St. Patrick

Geschichte Irlands

St. Patrick

Der heilige St. Patrick ist der Schutz- und Nationalheilige aller Iren, egal ob sie in der Republik Irland, in Nordirland, in Wales, Schottland oder den USA leben. Er bekehrte im 5. Jahrhundert nach Christus die heidnischen gälischen Stämme zum Christentum. Bis heute ist der 17. März für Iren in aller Welt ein Grund zum Feiern im Gedenken an St. Patrick.

Vom Sklaven zum Bischof

Große Kirche neben einem Park.

Die St. Patrick's Kathedrale in Dublin

So populär er bei allen Iren ist, historisch verbürgt weiß man bis heute recht wenig über den Heiligen Patrick. Fakten und Legenden sind untrennbar miteinander verbunden. Nur zwei Schriften, die er selbst verfasst haben soll, geben wenigstens etwas Aufschluss über sein Leben: Die "Confessio" ist eine Mischung aus Biografie und Rechtfertigungsschrift und die "Epistola", ein Protestbrief gegen den britischen Häuptling Coroticus.

Bereits über sein Geburtsdatum streiten sich die Gelehrten. Die einen nennen das Jahr 415, für andere wurde er bereits 389 geboren. Ebenso wenig ist über seinen Geburtsort bekannt. Er selbst bezeichnete ihn als Bannevem Taburniae, das vermutlich in West-Britannien, dem heutigen Wales, an der Mündung des Severn gelegen hat. Dort kam er als Maewyn Succat, Sohn des wohlhabenden örtlichen Priesters und Gutsbesitzers, zur Welt. Dort wurde er auch im Alter von 15 oder 16 Jahren von keltischen Kriegern gefangengenommen und nach Irland verschleppt. Sechs Jahre musste er als Sklave in Irland arbeiten. In dieser Zeit lernte er die irische Sprache.

Eine Vision verhieß ihm schließlich die Rückkehr nach England. Mehr als 200 Kilometer soll er zu Fuß bis nach Wexford zurückgelegt haben, wo er ein Schiff fand, das ihn mitnahm. Die Reise führte ihn aber nicht nach England, sondern nach Frankreich. Dort studierte er Theologie und nannte sich fortan Patricius. Zunächst wurde er Dekan, dann Priester und später sogar Bischof.

Nachdem er nach England zu seinen Eltern zurückgekehrt war, hatte er wieder eine Vision: Die Stimmen der Iren fiefen ihn zurück nach Irland. Er folgte dem Ruf und bekehrte, wie er selbst in der Confessio schreibt, Tausende von Menschen zum Christentum. Dabei soll er sich geschickt durch Ehrerbietung und Geschenke örtliche Könige auf seine Seite gezogen haben. Sein Hauptwirkungskreis lag im Westen und Nordwesten der Insel. 444 ließ er sich als Bischof in Armagh nieder.

Kirchenruine.

Die Mellifont Abbey ist ein sehr altes Klosters in Irland

Zu Lebzeiten war St. Patrick keineswegs so unumstritten und beliebt wie heute. Seine Hauptgegner waren die keltischen Druiden, die durch die Christianisierung ihre Macht schwinden sahen. Doch er überwarf sich auch mit einigen Glaubensbrüdern. Bei einem Überfall des englischen Stammesfürsten Coroticus wurden auch Anhänger St. Patrick's getötet. Der Bischof setzte sich daraufhin mit seiner Epistola für die Exkommunizierung des Engländers ein. Das führte zu Spannungen mit der englischen Kirche. Dass ein Ire einen englischen Fürsten aus der Kirche ausschließen lassen wollte, konnte man nicht hinnehmen. Über das weitere Leben des Heiligen wissen wir wenig. Am 17. März 461 oder 493 soll er in Armagh gestorben sein.

St. Patrick's Day

Die Verehrung des Heiligen lässt sich in Irland bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Legenden um sein Wirken sind zahlreich. So soll er dafür verantwortlich sein, dass es in Irland keine Schlangen gibt. Er habe sie seinerzeit von Irland nach England vertrieben. Auf ihn ist auch das Kleeblatt (shamrock) als Wahrzeichen Irlands zurückzuführen. Anhand des dreiblättrigen Kleeblattes soll er den Iren die Dreifaltigkeit erklärt haben.

An seinem Feiertag, dem 17. März, wird die ohnehin grüne Insel noch ein bisschen grüner. Die erste St. Patrick's Day Parade fand allerdings weit weg von Irland im Jahre 1737 im amerikanischen Boston statt. Überall gibt es an diesem Tag Feiern, Paraden, Feste und überfüllte Kneipen. Vor allem in den USA hat man den St. Patrick's Day in ein regelrechtes Spektakel umgewandelt. Zur ersten St. Patrick's Day Parade in Chicago 1843 erschienen 770 Teilnehmer - eine für die damalige Zeit unglaubliche Menge. Dort wird seit 1962 sogar der Chicago River zum St. Patrick's Day grün eingefärbt.

Eine Irin, das Gesicht bemalt mit den irischen Landesfarben, einer passenden Halskette und passender Kleidung, feiert den St. Patrick's Day.

St. Patrick's Day: das wichtigste Fest für Iren

An amerikanischen Universitäten kursiert pünktlich zum Festtag des Heiligen sogar grünes Bier. Inzwischen ist St. Patrick's Day vor allem in den USA dermaßen kommerzialisiert, dass bereits wieder Rufe nach einer Rückbesinnung auf den ursprünglichen Sinn des Tages laut werden.

In Irland selbst hat man dagegen gerade erst den Feiertag für den Fremdenverkehr entdeckt und nutzt den bis dahin eher privaten Feiertag für lärmende Paraden. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist St. Patrick's Day inzwischen wenigsten für Besucher von Irish Pubs ein Thema, selbst wenn da kaum echte Iren mitfeiern.

Iren in Amerika

In den USA leben heute dreimal so viele Iren wie in Irland selbst. Sie stellen etwa fünf Prozent der amerikanischen Bevölkerung. Im Laufe der Jahrhunderte sind etwa sieben Millionen Iren in die USA ausgewandert. Da sie mit ihrer Emigration der Armut einer bäuerlichen Gesellschaft zu entfliehen hofften, stellten sie bald den größten Anteil der amerikanischen Industriearbeiter. Bis heute findet man die meisten Iren in den Industrierevieren der nördlichen Ostküste sowie in Cleveland und Chicago.

Bertie Ahern, Premierminister Irlands, überreicht Bill Clinton, dem Präsidenten der USA, eine Schale mit Shamrock.

Auch Bill Clinton ist von irischer Abstammung

Im 19. Jahrhundert waren sie als geschlossene Volksgruppe zumeist gut organisiert. Sie gründeten die ersten Gewerkschaften und erwarben regional auch politische Macht. Bis heute stellen sie eine der geschlossensten Volksgruppen der USA. Das hat ihnen auch im Lauf der Zeit immer größeren gesellschaftlichen Einfluss verschafft. Die Präsidenten Kennedy, Reagan und Clinton waren zum Beispiel irischer Abstammung.

Autor/in: Stefan Morawietz

Stand: 25.09.2013, 13:00

Darstellung: