungewohnten, schwülheißen Klima und der unerträglichen Lastenschlepperei.

Morgennebel über einem See am Amazonas.

Der Regenwald macht den Hochlandindianern zu schaffen

Schließlich erreichen sie müde und entkräftet ein Indianerdorf an einem Fluss, an dessen undurchdringlichem Ufer es kein Weiterkommen mehr gibt. Pizarro beschließt, ein Schiff zu bauen, da die Indianer von einer großen Siedlung berichten, die flussabwärts liege und in der es reichlich Nahrung und auch Gold geben würde.

Nach zwei weiteren Monaten ist das Schiff endlich fertig. Da Pizarro von starkem Fieber geschwächt ist, überträgt er das Kommando an Orellana. Am 26. Dezember 1541 bricht dieser zusammen mit über 57 Mann auf, darunter der Dominikanermönch Gaspar de Carvajal. Ihr Auftrag ist es, Lebensmittel für die hungernde Expedition zu besorgen.

Doch es ist eine Reise ohne Wiederkehr. Nach drei Tagen Fahrt übersteht das Schiff nur mit viel Glück und mit Hilfe der indianischen Lotsen an Bord einige riesige Stromschnellen. Eine Rückreise per Schiff ist damit unmöglich – und auch die Strapazen eines Fußmarsches würde wohl keiner überleben.

Die Männer entscheiden sich daher, den Fluss weiter hinabzufahren, in der Hoffnung, bald das Meer zu erreichen. Mit dieser folgenschweren Entscheidung werden Orellana und seine Männer zu den ersten Menschen, die den Amazonas von den Anden bis zu seiner Mündung in den Atlantik bereisen. 4500 Kilometer legen sie dabei in acht Monaten unter unsäglichen Strapazen zurück.

Büste von Francisco de Orellana

Francisco de Orellana befuhr als erster den gesamten Amazonas

Ihr ständiger Hunger treibt sie immer wieder an das dicht besiedelte Ufer. Dort gelingt es ihnen anfangs meist noch friedlich, sich mit Lebensmitteln bei den Indianern zu versorgen. Doch immer wieder kommt es auch zu gewaltsamen Raubzügen und bald schon eilt ihnen ihr Ruf voraus. Immer öfter geraten sie in Hinterhalte und schwere Kämpfe.

Nach langer Reise kommt es bei einem Kampf am 24. Juni 1542 zu einem völlig unerwarteten und schicksalhaften Zwischenfall: Unter den kämpfenden Indianern befinden sich auch Frauen. Gaspar de Carvajal schreibt später in sein Tagebuch:

"Dann kamen wir in das Reich der Amazonen. Sie kämpften gegen uns als Anführer an der Spitze ihres Volkes, mit langen Haaren und fast nackt, mit Pfeil und Bogen bewaffnet und so tapfer wie zehn Krieger. Die indianischen Männer wagten nicht die Flucht zu ergreifen. Wer es trotzdem tat, den erschlugen sie, vor unseren Augen."

Als die schwelgerischen Beschreibungen Carvajals von ihrer Begegnung mit den Amazonen später Europa erreichen, verbreiten sie sich wie ein Lauffeuer. Schließlich ist der Mythos von den Amazonen bekannt und die Faszination für die hehren Kämpferinnen, die sich für den unbehinderten Bogenschuss eine Busenhälfte ausbrennen (grch. "a mazo" gleich "ohne Brust") flammt im damaligen Europa bei vielen Menschen wieder neu auf.

So kommt es, dass der große Fluss, der erst zu Ehren seines Entdeckers Rio Orellana genannt wurde, recht bald nur noch der Fluss der Amazonen, Rio Amazonas, genannt wurde.

Autor: Dieter Engelmann

Stand: 13.06.2017, 13:34

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