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Vor- und Nachteile des Wohnens im Denkmal

Prof. Gottfried Kiesow gründete 1985 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, deren Vorsitz er immer noch hat. Aber nicht nur beruflich ist er schon seit vielen Jahrzehnten in Sachen Denkmalschutz unterwegs. Er selbst wohnt in einem denkmalgeschützten Gebäude und hat Planet Wissen die Vor- und Nachteile eines solchen Gebäudes erläutert.

Prof. Gottfried Kiesow mit Moderatorin Birgit Klaus im Planet Wissen Studio (Rechte: SWR)

Prof. Gottfried Kiesow bei Planet Wissen

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Planet Wissen (PW): Herr Prof. Kiesow, was spricht nach Ihrer Meinung für das Wohnen in einem Denkmal?

Herrn Prof. Gottfried Kiesow (G.K.): Denkmalgeschütze Wohnungen oder Häuser sind faszinierend. Die Gebäude sind sehr individuell, meist gibt es sie in ihrer Art nur einmal. In ihnen zu wohnen ist etwas Besonderes, weil das Bauen früher noch keine Massenkonfektion war.

PW: Ist der Erwerb eines denkmalgeschützten Hauses nicht auch mit viel Bürokratie verbunden?

G.K.: Das hängt sehr von der entsprechenden Baubehörde ab. Aber natürlich ist das Überprüfen von geplanten Veränderungen an einem Denkmal auch mit Bürokratie und einigen Wegen verbunden. Das muss man in Kauf nehmen, wenn man in einem Denkmal leben will, eben damit auch künftige Generationen das Denkmal genießen können.

PW: Wie erleben die Eigentümer in der Regel den Erwerb oder Umbau eines denkmalgeschützten Hauses?

G.K.: Meine Erfahrung ist, dass die Menschen, die sich ihr Haus in einem Leidensweg erkämpft haben, sich sehr wohl darin fühlen. Wohnen in einem Denkmal heißt auch, dass man sich einen persönlichen Wunsch erfüllt hat und das macht im Ergebnis zufrieden.

PW: Sehen Sie auch Nachteile darin?

G.K.: Natürlich ist keine Wohnung perfekt, auch keine denkmalgeschützte. Altbauwohnungen haben meist keine Garage vor der Tür. Manchmal fehlt der Balkon, dafür gibt es vielleicht eine kleine Sitzecke im Gemeinschaftsgarten. Oft gehen die Menschen zum Feiern mit Vorliebe in die Altstadtstraßen. Das heißt, in einem Denkmal zu wohnen, kann vielleicht etwas lauter sein. Das muss jeder für sich entscheiden und prüfen, ob das denkmalgeschützte Haus das Richtige für ihn ist.

PW: Sie wohnen auch in einem Denkmal. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ja, ich habe mir mit meiner Frau eine Wohnung in einem Altbau in Wiesbaden gekauft. Wir beobachten in Städten wie Wiesbaden und Frankfurt, dass die Menschen wieder in die Stadt ziehen. Vor allem auch ältere Menschen. Viele fragen sich: Was mache ich im Alter von 80 Jahren in einem Vorort, wenn ich nicht mehr Auto fahren kann? Meine Frau und ich gehen zu Fuß 15 Minuten bis zum Theater und zehn Minuten bis zur Fußgängerzone.

Ana Rios, Stand vom 17.11.2009

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