PKK: Terroristen oder Freiheitskämpfer?

Die Kurden

PKK: Terroristen oder Freiheitskämpfer?

Seit 1984 kämpft die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für die Freiheit der Kurden. Aus einer kleinen Rebellengruppe, die in den Bergen Anatoliens hauste, wurde die wichtigste Stimme der Kurdenbewegung. Lange Jahre verbreitete die PKK mit militanten und terroristischen Aktionen Angst und Schrecken, die türkische Armee schlug unerbittlich zurück. Die Lage glich einem Bürgerkrieg. Inzwischen haben zumindest Teile der Organisation der Gewalt eine Absage erteilt und versuchen, ihren politischen Einfluss zu stärken.

Kurdischer Widerstand hat Tradition

Demo von Anhängern der PKK in Deutschland.

Die PKK hat viele Anhänger - auch in Deutschland

Gewaltsamen Widerstand gegen die Zentralregierung gab es immer wieder in den kurdischen Gebieten. Schon kurz nach Gründung der türkischen Republik 1923 bildeten sich Widerstandsgruppen. Unter Führung des Scheichs Said brach im Februar 1925 ein Aufstand aus. Über 10.000 Kurden griffen zu Waffen, drängten die Regierungssoldaten zurück und nahmen kleinere Orte in Ost-Anatolien ein.

Die türkische Armee konnte den Aufstand nach zwei Monaten niederschlagen. Sie ging dabei sehr brutal vor und machte keinen Unterschied zwischen den Rebellen und neutralen oder sogar regierungstreuen Kurden. Ganze Stämme und Dörfer wurden in den Westen der Türkei zwangsumgesiedelt, viele Kurden flüchteten in den Irak.

Der Scheich-Said-Aufstand galt vielen kurdischen Rebellen als historischer Bezugspunkt und wurde als Großtat verehrt. Immer wieder flammten kurdische Aufstände gegen die Zentralregierungen der Türkei, Irans und Iraks auf, die jedoch regelmäßig nach kurzer Zeit niedergeschlagen wurden. Unterschiedliche Interessen und Konflikte innerhalb der verschiedenen Kurdenstämme führten dazu, dass sich keine einheitliche Widerstandsbewegung bildete.

Ziel: Ein unabhängiger, sozialistischer Kurdenstaat

Guerillakämpferinnen der PKK im Nordirak.

Auch Frauen griffen zu den Waffen

Erst ab Mitte der 1970er Jahre bildete sich eine breitere Front oppositioneller Kurden, die ein gemeinsames Ziel erreichen wollten: mehr Freiheit und am Ende einen unabhängigen Staat. Als Hauptakteur kristallisierte sich die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) heraus, die 1978 von Abdullah Öcalan gegründet worden war. Neben dem Kampf gegen den türkischen Nationalismus war sie auch stark marxistisch-leninistisch beeinflusst und machte das kapitalistische und imperialistische System verantwortlich für die Situation der Kurden.

Zudem wandte sich die PKK gegen das feudalistische Stammessystem der Kurden, was vor allem in den 1970er Jahren zu kurdeninternen Konflikten führte. Ziel der PKK war eine Revolution, die zur Gründung eines unabhängigen, sozialistischen Kurdenstaates führen sollte, in den im weiteren Verlauf auch die kurdischen Gebiete im Irak, Iran und in Syrien integriert werden sollten.

Nach dem Militärputsch in der Türkei 1980 verschlechterte sich die Lage der Kurden in den folgenden Jahren noch weiter. Öcalan rief den bewaffneten Kampf aus. 1984 besetzten PKK-Kämpfer zwei Kleinstädte in Südost-Anatolien und griffen türkische Polizeistationen und Militärposten mit Maschinengewehren und Granatwerfern an. Der Guerilla-Krieg gegen die Zentralregierung hatte begonnen.

Auch die Nachbarstaaten waren an dem Konflikt beteiligt. So bildete die PKK im Iran, im Irak und in Syrien Untergruppierungen und nutzte die Grenzgebiete dieser Staaten als Rückzugszonen. Zudem wurden in irakischen Lagern kurdische Guerillakämpfer ausgebildet.

Die Gewaltspirale dreht sich

Kurdenführer Abdullah Öcalan in Handschellen.

Zentrale Figur des kurdischen Widerstands: Abdullah Öcalan

Waren anfangs militärische, staatliche und infrastrukturelle Einrichtungen Ziele der PKK, übte sie später auch Terror gegen die Zivilbevölkerung aus. Immer wieder beging sie Bombenattentate und bewaffnete Überfälle. Die türkische Armee schlug mit voller Härte zurück. Über kurdische Provinzen wurde der Ausnahmezustand verhängt, die Armee brannte ganze Dörfer nieder, deren Bewohner unter dem Verdacht standen, mit der PKK zu sympathisieren. Das wiederum verschaffte der PKK Zulauf. Sie wuchs im Laufe der Jahre von einer Rebellengruppe in den Bergen zur wichtigsten politischen Vertretung aller Kurden.

1993 gab es das erste Waffenstillstandsangebot der PKK. Deren Führung verwarf in einer Erklärung das Ziel eines unabhängigen Kurdistans und strebte stattdessen kulturelle Autonomie und lokale Selbstverwaltung für die Kurden innerhalb der Türkei an. Doch die türkische Regierung war zu keinen Kompromissen bereit und verstärkte ihre Militäroffensive.

Im Februar 1999 wurde Abdullah Öcalan vom türkischen Geheimdienst in Nairobi festgenommen, was die Führung und Organisation der PKK empfindlich schwächte. Aus dem Gefängnis heraus warb er für eine friedliche Lösung des Konfliktes. Vier Monate später verurteilte ein türkisches Gericht Öcalan wegen Hochverrats zum Tode, 2002 wurde das Urteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Der Europäische Gerichtshof kritisierte 2003, dass der Prozess nicht rechtsstaatlich verlaufen sei und gegen die Europäische Menschenrechtskonventionen verstoßen habe.

Aktivitäten der PKK in Deutschland

Kurdische Demonstranten vor demoliertem Polizeiwagen.

Gewalttätige Demonstrationen in Deutschland

Der Kurdenkonflikt wurde in den 1990er Jahren auch nach Europa getragen. Besonders Deutschland, wo ein Großteil der nach Europa emigrierten Kurden lebt, wurde zum Schauplatz von Gewalt. Im Juli 1993 überfielen PKK-Kämpfer das türkische Konsulat in München und nahmen mehrere Geiseln. Zeitgleich wurden in ganz Deutschland Anschläge auf türkische Reisebüros, Banken und diplomatische Vertretungen verübt.

1994 verbrannten sich zwei junge Frauen während einer Demonstration in Mannheim, um gegen die Unterdrückung der Kurden zu protestieren. Kurdische Demonstranten blockierten Autobahnen und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Das deutsche Innenministerium erließ ein Betätigungsverbot für die PKK und ließ sie durch den Verfassungsschutz beobachten.

Bomben und Verhandlungen

Kurdisches Bergdorf im Iran.

Kurdengebiete: Kein Frieden in Sicht

Im neuen Jahrtausend war die PKK mehr und mehr um eine politische Lösung bemüht und erteilte der Gewalt eine Absage. 2002 löste sie sich offiziell auf und ging in der Nachfolgeorganisation KADEK auf, die sich ein Jahr später ebenfalls auflöste. Ihr folgte der Kurdische Volkskongress (KONGRA-GEL) nach. Doch das Blutvergießen ging weiter.

Militante Gruppen wie die Freiheitsfalken Kurdistans, die sich von der PKK abgespaltet haben sollen, verübten ab 2005 in Touristenorten Bombenanschläge, die mehrere Todesopfer forderten. 2008 entführten kurdische Extremisten drei deutsche Bergsteiger am Berg Ararat und hielten sie zwölf Tage gefangen. Sie wollten so Bundeskanzlerin Merkel zwingen, ihre Haltung gegenüber der Türkei und den Kurden zu ändern.

Mehr als 30 Jahre nach Beginn der Kämpfe zwischen PKK und Regierungsgruppen, gibt es ein uneinheitliches Bild auf Seiten der Kurden: Gemäßigte Vertreter suchen eine politische Lösung und treten in Kontakt mit der türkischen Regierung. Auch Öcalan, der immer noch als zentrale Figur der Kurden gilt, verhandelt nach eigener Aussage mit der Staatsspitze über eine friedliche Lösung.

Auf der anderen Seite gibt es weiterhin militante Gruppierungen, die Attentate auf staatliche Einrichtungen und auf Zivilisten verüben. Offiziell werden diese Anschläge von der Kurdenführung verurteilt. Die türkische Regierung wirft allerdings KONGRA-GEL vor, nicht entschlossen gegen die Extremisten vorzugehen und mit einer Doppelstrategie zu arbeiten.

Nach längeren Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und dem inhaftierten Abdullah Öcalan zog die PKK im März 2013 ihre Kämpfer aus der Türkei ab. Im Gegenzug sollen den Kurden mehr Autonomie und verbesserte Minderheitenrechte zugestanden werden. Weitere Etappen des Friedensprozesses geraten jedoch durch zahlreiche kleinere Scharmützel immer wieder ins Stocken.

Autor/in: Ingo Neumayer

Stand: 21.01.2015, 12:00

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