Eine Reise zu den Indianern im Südwesten der USA

Indianer

Eine Reise zu den Indianern im Südwesten der USA

Wer eine Reise in den Südwesten der USA plant, der findet gute Voraussetzungen, um neben landschaftlichen Sehenswürdigkeiten auch etwas über Geschichte, Kultur und die heutige Lebenssituation der nordamerikanischen Indianer zu erfahren. Die touristischen Stichworte heißen Grand Canyon, Monument Valley, Brice Canyon und Las Vegas. Las Vegas oder Phoenix sind günstige Ausgangspunkte für Reisen ins Land der Indianer. Zwar leben die 563 Stämme der nordamerikanischen Indianer über den ganzen Kontinent verteilt, aber nirgendwo sind die Spuren so konzentriert wie im Südwesten.

Anasazi und Navajo

Zwischen Grand Canyon und Monument Valley befindet sich die größte Reservation, Heimat der rund 220.000 Navajo-Indianer. Hier sind im Canyon de Chelly Spuren der Anasazi-Kultur aus dem 1. Jahrhundert nach Christus zu bestaunen und weitere 160 Kilometer östlich kann im "Mesa Verde National Park" eine der best erhaltenen Anasazi-Siedlungen besichtigt werden. Sie waren Pueblo-Indianer, die lange vor den nomadisierenden Navajos lebten.

Wer Eindrücke vom heutigen Leben der Navajos sucht, fährt am besten vom South Rim des Grand Canyon, vorbei an der Navajo Hauptstadt Tuba City zum Monument Valley (etwa 270 Kilometer). Die durch Westernfilme und Zigarettenreklame zum Kult gewordenen Sandsteinfelsen bilden mit ihrer halbwüstenähnlichen Umgebung die größte Indianerreservation der USA. Endlose Souvenirstände, kleine Büros für Pferde- und Vantouren durchs Valley deuten schon bei der Anreise das touristische Großereignis an.

Blick auf ein Steinhaus, das unter einen Felsüberhang gebaut wurde.

Die Anasazi bauten ihre Häuser in den Fels

Was als profitabler Touristenmagnet der Navajos erscheinen mag, ist in Wahrheit der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Zwar dürfen die Navajos das Monument Valley vermarkten, aber ein Auskommen bietet das nur für die wenigsten Mitglieder des Stammes. Noch immer haben vier Fünftel aller Navajos keine feste Arbeit. Sie leben in den größeren und kleineren Ortschaften der Reservation und versuchen, sich mit der Herstellung von Schmuck und Kunsthandwerk über Wasser zu halten. Da liegt es nahe, den Absatz durch Direktvermarktung am Monument Valley zu forcieren, denn ohne diese Einnahmequellen sähe es in mancher Navajo-Siedlung noch trostloser aus.

Die indianische Provinz

Blick auf eine riesige Felsnadel, die inmitten eines Canyons steht.

Das Wahrzeichen des Canyon de Chelly

Wer über einen oberflächlichen Kontakt tiefer in den Indianeralltag einsteigen möchte, sollte in die indianische Provinz fahren. Rund 170 Kilometer sind es zum kulturellen Zentrum der Navajos im Canyon de Chelly. In Chinle, einem vergessenen Provinzkaff, verschwindet der "American Way of Life" vollends. Keine Fast-Food-Ketten, keine gewohnten Geschäftsnamen, Barzahlung statt Kreditkarte. Im Innern der Navajo Nation gehen nicht nur die Uhren anders als im restlichen Arizona, hier sind Weiße plötzlich in der Minderheit und selbst das Englische ist keineswegs mehr selbstverständlich.

Den interessierten Europäer beschleicht die Ahnung, dass ein Leben in der Reservation nicht immer zweite Wahl ist, sondern für viele emotionale Sicherheit bedeutet, ein Leben in Mehrheitsverhältnissen darstellt. In den Canyon de Chelly flüchteten die Navajos 1863 vor Colonel Carsons Truppen und wurden wenige Jahre später inmitten des Hopi-Siedlungsgebietes sesshaft.

Straßenschild mit der Aufschrift 'Entering Navajo Nation' vor strahlend blauem Himmel.

Im Südwesten der USA liegt die "Navajo Nation"

Der Canyon selbst bietet als Wahrzeichen den 244 Meter hohen Spider Rock, eine Sandsteinfelsnadel sowie jahrhundertealte Felszeichnungen aus der Anasazi-Kultur. Für Fahrzeuge ist der Canyon gesperrt, macht aber als beliebtes und selbst in der Hochsaison schwach frequentiertes Wandergebiet auch einen längeren Abstecher lohnend. Einige Motels und ein Campingplatz am Canyon de Chelly bieten Übernachtungsmöglichkeiten.

Hopi

Weniger leicht zugänglich sind für den touristischen Besucher die kulturell interessanten Dörfer der wenigen tausend Hopi-Indianer. Oft wird dem Durchreisenden die Zufahrt zu den alten Siedlungen der traditionsreichen Ackerbauern verwehrt. Es war eine Notwehrsituation, die die Hopis in den 70er Jahren dazu veranlasste, Fremde abzuweisen. Zuerst suchte die Hippie-Bewegung spirituelle Erleuchtung bei ihnen, danach verwechselten ungebremste Touristenströme das traditionsverbundene Leben in den Hopi-Dörfern mit Freilichtmuseen. Grund genug für den scheuen Stamm, den ungebetenen Gästen zu misstrauen.

Wer Zeit und Interesse mitbringt, kann nach telefonischer Kontaktaufnahme auch abgelegenere Hopi-Siedlungen besuchen, wobei Verhaltensregeln vorausgesetzt werden, die die traditionelle Lebenseinstellung der Hopi respektieren. Spätestens hier wird dem Amerikatouristen bewusst, nicht mehr in den USA zu sein.

Oberhalb einer steilabfallenden Felswand liegen einige Steinhäuser.

Die Hopi bauten zumeist oberhalb der Canyons

Für die schnelle Durchreise gibt es entlang des Highway 264 zwischen Moenkopi und Second Mesa Künstler und Kunsthandwerker mit einem breiten Angebot an Schmuck und Kunsthandwerk und den berühmten Kachinas. Selbst ein Umweg hierher lohnt, denn fast immer ist der Kontakt sehr persönlich, erfolgt der Verkauf in kleinen Werkstätten oder gar in Wohnstuben.

Auf der Second Mesa befindet sich das Kulturzentrum der Hopi mit umfangreichen Informationen zu Geschichte und Kultur des Stammes. Wer eine Übernachtung sucht wird im stammeseigenen Motel in Hotevilla fündig. Ein Geheimtipp ist der kleine Ort Oraibi auf der Third Mesa. Er ist seit dem Jahr 1150 ununterbrochen bewohnt und damit der älteste dauerhaft bewohnte Ort der USA.

Klima und Reisezeit

Blick auf zwei Tafelberge im Monument Valley vor gewittrigem Himmel.

Das Monument Valley ist "Indianerland"

Obwohl die Bundesstaaten im Südwesten der USA überwiegend Wüstenregionen sind, ist die Zeit von Mai bis September eine ideale Reisezeit. Wie Grand Canyon und Monument Valley so liegen auch die Reservationen von Hopis und Navajos auf einer Hochebene von über 2000 Metern Höhe mit entsprechend angenehmen Temperaturen selbst in den Hochsommermonaten. Unerträglich heiß wird es dagegen in den niedriger gelegenen Wüstengegenden um Phoenix und Las Vegas während des Hochsommers. Hier sind Früh- und Spätsommer die erträglicheren Reisezeiten. Umgekehrt können Reisen im April oder Oktober zu Grand Canyon oder Monument Valley im überraschenden Wintereinbruch enden.

Indianische Souvenirs

Wer die Region um Grand Canyon und Monument Valley besucht, stößt allerorten auf indianisches Kunsthandwerk. Besonders beliebt sind indianischer Schmuck und die berühmten Kachina-Puppen. Wer sicher gehen will, dass Originalmotive verkauft werden, sollte direkt bei indianischen Künstlern und Silberschmieden kaufen. Sowohl Hopi- wie Navajokünstler betreiben kleine Geschäfte an den wenigen Hauptstraßen des Siedlungsgebietes. Hopi-Kunst und Schmuck kauft man am besten entlang des Highway 264. Schnäppchen wird man zwar kaum machen, die Preise sind denen für Indianerschmuck in Deutschland vergleichbar, aber besonders bei Schmuck ist der Ursprung hier leicht nachprüfbar.

Blick in einen indianischen Souvenirladen, in dem viele Decken übereinander gestapelt liegen und Regale mit indianischen Souvenirs vollgestopft sind.

Souvenirladen der Navajo-Indianer

Jeder Schmuckdesigner sollte über ein so genanntes Stempelbuch verfügen, in dem die Stempelnummer des Schmuckstücks nachgelesen und dem Stamm zugeordnet werden kann. Die berühmten Dreamcatcher haben übrigens mit indianischer Tradition nichts zu tun. Sie sind eine clevere Erfindung aus den 60er Jahren, die inzwischen von fast allen Stämmen übernommen wurde, um den touristischen Hunger nach preiswerten indianischen Souvenirs zu stillen.

Autor/in: Wolfgang Neumann-Bechstein

Stand: 02.04.2014, 13:00

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