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Sie besiedelten eine der letzten unbewohnten Gegenden der Erde: die Maori. Bis heute ist nicht sicher, ob sie von Polynesien aus ihre Kanus gezielt Richtung Neuseeland navigierten oder ob es der Zufall war, der sie auf der Inselgruppe im Südwestpazifik landen ließ. Auch der genaue Zeitpunkt ihrer Ankunft steht nicht fest. Nach Jahrhunderten allein in Neuseeland kamen europäische Siedler und versuchten, den Maori ihre Lebensweise aufzuzwingen.

Legenden um die Ankunft der Maori

Ein im Gesicht tätowierter Maori streckt die Zunge heraus.

Die ersten Einwohner Neuseelands

"Meine Vorfahren kamen in Booten mit zwei Rümpfen, indem sie den Wind mit dreieckigen fasrigen Segeln einfingen und sich den Weg durch natürliche Navigationshilfen weisen ließen", schreibt der Maori-Historiker Buddy Mikaere. "Unsere Legenden sagen, dass wir schon längst von diesem Land wussten. In der so weit entfernten mythischen Vergangenheit, als die Welt noch jung war und die Götter die Erde durchwanderten."

Es ranken sich viele Legenden um die Ankunft der Maori in Neuseeland. Eine davon erzählt von Kupe, dem Seefahrer. Er segelte um die Inseln herum und ließ schließlich einen Teil seiner Familie zurück, damit sie die ersten Bewohner des Landes würden. Und auf Kupes Tochter soll auch der Maori-Name Aotearoa ("Land der langen weißen Wolke") zurückgehen - weil sie bei der Ankunft etwas Weißes am Horizont sah und rief: "He ao! He ao!" - "Eine Wolke! Eine Wolke!"

Zusammenleben in Familiengruppen

Das Gemälde zeigt ein großes Kanu mit einem Segel; darin sitzen mehrere Personen, die zum Teil nackt sind und zum Teil weiße Tücher umgeschlungen haben. Das Kanu landet offensichtlich gerade an der Küste einer Insel. Im Hintergrund ist ein Berg zu erkennen.

Mit solchen Kanus gelangten die Maori nach Neuseeland

Wissenschaftlich gesichert ist nur, dass die Maori Neuseeland zwischen dem achten und dem 14. Jahrhundert besiedelten. Wahrscheinlich kamen sie in mehreren Wellen aus Südostasien, genauer aus Polynesien. Die Ankömmlinge fanden ein Land vor, das genug Raum zum Siedeln bot. Sie lebten in kleinen Familiengruppen ("whanau") zusammen, wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt waren. Aus diesen wurden im Laufe der Zeit größere Einheiten, die "hapu", die die soziale Grundstruktur der Maori-Gesellschaft bildeten.

Als die Maori-Siedler herausgefunden hatten, welche Regionen ihrer neuen Heimat die fruchtbarsten waren, gab es Kämpfe um diese Gebiete. Die so ausgelösten Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen zogen sich zum Teil über mehrere Jahrhunderte in einem Kreislauf aus Gewalt und Rache hin. Denn für die Maori galt nichts höher als "mana" - ihre Ehre.

Erster Kontakt mit Europäern

Das Bild zeigt einen Mann mit grauen Haaren, der an einem Tisch sitzt. Auf diesem liegt ein großes Blatt, das offensichtlich eine Landkarte ist. Die Kleidung des Mannes besteht aus einem blauen Mantel mit goldenen Verzierungen, einer hellen Weste und einer hellen engen Hose.

James Cook erreichte Neuseeland im Jahr 1769

"Die Maori lebten in einer Gesellschaftsform, die von den kriegerischen Handlungen dominiert wurde. Alle anderen Aspekte des Lebens richteten sich danach. Der Lebensraum der Maori war weit entfernt von anderen Gesellschaftsformen, so dass es nicht zu einem Erfahrungsaustausch oder zu einem Technologietransfer kommen konnte", beschreibt Historiker Mikaere das Dilemma seiner Vorfahren, solange sie in Neuseeland unter sich waren.

Dass jedoch auch das Aufeinandertreffen mit Fremden Probleme mit sich bringen würde, war abzusehen. 1642 war der niederländische Seefahrer Abel Tasman der erste Europäer, der neuseeländischen Boden betrat. Der Engländer James Cook bereiste und kartografierte im Jahr 1769 die Nord- und Südinsel und beschrieb die dort lebenden Menschen als "intelligent und verwegen".

Zwischen Wohl und Wehe: Folgen der europäischen Besiedlung

Die Zeichnung zeigt zehn nackte Männer, die zum Teil im Gesicht und am Gesäß tätowiert sind. Sie bekämpfen sich untereinander mit Beilen und Messern. Die meisten kämpfen im Stehen, zwei von ihnen befinden sich am Boden.

Maori-Stämme bekämpften sich häufig untereinander

Von da an kamen immer mehr europäische Siedler nach Neuseeland - vor allem Briten. Zum einen profitierten die Maori vom Kontakt mit der westlichen Welt: Sie bekamen einen Eindruck eines anderen Lebensstils, lernten nützliche Gegenstände, wie beispielsweise Nägel, und neue Technologien kennen. Doch die europäische Besiedlung Neuseelands hatte auch gravierende Nachteile für die Maori: Die Neuankömmlinge schleppten ihre Krankheiten ein, gegen die die Einheimischen keine Abwehrstoffe besaßen und an denen sie in großer Zahl starben - beispielsweise an Grippe oder Masern.

Darüber hinaus bekamen die kriegerischen Auseinandersetzungen der Maori untereinander völlig andere Dimensionen, weil sie nun die von den Europäern mitgebrachten Gewehre einsetzen konnten. Schätzungsweise ging die Zahl der Maori in dieser Zeit um mindestens zehn Prozent zurück. Insgesamt machte sich mehr und mehr Gesetzlosigkeit im Land breit - worauf die britische Krone im Jahr 1840 reagierte: Sie sandte einen Gouverneur nach Neuseeland, und am 6. Februar wurde der Inselstaat durch den Vertrag von Waitangi zu einer britischen Kolonie. Er gilt als das Gründungsdokument Neuseelands.

Gewaltsamer Widerstand gegen die britische Kolonialregierung

Das Bild zeigt auf der rechten Seite eine Gruppe von Soldaten. Die meisten stehen, einer sitzt an einem Tisch. Vor diesem Tisch liegen am Boden einige Gewehre. Ein Mann ist gerade dabei, ein weiteres danebenzulegen. Im Hintergrund ist eine weitere Gruppe zu erkennen, deren Mitglieder auf dem Boden sitzen.

Szene aus einem Maori-Aufstand aus dem Jahr 1864

In dem Vertrag verzichteten die Maori auf alle souveränen Rechte und wurden zu britischen Bürgern. Im Gegenzug sicherte man ihnen zu, dass sie ihr Land behalten durften. Allerdings waren nicht alle Regelungen im Kontrakt eindeutig und wurden nach und nach aufgeweicht. So begann die britische Kolonialregierung, den europäischen Siedlern zu erlauben, sich auf Land niederzulassen, dessen Eigentumsverhältnisse nicht sicher geklärt waren. Dagegen leisteten die Maori gewaltsamen Widerstand, was eine Serie von Kriegen nach sich zog: die Neuseelandkriege.

Zwischen 1845 und 1872 kämpften Siedler mit Unterstützung britischer Soldaten gegen die Maori. Doch es gab auch Kämpfe zwischen britischen Soldaten und verbündeten Maori mit Gegnern der Kolonialregierung. Und in einigen Fällen schlugen sich Siedler in Konflikten gar auf die Seite der Maori. Die Folgen der Neuseelandkriege waren für die Maori extrem hart: Sie wurden zum größten Teil enteignet - selbst jene Stämme, die sich regierungsloyal verhalten hatten. Inzwischen hat sich die britische Krone für diese Politik entschuldigt.

Niedergang und Renaissance der Maori-Gesellschaft

Für die Maori bedeuteten die Enteignungen den wirtschaftlichen und sozialen Abstieg. Inzwischen waren sie zudem nur noch die Minderheit in ihrem eigenen Land und spielten gesellschaftlich und politisch kaum noch eine Rolle.

Erst nach dem Ersten Weltkrieg formierte sich eine politische Bewegung, die "Young Maori Party", um die Maori-Gesellschaft wiederzubeleben. Sie verfolgte keine Politik der Abgrenzung, sondern unterstützte die Übernahme westlichen Wissens und westlicher Werte, aber auf der anderen Seite die unbedingte Förderung der Maori-Traditionen.

Entschädigungen für die Enteignungen

Das Bild zeigt eine Gruppe von Maori-Männern mit traditionellen schwarzen Tätowierungen im Gesicht. Ein Mann im Vordergrund streckt die Zunge heraus und hat die Augen weit aufgerissen. Er hält einen langen Holzstab in der Hand.

Traditionelle Tätowierungen und Mimik

In den 1960er Jahren erlebte die Kultur der Maori einen erneuten Aufschwung, und die neuseeländische Regierung erkannte sie endgültig als politische Kraft an. 1975 wurde das Waitangi-Tribunal installiert, eine Instanz, bei der Maori ihre Rechtsansprüche  aus dem Vertrag von Waitangi anmelden können. Nach mehr als 20 Jahren Verhandlungen einigten sich im Jahr 2008 die Regierung und sieben Maori-Stämme auf eine umfassende Entschädigung. Durch den Vertrag wurden diese Stämme zu den größten Waldbesitzern Neuseelands.

Doch auch wenn die Maori im Gegensatz zu anderen Minderheiten - wie beispielsweise den nordamerikanischen Indianern - heute relativ gut dastehen: Die rund 565.000 Maori, die 15 Prozent der Bevölkerung Neuseelands ausmachen, sind durchschnittlich schlechter ausgebildet und häufiger arbeitslos und krank als der Rest der Neuseeländer.

Autor/in: Alexandra Stober

Stand: 02.04.2014, 13:00

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