Côte d'Azur

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Côte d'Azur

Die Côte d’Azur - das Sehnsuchtsland der Nordeuropäer. Von dem unvergleichbar hellen Licht schwärmten schon einst die impressionistischen Maler und Fotografen wie Helmut Newton. Satte Farben wie das leuchtende Gelb der Mimosen, die roten Felsen von l’Estérel, das Lila des Lavendels und das Blau des Meeres - all das nährt die Begeisterung von der Côte d'Azur. Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom bezeichnete die "blaue Küste" sogar als den "Vorraum zum Paradies".

Die Lage der "blauen Küste"

Küstenabschnitt an der Côte d'Azur .

Die Côte d’Azur ist für ihre Farbenpracht berühmt

Beim Versuch, die Côte d’Azur geografisch einzugrenzen, scheiden sich die Geister. Das Kerngebiet umfasst einen zirka 120 Kilometer breiten Küstenstreifen, der bei Menton an der italienischen Grenze beginnt und bei St. Tropez endet. Manche Quellen bezeichnen die gesamte Strecke zwischen Menton und Marseilles als Côte d’Azur, doch das geht einheimischen Puristen zu weit. Die Côte d’Azur gehört verwaltungstechnisch zur Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA). Geografisch gesehen bilden die einzelnen Teilregionen jedoch keine Einheit.

Zur Provence gehört das fruchtbare Rhônetal, das heute eine blühende Kulturlandschaft ist und im Wesentlichen landwirtschaftlich geprägt ist. Östlich des Flusses erstreckt sich eine Mittelgebirgslandschaft mit dem Mont Ventoux (1912 Meter) als höchste Erhebung. Im Nordosten erheben sich die Seealpen, die sich zu einer Höhe von über 3000 Metern erheben zur Küste steil abfallen. Im Hinterland der Côte d’Azur liegen die zerklüfteten Mittelgebirge des Massif des Maures und des Massif de l'Esterel.

300 Tage Sonnenschein im Jahr

Zwischen der Küste, der Provence und den alpinen Regionen gibt es einen Temperaturunterschied von durchschnittlich sieben Grad Celsius. Das Klima an der Côte d’Azur ist mediterran, das heißt es gibt milde Winter und heiße Sommer. Die Temperaturen im Sommer übersteigen im Verlauf des Tages sehr oft die 30-Grad-Marke. Die Nächte sind oft angenehm warm bei 20 Grad Celsius. Die Berggipfel der Seealpen liegen dagegen bis weit ins Frühjahr hinein unter einer dichten Schneedecke.

Die Niederschläge in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur liegen bei etwa 50 Regentagen pro Jahr. Doch wenn es regnet, und das meist im Herbst, dann richtig. Die heftigen Schauer können durchaus zu heftigen Überschwemmungen in Bach- und Flusstälern führen.

Die nördlich an die Côte d’Azur angrenzenden Gebirge bilden einen besonderen Schutz vor den Stürmen, die vom Atlantik her nach Osten übers Festland ziehen. An der Küste herrscht deshalb ein besonderes Mikroklima, das für sehr milde Winter sorgt. Dann erreicht an sonnigen Tagen das Thermometer schon mal 15 bis 20 Grad Celsius.

Plage de la Croisette in Cannes.

Milde Winter und heiße Sommer

Und dann gibt es noch den Mistral, ein aus dem Rhônetal kommender kalter Fallwind, der alle Wolken vertreibt und einen strahlend blauen Himmel zurücklässt. Kehrseite des Mistrals: In Windeseile fallen dann auch die Temperaturen um rund zehn Grad. Meist bläst der Mistral im Frühjahr und Herbst und erreicht Geschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde.

Blütenpracht in allen Farben

Die Vegetation im südöstlichen Frankreich ist geprägt durch die Garrigue, eine mediterrane Strauchlandschaft mit immergrünen Zwergsträuchern, die besonders gut auf trockenem und felsigem Boden gedeihen. Typische Garrigue-Pflanzen sind Ginster, Zistrose und Wacholder sowie die berühmten Kräuter der Provence - unter anderem Thymian, Oregano, Rosmarin und natürlich Lavendel. Die blauviolett blühende Pflanze wächst in dichten, beinahe kugelförmigen Büschen. Erntezeit ist von Ende Juli bis Anfang September. Die heißen Temperaturen während des Sommers lassen die ätherischen Öle der Pflanze zu ihrer vollen Entfaltung kommen. Lavendel gibt nicht nur der berühmten Kräutermischung seinen unverwechselbaren Geschmack, sondern die Öle der Pflanze sind eine wichtige Essenz bei der Parfümherstellung.

Überstrahlt wird der Duft des Lavendels nur noch von der Duftrose, der sogenannten Centifolia, aus der man das Rosenöl gewinnt, das unverzichtbar für die Parfümherstellung ist. An den Hängen des Massif des Maures und des Massif de l'Esterel wachsen noch dichte Korkeichenwälder. Typische Bäume für den Landstrich sind außerdem Pinien, Platanen und Zedern.

Von dem milden Klima entlang der Cote d’Azur profitiert die gesamte Pflanzenwelt. Mittlerweile wachsen viele Arten an der Küste, die hier ursprünglich gar nicht heimisch waren. Olivenbäume und Weinstöcke kamen bereits in der Antike mit den Griechen nach Südfrankreich. Im 19. Jahrhundert hatten die exzentrischen Engländer viele exotische Pflanzen im Gepäck, darunter auch die Palmen, die heute viele Strandpromenaden schmücken.

Lavendelfelder in der Provence.

Blauviolette Felder in der Provence

Ins Auge springen jedoch die üppig blühenden, gelben Mimosen. Botanisch korrekt sind es die blühenden Zweige der Akazie. Dieser Baum stammt ursprünglich aus den tropischen und subtropischen Regionen Asiens und Australiens. Als erste Frühlingsboten blühen sie bereits ab Anfang Februar. Lässt man Akazien unkultiviert wachsen, können sie zu riesigen, bis zu 30 Meter hohen Bäumen werden.

Refugium seltener Tierarten

Die Tierwelt der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur ist entsprechend den großen Klimaunterschieden sehr vielfältig. In den Seealpen trifft man auf seltene Tierarten wie den Steinbock und den Steinadler. Sogar Wölfe sind in den letzten Jahren aus dem benachbarten Italien hier eingewandert. Weiter westlich in der Mittelgebirgslandschaft des Mont Ventoux trifft man noch auf den seltenen und geschützten Wiesenotter.

Direkt an der Côte d’Azur, im Massif des Maures, hat die griechische Landschildkröte ein Refugium gefunden. Im Schatten der Korkeichen finden die seltenen Reptilien einen idealen Lebensraum zum Brüten. Westlich von Saint-Tropez erstrecken sich die Calanques. An die raue Felslandschaft haben sich andere Reptilienarten wie die Smaragdeidechse und die Eidechsennatter perfekt angepasst.

Eine Eidechsennatter

Die Eidechsennatter ist mittlerweile selten geworden

Die Eidechsennatter zählt zu den typischen Tieren der Garrigue, meist hält sie sich in Wassernähe auf. Die bis 2,5 Meter lange Natter übertrifft an Größe sämtliche Reptilien Europas. Die Eidechsennatter gehört zwar zu den Giftschlangen, dennoch sind Bisswunden bei Menschen äußerst selten. Das liegt zum enen an der natürlichen Scheu der Schlange, zum anderen an weit hinten im Oberkiefer leigenden Giftzähnen. Mit etwas Glück kann man eine weitere, sehr seltene Reptilienart in der Garrigue beim Sonnenbaden beobachten. Mit einer Gesamtlänge bis 70 Zentimetern ist die Perleidechse die größte Eidechse Europas. Sie kommt nur noch in ganz wenigen Gegenden Südwesteuropas vor.

Weiterführende Infos

Autor/in: Sabine Kaufmann

Stand: 18.07.2012, 13:00

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