Wissensfrage
Stimmt es, dass das Bauhaus auch in Indien seine Spuren hinterlassen hat?
Obwohl der berühmte französische Architekt Le Corbusier niemals am Bauhaus gelehrt hat, gilt er doch als einer der Architekten, die die moderne Avantgarde-Architektur maßgeblich bestimmt haben. In den 1920er Jahren hat er an diversen Projekten teilgenommen, bei denen auch Bauhaus-Architekten involviert waren, zum Beispiel am Bau der Stuttgarter Weißenhof-Siedlung. Die Bauwerke von Le Corbusier und der Bauhaus-Architekten waren vom gleichen, schlichten Stil geprägt und haben sich gegenseitig in hohem Maße beeinflusst.
1951 erhielt Le Corbusier von der indischen Regierung den Auftrag, eine Regierungshauptstadt für den Bundesstaat Punjab zu planen. Es entstand die Stadt Chandigarh, gelegen auf einer weiten Ebene am Fuße des Himalaja. Heute leben hier über 900.000 Menschen.
"Auf dass diese Stadt eine neue Stadt werde, Symbol der Freiheit Indiens, ohne Fesseln durch Tradition aus der Vergangenheit, ein Ausdruck des Glaubens der Nation an die Zukunft ...", so urteilte der indische Ministerpräsident Nehru 1952.
Nirgends sonst konnte Le Corbusier seine Idee der funktionalen, modernen Rasterstadt so kompromisslos umsetzen wie in Indien. Die ganze Stadt wurde in verschiedenen Sektoren aufgeteilt, die lediglich eine einzige Funktion beinhalten durften. So gab es zum Beispiel den "Shopping-Sektor" oder den "Schlaf-Sektor". Dies hatte zur Folge, dass das überaus großzügig geplante Chandigarh zu einer Stadt der langen Wege wurde. Während seine Schüler und Mitarbeiter die Wohngebiete für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen planten, widmete sich Le Corbusier selbst in erster Linie den Regierungs- und Repräsentationsbauten der neuen Stadt. Bis heute ist Chandigarh eine Pilgerstätte für Architekturinteressierte.
Stimmt es, dass Mies van der Rohe gar nicht der Erfinder des Stuhl-Klassikers "Freischwinger" war?
Der sogenannte "Freischwinger", ein Stuhl aus Stahlrohr mit Lederbespannung, wurde wenige Monate vor der Eröffnung der Weißenhofsiedlung 1927 vom niederländischen Architekten Mart Stam entworfen. Ludwig Mies van der Rohe hingegen hatte das Patent für eine veränderte Variante des Stuhls – konzipiert für die Stuttgarter Mustersiedlung – auf seinen Namen angemeldet. Erst in den 1960er Jahren erhielt Stam per Gerichtsbescheid offiziell das Recht, den "Freischwinger" in seiner ursprünglichen Version als seine Erfindung zu bezeichnen. Dennoch wird dieser Stuhl-Klassiker fast auschließlich mit Mies van der Rohe in Verbindung gebracht.
Stimmt es, dass die Mitropa-Küchen der Eisenbahnen Vorbild für die ersten Einbauküche waren?
Die 1927 in Betrieb genommenen Mitropa-Küchen der Deutschen Reichsbahn waren zwangsläufig äußerst platzsparend konstruiert. Zwei Menschen waren dort auf einem Raum von 1,80 Meter mal 2,00 Meter in der Lage, für etwa 100 Personen Essen zuzubereiten. Überdies wurde dort auch noch alles Zubehör und Geschirr aufbewahrt. Vorbild für die Mirtopa-Küche waren die Speiseküchen der Mississippi-Dampfer aus den USA, die bereits seit 1869 in Betrieb waren. Die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, Erfinderin der ersten Einbauküche, der sogenannten "Frankfurter Küche", hatte sowohl die Wagen der Deutschen Reichsbahn studiert, als auch amerikanische Untersuchungen über rationelle Haushaltsführung ausgewertet. Wie die Küchen der Speisewagen, so waren auch die Frankfurter Küchen längliche, verhältnismäßig schmale Räume. So entsteht an den beiden Längsflächen möglichst viel Stellfläche für die Einrichtung, und von der einen zur anderen Seite des Raumes ist fast kein Schritt vonnöten.
Tobias Aufmkolk, Gabriele Trost, Stand vom 12.01.2010








