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Viele Mythen ranken sich um die Maya, die einst die am höchsten entwickelte Kultur auf den amerikanischen Kontinenten besaßen. Und die dann scheinbar plötzlich verschwanden. Geblieben sind viele rätselhafte Schriftzeichen auf zahlreichen Prachtbauten, die heute Touristen aus aller Welt anlocken und faszinieren. Doch noch immer liegen viele Aspekte dieser rätselhaften Kultur im Dunkeln.

Das Land der Maya

Landkarte der Halbinsel Yucatán mit der Lage der größten Maya-Städte.

Maya-Kultur auf der Halbinsel Yucatán

Die Kultur der Maya konzentriert sich um die Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko. Das gesamte Gebiet der Maya verteilt sich heute auf fünf Länder. Neben Mexiko sind es Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Die Fläche des einstigen Maya-Reiches, das aus rund 50 Kleinstaaten bestand, ist in etwa vergleichbar mit der Größe Deutschlands. Bis heute gibt es mehr Theorien als wirkliches Wissen über das Leben der Maya. Warum sie sich ausgerechnet im tropischen Klima Yucatáns angesiedelt haben, ist genauso rätselhaft wie ihr späteres Verschwinden.

Um 600 nach Christus bauten sie auf Yucatán gigantische Städte, die sie dann wenige hundert Jahre später nach und nach aufgaben. Und die dann vom Dschungel überwuchert wurden, bis sie von Forschern  Jahrhunderte später wiederentdeckt wurden. Noch immer entdecken Forscher neue Städte. Diese werden mit finanzieller Unterstützung aus dem Ausland, unter anderem auch aus Deutschland, freigelegt und vor dem weiteren Verfall bewahrt.

Eine Welt wird entdeckt

Ein pyramidenförmiger Tempel mit vielen steilen Stufen, auf dessen Spitze eine Art Haus mit fünf Toren steht. (Rechte: AKG)

Der Tempel der Inschriften von Palenque

Die Erforschung der Maya-Kultur begann erst recht spät. Im 18. und 19. Jahrhundert gingen erstmals Forscher im mexikanischen Dschungel der Legende von überwucherten Tempeln nach. Anfangs interessierten sie sich nur für die großen Bauwerke und Städte, die nach und nach freigelegt wurden. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückten auch die Menschen, die jene Bauwerke erschaffen haben, in den Blickpunkt des Interesses. Obwohl es viele unterschiedliche Meinungen und Deutungen zur Maya-Kultur gibt, herrscht inzwischen immerhin weitgehende Einigkeit bei der Einteilung der Maya-Geschichte in drei Hauptphasen:

Vorklassische Zeit

Die ersten Funde, die den Maya zugerechnet werden, werden auf eine Zeit um etwa 2000 vor Christus datiert. Zu diesem Zeitpunkt hatten Menschen auf dem Gebiet des heutigen Belize bereits seit mehreren Jahrhunderten den Ackerbau etabliert. Woher diese Kultur kam, ist bis heute ungeklärt. Die meisten Forscher vermuten, dass alle indigenen Völker Amerikas asiatischen Ursprungs sind und einst über die Behringsstraße zwischen Alaska und Sibirien einwanderten. Erste Tempelbauten der Maya sollen etwa um 500 vor Christus entstanden sein. Diese Frühzeit der Maya-Kultur wird meist als "vorklassische Zeit" bezeichnet. Viel weiß man nicht über jene Zeit, da nur wenige Funde existieren und auch keine Schriften entdeckt wurden.

Klassische Zeit

Die große Zeit der Maya, auch "klassische Zeit" genannt, lag zwischen 400 und 900 nach Christus. Aus dieser Zeit stammen große Maya-Orte und -Siedlungen wie Chichén Itzá, Yaxchilán und Palenque. Diese Städte hatten für damalige Verhältnisse eine enorme Größe. Mehrere zehntausend Menschen sollen jeweils in einer solchen Stadt gelebt haben. Zum Vergleich: Orte wie Paris und London waren zur gleichen Zeit noch kleine Dörfer. Die klassische Zeit ist die herausragende Phase in der Maya-Kultur, weil in ihr all jene Gebäude entstanden, die heute noch auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán Forscher und Touristen gleichermaßen faszinieren.

Nachklassische Zeit

Die "nachklassische Zeit" ist jene Spanne von etwa 900 bis 1500 nach Christus. Niemand weiß bis heute, was genau die "klassische Zeit" beendet hat. Irgendwann um 900 verschwand ein Großteil der Bevölkerung und die großen Städte wurden verlassen. Die verbliebenen Maya änderten ihre Architektur, große Tempel oder vergleichbare Anlagen wurden nicht mehr gebaut. Deshalb sprechen Forscher immer vom Verschwinden einer Hochkultur. Es gibt aber auch Stimmen, die dahinter einen großen Entwicklungsschritt in der Gesellschaft sehen und sogar eine Demokratisierung erkennen wollen. Anstatt ihre Arbeitskraft in den Dienst von Herrschern zu stellen und monumentale Tempel zu bauen, widmeten sich die Maya nun ihrem eigenen Wohlstand. Eine von vielen Theorien.

Kultur und Kriege

Was die Maya auszeichnet, sind ihre kulturellen Errungenschaften. Ihre Siedlungsgebiet waren sehr dicht bevölkert. Um die große Bevölkerungszahl mit ausreichend Nahrungsmittlen versorgen zu können, mussten die Maya eine straff organisierten Anbau von Getreide und Gemüse entwickeln. Hierfür wurden aufwändige Bewässerungssysteme gebaut, darunter kleine Stauseen, in denen Wasser für Trockenzeiten gesammelt wurde.

Blick vom höchsten Punkt auf die Ruinenstätte Tikal inmitten tropischer Vegetation: Drei Spitzen großer Tempel ragen aus einer Urwaldlandschaft heraus.

Tikal im Norden Guatemalas war die größte Stadt der Mayas

Die Maya waren auch wahre Meister der Mathematik. Berühmt ist vor allem der Maya-Kalender "Haab", mit dem ein Jahr in 365 Tage, verteilt auf 18 Monate à 20 Tage plus fünf Resttage, unterteilt wurde. Die Maya beobachteten die Sterne, sie bauten vermutlich sogar Observatorien. Beeindruckend ist auch die zum Teil mehrfarbige Kunst, erhalten auf vielen Keramikfunden und auf den Gebäuden. Eine weitere Besonderheit ist ihre Schrift. Etwa 800 Zeichen hat man bislang gefunden, von denen man bis heute nicht alle entschlüsselt hat.

Aufgrund der vielen künstlerischen Funde wurde die Kultur der Maya lange Zeit romantisiert. Eine friedliche Zivilisation, die für die Kunst lebt und die Sterne beobachtet - so hatte es den Anschein. Erst mit Entschlüsselung der Maya-Schrift hat sich dieses Bild stark korrigiert: Die Maya entpuppten sich als nicht sehr  friedliebend. Sie führten untereinander ständig Kriege, Menschenopfer waren an der Tagesordnung. Besiegten Feinden wurden die Köpfe abgeschlagen und als Trophäen gesammelt. Teilweise wurden die Kriege aus dem einzigen Grund geführt, Gefangene zu nehmen, die man anschließend foltern und opfern konnte.

Der Untergang

Eine kleine helle Jadetafel, die im Original neun Zentimeter hoch und drei Zentimeter breit ist. Darauf zu sehen sind 19 typische Maya-Schriftzeichen.

Maya-Schriftzeichen auf einer Jadetafel

Plötzlich verschwand die Hochkultur der Maya. Das Rätsel ist bis heute nicht gelöst - trotz der Entschlüsselung vieler Schriftzeichen. Die meisten Forscher tendieren im wesentlichen zu einer Kombination aus drei Faktoren:

Krieg

Durch die Entschlüsselung der Schrift hat man herausgefunden, dass die Maya kein in sich friedlicher Kulturkreis waren, wie lange Zeit angenommen. Es gab rund 50 Stadtstaaten, die zwei großen Machtblöcken angehörten. Tikal und Calakmul gelten als Zentren der beiden Machtblöcke. Immer wieder soll es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Staaten gekommen sein. Einige Forscher vermuten, dass lange Zeit ein relatives Gleichgewicht zwischen den beiden Blöcken herrschte, dieses Gleichgewicht aber gegen Ende der klassischen Phase aus den Fugen geriet. Denkbar ist auch ein Szenario, bei dem die Bevölkerung der Maya-Staaten sich gegen die eigenen Herrscher aufgelehnt und sich von ihnen befreit hat. Das könnte auch erklären, warum in der Folge keine großen Bauwerke mehr errichtet wurden.

Raubbau

Eine andere Theorie besagt, dass das Volk an seiner Größe zu Grunde ging. Rücksichtsloser Raubbau an der Natur könnte letztlich ihre Lebensgrundlage zerstört haben. So vermutet es unter anderem die NASA, die das einstige Maya-Gebiet mit Satellitenbildern analysiert hat. Demnach könnte eine dramatische Entwaldung stattgefunden haben, was in der Konsequenz zur Austrocknung weiter Landstriche geführt hat.

Dürre

In eine ähnliche Richtung gehen Untersuchungen, die belegen wollen, dass eine außergewöhnliche Dürreperiode für das Verschwinden der Maya verantwortlich war. Anhand von Bodenablagerungen will man festgestellt haben, dass es im Maya-Gebiet um 900 nach Christus eine große Trockenheit gegeben haben muss. Auch in den Eisschichten der Antarktis kann man in diesem Zeitraum Abweichungen erkennen. All dies könnte auf ein globales Wetterphänomen hindeuten, was in diesem Fall für die Maya verheerende Folgen hatte.

Die Maya heute

Eine Maya-Schamanin.

Ein Maya-Nachfahre vor einem alten Kunstwerk

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Maya ausgestorben sind. Verschwunden ist in erster Linie die Kultur der sogenannten "klassischen Phase". Bis ins 16. Jahrhundert lebten die Nachfahren dieser Hochkultur in Selbstbestimmung. Dann kamen Eroberer aus Spanien, die sich in blutigen Kriegen das Land zu eigen machten und die Bevölkerung unterwarfen. Die Spanier schreckten auch nicht davor zurück, einzigartige Relikte aus der Maya-Zeit zu vernichten. 1697 wurde mit Tayasal die letzte große freie Maya-Stadt erobert und damit endete die Geschichte dieser eigenständigen und einzigartigen Kultur.

Heute leben noch etwa sechs Millionen Nachfahren der Maya in Zentralmerika, die als Indigenas bezeichnet werden. Einen Großteil davon findet man in Guatemala. Die meisten Indigenas leben in Armut, ihr Leben wird aber noch immer von alten Traditionen und Ritualen bestimmt.

Autor/in: Helmut Brasse

Stand: 02.04.2014, 13:00