Asterix, der Gallier

Kelten

Asterix, der Gallier

Die wohl bekanntesten Kelten aller Zeiten gibt es nur auf dem Papier: Asterix, Obelix, Miraculix und die anderen Bewohner des kleinen unbeugsamen Dorfes gehören zur Volksgruppe der keltischen Gallier. Die Comics von Albert Uderzo und René Goscinny verkauften sich weltweit über 300 Millionen Mal. Asterix' Abenteuer halten sich zwar nicht strikt an die historischen Fakten, lernen kann man von ihnen aber trotzdem einiges.

Wo liegt das Dorf der unbeugsamen Gallier?

Szene aus einem Asterix-Zeichentrickfilm: Asterix stützt seinen Arm auf einen Tisch und schaut verschmitzt.

Comic-Kelte Asterix ist weltweit bekannt

"Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten." Mit diesen Worten beginnt jeder Asterix-Band. Doch wo liegt eigentlich das so oft zitierte Dorf? Asterix und seine Freunde nennen ihre Heimat "Aremorica". Dieses Gebiet an der westfranzösischen Küste, das die Römer im Jahr 56 vor Christus eroberten, entspricht in etwa der heutigen Bretagne. Dort stehen nahe dem kleinen Badeort Carnac in kilometerlangen Reihen etwa 3000 Hinkelsteine, die aus prähistorischer Zeit stammen. Glaubt man allerdings dem Asterix-Band "Der Sohn des Asterix" ist Obelix für die Steinreihen verantwortlich. Denn um Milch für Asterix' Findelkind zu bekommen, beliefert Obelix den Bauern Appendix mit Hinkelsteinen, die dieser auf seinem Feld aufstellt.

Anti-Held Asterix

In der rauen und kriegerischen Zeit der Kelten hätte der schmächtige Asterix wahrscheinlich kaum das Zeug zum Widerstandskämpfer und Helden gehabt. Tatsächlich hatte Zeichner Albert Uderzo zunächst einen völlig anderen Asterix geschaffen, "einen Vercingetorix, einen richtigen Kelten eben, mit breiten Schultern", wie er später in einem Interview sagte. Vercingetorix war ein legendärer keltischer Führer, der um 50 vor Christus gegen die Römer für die Unabhängigkeit der gallischen Völker kämpfte. Doch Texter René Goscinny wollte keine weitere Heldenfigur, von denen es schon so viele auf dem Comic-Markt gab. Er wollte eine Titelfigur, die den Römern aufgrund ihrer Pfiffigkeit überlegen war. Da Uderzo sich aber nicht ganz von seiner Idee des starken Kelten verabschieden wollte, stellte er Asterix einen großen, breiten Freund zur Seite: Obelix.

Historische Weisheiten in Comic-Form

Natürlich kann die Asterix-Lektüre nicht den Geschichtsunterricht ersetzen, aber es finden sich in jedem Band Anspielungen auf historische Ereignisse und Persönlichkeiten. So weisen zum Beispiel Gallier älteren Jahrgangs immer wieder gerne darauf hin, dass sie tapfer bei Gergovia gekämpft hätten, den Ort Alesia sollte man dagegen in ihrer Gegenwart besser nicht erwähnen. "Alesia? Ich kenne kein Alesia! Ich weiß nicht, wo Alesia liegt! Niemand weiß, wo Alesia liegt", bricht es aus Häuptling Majestix in "Asterix und der Arvernerschild" hervor. Denn während die Gallier 52 vor Christus die römischen Truppen bei Gergovia noch schlagen konnten, unterlagen sie wenig später in der entscheidenden Schlacht bei Alesia unter Vercingetorix' Führung. Damit war die Eroberung Galliens durch Julius Caesar nicht mehr aufzuhalten.

Die Zeichnung zeigt den gefesselten Keltenführer Vercingetorix, der von römischen Legionären abgeführt wird. Im Hintergrund sitzt Caesar.

Keltenführer Vercingetorix unterlag Caesar bei Alesia

Auch sonst sind die Asterix-Comics gespickt mit historischen Aussprüchen und Anspielungen. Brutus, einer der Caesar-Mörder, wird mit Messer gezeigt und vorzugsweise von Caesar mit "Auch du, mein Sohn Brutus" angesprochen. Der römische Feldherr soll diesen Satz gerufen haben, als er sah, dass Brutus einer seiner Mörder war. In "Obelix auf Kreuzfahrt" begegnet der flüchtige Sklave Spartacus den Galliern. Tatsächlich gab es den so genannten Spartacus-Aufstand, bei dem sich ein Sklavenheer gegen die Römer erhob. Der echte Spartacus kam aber nie bis nach Nordgallien, sondern starb 71 vor Christus in einer Schlacht in Süditalien.

Wenn aus Kelten Germanen werden: Siggi und Barbarras

Wäre es nach dem deutschen Verleger Rolf Kauka gegangen, wäre von den vielen historischen Querverweisen wohl nicht sehr viel übrig geblieben. Der Erfinder von "Fix und Foxi" hatte die Veröffentlichungsrechte für Asterix in Deutschland erworben. Aus den Kelten Asterix und Obelix wurden so die Germanen Siggi und Barbarras, die fortan Kaukas reaktionäre Ansichten vertreten mussten. Aus dem gallischen Dorf wurde die Fliehburg Bonnhalla, die sich nicht mehr in der Bretagne, sondern am Rhein befand, und der weise Druide Miraculix hieß nun in Anlehnung an Kanzler Adenauer "Konradin". Der stolze Gallierführer Vercingetorix wurde gar zu Kaiser Wilhelm.

In der Mitte des Bildes steht ein älterer Herr, Asterix-Zeichner Albert Uderzo. Neben ihm stehen zwei als Asterix und Obelix verkleidete Menschen.

Uderzo war von 'Siggi' und 'Barbarras' sicher nicht begeistert

Besonders weit trieb es Kauka im Band "Asterix und die Goten", der bei ihm "Siggi und die Ostgoten" hieß. Darin fallen feindliche Agenten aus der "Ostgotenzone" nach Westen ein, indem sie den "grünen Vorhang" überschreiten. Die Ostgoten haben bezeichnende Namen wie Hullberick (nach DDR-Politiker Walter Ulbricht), Genossrick oder Volksbetrieberick. Ihre Texte wurden außerdem in roter Schrift gedruckt, damit auch der Letzte noch die Hinweise auf ihre sozialistische Gesinnung verstand. Nach vier Bänden hatten die französischen Rechteinhaber allerdings genug von Kaukas Propaganda-Comics und kündigten den Vertrag. Ab 1968 erschien Asterix auch in Deutschland als keltischer Gallier und hatte damit großen Erfolg.

Großer Erfolg eines kleinen Galliers

Das Bild zeigt eine Szene aus der Asterix-Realverfilmung 'Asterix und Obelix - Mission Kleopatra'. Obelix, gespielt von Gérard Depardieu, versucht vom Druiden Miraculix Zaubertrank zu bekommen.

Die Gallier feiern auch im Kino Erfolge

Weltweit haben sich die Asterix-Hefte inzwischen über 300 Millionen Mal verkauft. Die Abenteuer des kleinen Galliers wurden in mehr als 100 Sprachen und Dialekte übersetzt, so dass man Asterix inzwischen auch auf Kölsch, Fränkisch oder Plattdeutsch lesen kann. Story und Wortwitz des bisher letzten Bandes "Gallien in Gefahr" reichten zwar bei weitem nicht mehr an die frühen Asterix-Werke heran, was aber die Fans nicht davon abhielt, trotzdem 1,5 Millionen Exemplare allein im deutschsprachigen Raum zu kaufen. Auch auf die Kino-Leinwand hat es der Gallier schon mehrmals geschafft. Zu den Zeichentrickfilmen gesellten sich ab 1999 auch Realverfilmungen, in denen Stars wie Gérard Depardieu und Laetitia Casta mitspielten.

Autor/in: Johannes Eberhorn

Stand: 31.10.2013, 12:00

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